Posts by sid.vicious

    Der Film ist definitiv keine Komödie!

    Das Gesamte erhält wie behält (besonders mit Blick auf Cherie Curries Seelenleben) dramatische Züge.

    Ggf. irritiert das Wort "pfiffig" (?), welches ich gern anstelle des m.E. abgenutzten Wortes "intelligent" verwende.

    Produktionsland: USA
    Produktion: Art Linson, John Linson, Bill Pohlad
    Erscheinungsjahr: 2010
    Regie: Floria Sigismondi
    Drehbuch: Floria Sigismondi
    Kamera: Benoît Debie
    Schnitt: Richard Chew
    Spezialeffekte:
    Budget: ca.
    Musik: Lillian Berlin
    Länge: ca. 106 Minuten
    Freigabe: FSK 16

    Darsteller: Kristen Stewart, Dakota Fanning, Michael Shannon, Alia Shawkat, Scout Taylor-Compton

    Hübsche Mädels ohne Schlauchbootlippen (im heutigen Musikbusiness wohl eine Rarität), die den Worten wie Klängen von STOOGES, BOWIE, SUZI und denen der SEX PISTOLS lauschen. Hübsche Mädels die vermutlich jedem Rapper, Eurovision Song Contest- wie DSDS-Teilnehmer oder ähnlichen Musikschädlingen mit Wonne aufs Fressbrett prügeln würden, machen sich auf den Weg, um Rockstars zu werden. Was aus dieser Konstellation reifte, ist ein ca. 105minütiger Kurzweil, in dem Kristen Stewart und Dakota Fanning nahezu kolossal liefern.

    Abgeliefert haben auch Hairstylisten, Maskenbildner wie Kostümschneider, denn die Mädels sehen den Prä-Punketten alles andere als unähnlich.

    Fazit: RUNAWAYS reflektiert, wie der 3 Jahre zuvor entstandene CONTROL, ein Biopic nach meinen (verkorksten oder nicht verkorksten?) Geschmack.

    Pfiffig, witzig und hin und wieder etwas melancholisch. Super!

    Der Titel lässt auf ein Buch von Fans für Fans schließen. Ein Buch in dem Iljas Dauergäste dito unaufhörlich gehuldigt werden wie Schlaghose und Rollkragenpullover. Freilich erhalten die Mädels von ABBA als auch Marc Bolan ein paar über die Maßen lobende Worte und Ilja Richter jene Abreibung, die ihm auch zusteht, aber der subjektive Trip in die Vergangenheit ist nur Teil einer spannenden Zeitreise. Die gebürtigen Ruhrgebietler Ulli Engelbrecht und Jürgen Boebers haben nämlich einiges an Fingerspitzengefühl bewiesen und schwingen zwischen witzigen Geschichten aus dem dereinst noch gemütlichen Pott und ernsthaften Musikjournalismus. So erfahren wir einiges über URIAH HEEP, ELP, FRANZ K, KRAFTWERK etc. und die Entwicklung ihrer musikalischen Gesamtwerke. Freilich kommen dabei auch persönliche Einschätzungen zum Tragen, doch erstens: Kann das nicht anders funktionieren, und zweitens: Sind die Meinungen der Autoren fundiert und absolut nachvollziehbar.

    Zwischen Pottgezwitscher und musikalischer Fachsimpelei wird im Telegrammstil und nach Jahreszahlen selektiert das damalige politische als auch gesellschaftliche Zeitgeschehen in Erinnerung gerufen. Abschließend stellen die Autoren die ihrer Meinung nach 30 wichtigsten Alben der 1970er vor. Und siehe da, sie nennen nicht nur „Never mind the Bollocks“, sondern auch „Marquee Moon“ von TELEVISION! Eine gelungene Gratwanderung zwischen Humor und Bodenständigkeit, begleitet von Prog-Rock und Disco-Sounds als auch T-Rex und Deutsch-Rock.

    Ein kurzweiliger und lehrreicher Trip in das wohl innovativste aller Musikjahrzehnte.

    Originaltitel: Il colosso di Rodi
    Regisseur: Sergio Leone
    Kamera: Antonio L. Ballesteros
    Musik: Angelo Francesco Lavagnino
    Drehbuch: Ennio De Concini, Sergio Leone, Cesare Seccia, Luciano Martino, Ageo Savioli, Luciano Chitarrini, Carlo Gualtieri, Duccio Tessari
    Darsteller: Rory Calhoun, Lea Massari, Georges Marchal, Conrado San Martin, Ángel Aranda, Mabel Karr, Mimmo Palmara, Roberto Camardiel, Alfio Caltabiano, George Rigaud, Yann Larvor, Carlo Tamberlani, Félix Fernández, Ignazio Dolce, Antonio Casas, Fernando Calzado, Arturo Cabré, Álvaro de Luna, Rafael Hernández, Ángel Menéndez, Nello Pazzafini, Gustavo Re, Norman Rose,José María Vilches

    Dareios, ein gefeierter griechischer Heros, ist in Rhodos zu Gast, um an der Einweihungsfeier des (von Antipatros zu einem der sieben Weltwunder erklärten) Koloss von Rhodos teilzunehmen. Die imposante Bronzestatue soll Rhodos zum sichersten Hafen im gesamten Mittelmeer erklären. Doch der Jubel (bezahlte Jubler wie beim Schah-Besuch in der BRD?) täuscht, denn Wohlstand (der Mächtigen) und zierender Prunk kosteten einen hohen Preis und sind somit allein dem geknechteten Volk geschuldet. Folglich rumort es im Untergrund, wo sich die Geknechteten sammeln und auf den richtigen Zeitpunkt warten, um gegen die Herrschenden das Schwert zu erheben. Die Sicherheit der Herrscherkaste wird derweil auch mittels interner Querelen bedroht, denn des Königs offizieller Berater, der gerissene Tireo (Thar), plant gemeinsam mit den Phöniziern einen Umsturz. Für den geschwätzigen Dareios ist es übrigens ein Leichtes zwischen die Fronten zu geraten und tüchtig an Klatsch und Tratsch sowie Intrigen und Eitelkeiten mitzuwirken. Gibt es noch Hoffnung für die versklavten Rhodier? Oder ist Rhodos dem Untergang geweiht?

    Nach einigen Regieassistenzarbeiten und dem Leiten einiger second units debütierte Sergio Leone 1961 als alleinverantwortlicher Regisseur (erste Einheit!) mit dem neomythologischen Film DER KOLOSS VON RHODOS. Der gebürtige Römer sammelte bereits während seiner Lehrjahre eifrig Erfahrungen in diesem zwischen 1958 und 1964 florierenden Filmgenre, das den Neorealismo ablöste. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Leones Regiedebüt besitzt zwar einen populären Rufnamen, aber inhaltlich ist der Film bestenfalls mittelprächtig geraten. Ein ausschlaggebender Grund ist das behäbige Tempo der Narrative, die obendrein jedem halbwegs erfahrenen Filmfreund keinerlei Überraschungen offeriert.

    Die bundesdeutsche Synchronisation balanciert zu Beginn zwischen Poesie und Prosa. Was einer der Sprecher gar wortwörtlich bestätigt. Ferner will uns das Dialogbuch weiß machen, dass die Rhodier ihr kolossales Weltwunder dem Gott Apollo widmeten. Freilich lässt sich Apollo auch in der griechischen Mythologie finden, aber der Koloss wurde in facto dem Sonnengott Helios gewidmet, nach dessen Abbild man die berühmte Bronzestatue auch errichten ließ. Die für Leones Film hergestellte Statue erinnert allerdings tatsächlich an die überlieferten Abbilder des Apollo(n). Und als ich mir kürzlich den gezeichneten Koloss von Rhodos in Geschichtsbüchern anschaute, fielen mir Ähnlichkeiten mit der Statue of Liberty auf. Dessen siebenstrahlige Krone übrigens den überlieferten Bildnissen und Statuen des Gottes Helios verpflichtet ist.

    In DER KOLOSS VON RHODOS besitzt die gleichnamige Bronzestatue zwei Aufgaben. Sie soll einerseits mittels ihrer entflammten Schale als Leuchtturm fungieren, ergo die Schiffe in der Nacht sicher durch die tückischen Fluten des Mittelmeers leiten. Andererseits soll sie als Sicherung vor den Feinden von Rhodos dienen und unerlaubtes Eindringen als auch Flucht verhindern. Man spricht stolz vom sichersten Hafen im gesamten Mittelmeer. Doch warum eigentlich Flucht? Weil der Wohlstand der Mächtigen von Rhodos der Korruption sowie der Ausbeutung und Versklavung des Volkes geschuldet ist. Während sich die Schönen und Reichen an ihren Fress- Sauf- und sonstigen Orgien erfreuen, lebt das Volk von Rhodos in Knechtschaft. Wer dagegen aufbegehrt, empfängt umgehend den Tod. Mag sein, dass der jeweilige Aufrührer während seiner Transgressionsphase den Status eines Heiligen erlangt, aber dadurch wird die untragbare Gesamtlage auch nicht verbessert, denn das Volk braucht Waffen und nicht nur Märtyrer! Auch wenn keine Lösung in Sicht ist, liegt der Aufstand in der Luft. Diese brenzlige Situation wird jedoch nicht ausgenutzt, um den Zuschauer kraft des Schwebezustands zum Film zu verführen. Es wird viel gequatscht wie taktiert, aber Spannung mag mittels dieser Methode nicht entflammen. Damit hat DER KOLOSS VON RHODOS bereits eine wichtige Schlacht verloren.

    Die zentrale Figur (Dareios), die in der betuchten Hautevolee als auch bei den Aufständischen mitmischt, wird von Rory Calhoun verkörpert, der vornehmlich als Quatschkopf und weniger als Held und Hoffungsträger agiert. Der Kopf der Rebellen, Piliokles (gespielt von dem Franzosen Georges Marchal), nennt Dareios (zum Ende des Films) gar Feldherr. Obwohl Dareios vornehmlich quatscht, kann man ihm (s)ein einhergehendes Taktieren nicht absprechen. Dareios will den einen gegen den anderen ausspielen und hin und wieder kann es während dieser/seiner Mission passieren, dass nicht nur die angesprochenen Filmfiguren und Filmcharaktere, sondern auch der Zuschauer selbst die Übersicht über Dareios´ eigentliche Absichten (auf welcher Seite steht der Dampfplauderer denn nun?) verliert.

    Wie Rory Calhoun konnte mich auch Lea Massari (Diala) in ihrer Doppelrolle als Biest und love interest nicht überzeugen. Leas Gesicht erinnert mich etwas an das von Ingrid Bergmann. Aber im Gegensatz zu Ingrid Bergmann hat Massari nur den einen, den fortwährend gequälten, Gesichtsausdruck parat. Ich traute ihr zu keinem Zeitpunkt die für ihren Part erforderlichen Fies- und Gemeinheiten zu. Ich hätte den Part der Diala mit der charismatischen Belinda Lee besetzt, die einige Monate nach dem Erscheinen von DER KOLOSS VON RHODOS als Messalina in Vittorio Cottafavis gleichnamigem Peplum-Vehikel zu überzeugen wusste.

    Lea Massari bestätigt, dass halt nicht jede/r Schauspieler/in von Lee Strasberg geschult wurde und dass einige von ihnen auch niemals was von method acting gehört, geschweige denn daraus gelernt haben. Macht ja auch nichts! Man muss schließlich keine schauspielerischen Glanzleistungen erbringen, um sich im italienischen Genrekino einen Namen zu machen. Gelegentlich reicht bereits eine sympathische Aura aus, um - zumindest mich - zu saturieren. Georges Marchal als der etwas voreilig agierende Piliokles und Mimmo Palmara als der tapfere und leichtathletisch begabte Ares passen in diese Kategorie und können nach meinem Dafürhalten einige Pluspunkte einfahren.

    Palmara war in vielen Sandalenfilmen (ich mag diesen Begriff überhaupt nicht!) aktiv und spielte an der Seite der bekanntesten Muskelmänner. Er ruhte sich allerdings nicht auf den Lorbeeren aus und verschlief somit auch nicht den Wandel der italienischen Filmindustrie. Tauschte die ausgelatschten Sandalen gegen die mit blitzblanken Sporen bestückten Cowboyboots und spielte unter dem Pseudonym Dick Palmer in einigen Italo-Western. Dort traf er mit Sicherheit auch hin und wieder Nello Pazzafini, der beim KOLOSS einen Kurzauftritt (im wahrsten Sinne, er schlägt kurz und schmerzlos gegen einen mächtigen Gong) hat.

    Aber diese Filmografien sind ja eh alte Geschichten, die Ihnen mit Sicherheit bekannt sein werden. Diese Geschichten sind allerdings beileibe nicht so alt wie das Kabinettstückchen mit dem (in Leones Regiedebüt) eine Wärter respektive ein Wächter von einer femininen Schönheit ausgetrickst wird. Der angewandte Trick ist gar älter als die Zeit (ca. 292 v. Chr.) in der DER KOLOSS VON RHODOS beheimatet ist. Da darf man sich schon mal wundern oder seinen Lippen gar ein überhebliches Lächeln zugestehen.

    Über die dereinst anprangerungswürdigen Folterszenen werden sich die meisten Rezipienten heutzutage dito amüsieren wie über die zuvor erwähnten, antiquierten Kniffe und Tricks. Meines Erachtens sind diese Momente - für die damalige Zeit - ausreichend unangenehm geraten, um schlussendlich die Pein der Gefolterten nachvollziehen zu können.

    Ich kann nicht eruieren, wie viel Gelder den Verantwortlichen bei der Herstellung des Films zur Verfügung standen. Wahrscheinlich nicht genug, um derartige Massenaufläufe, wie sie beispielsweise in KARTHARGOS FALL dargeboten werden, zu realisieren. DER KOLOSS VON RHODOS liefert keine opulenten Bilder von Schlachten und Massenaufläufen. Alles wirkt überschaubar. Einzig bei der Visualisierung des Erbebens, dem Untergang von Rhodos und dem Sturz seines Kolosses hat man etwas tiefer in die Tricktaschen gegriffen, um den Kinozuschauern einen bleibenden Eindruck als auch einen gelungenen Filmabschluss zu liefern.

    Fazit: Einerseits kann man, besonders mit Blick auf die Vielzahl der beteiligten Produzenten und Drehbuchautoren, resümieren, dass viele Köche der Geschmacksqualität eines gemeinsam angerührten Breis schaden. Andererseits hat Jimi Hendrix ja auch nicht gleich mit „Purple Haze“ losgelegt! So firmiert DER KOLOSS VON RHODOS das mittelprächtige Regiedebüt jenes Mannes, der schon bald ein gesamtes Filmgenre revolutionieren sollte.

    Koloss von Rhodos, Der

    Produktionsland: Frankreich, Italien, Deutschland
    Produktion: Francis Cosne, Ilse Kubaschewski
    Erscheinungsjahr: 1964
    Regie: Bernard Borderie
    Drehbuch: Claude Brulé, Bernard Borderie, Francis Cosne, Daniel Boulanger
    Kamera: Henri Persin
    Schnitt: Christian Gaudin
    Budget: ca. 115 Min.
    Musik: Michel Magne
    Länge: ca. .. Minuten
    Freigabe: FSK 16
    Darsteller: Michèle Mercier, Robert Hossein, Jean Rochefort, Claude Giraud, Giuliano Gemma, Charles Regnier, Jacques Toja, Madeleine Lebeau, Jean Topart, Bernard Woringer, Philippe Lemaire, Jean Ozenne, François Maistre, Robert Porte, Etchika Choureau, Denise Provence, Renate Ewert

    Die Eltern der feschen, jungen als auch adeligen Angélique de Sancé de Monteloup meinen es gut mit ihrer Tochter und prognostizieren ihr eine rosige Zukunft und ein Leben in Saus und Braus, wenn sie doch nur den Grafen Jeoffrey de Peyrac heiraten würde. Bei genauer Betrachtung sind die De Monteloups allerdings auch so gut wie pleite und auf einen betuchten Schwiegersohn angewiesen, denn ohne eine gräfliche Finanzspitze müssten sie ihrem trauten Heim in Kürze Adieu sagen. Angélique ist sich der Not der Lage bewusst und stimmt schweren Herzens der Eheschließung mit dem Grafen Jeoffrey de Peyrac zu. Doch jene Liebe nach der sich der Graf (dessen Gesicht von Narben verunstaltet ist und der eines seiner Beine nachzieht) so sehr sehnt, lässt sich weder mit Geld noch mit Gold oder sonstigen materiellen Reichtümern erwerben. Bedeutet: Angélique ist von ihrem Bräutigam alles andere als hingerissen und reißt blitzschnell aus, sobald sich die Gesellschaft des Grafen ankündigt. Mit der Zeit lernt Angélique jedoch die inneren Werte des Grafen schätzen, sodass sie sich eines schönen Tages gar in ihn verliebt. Doch die traute Zweisamkeit währt nur kurze Zeit, denn der Graf wird der Hexerei bezichtigt und soll von den lodernden Feuern der Inquisition gefressen werden.

    Es liegt eine Ewigkeit zurück, dass ich im Alter von 9 oder 10 Lenzen ANGELIQUE im Kino schauen durfte. Es war während unseres jährlichen Sommerurlaubs in Meran. Mein Eltern und ich wohnten für drei Wochen in einer herrlich antiken Pension namens Alhambra auf der Fluggigasse 20. Das Meraner Kino offerierte ein täglich wechselndes Programm, das sich aus den Wiederaufführungen be- und geliebter Klassiker zusammensetze. Da der Kinobetreiber keinen Altersfreigaben verpflichtet war (wir waren schließlich in Italien), hat es vermutlich niemanden (außer meinen Eltern) gejuckt, dass ich einen Film geschaut habe, der nicht wirklich für meine Sehwerkzeuge bestimmt war. Diese speicherten (bis dato jederzeit abrufbar) einen beängstigenden Mann mit fiesen Gesichtsnarben sowie eine rothaarige Sissi ab. Es war also an der Zeit, die Erinnerungen aufzufrischen, die Lage im Frankreich des Roi-Soleil zu checken, demgemäß den Schwarzen Freitag bei einer großen Handelsplattform zu nutzen und Michèle Mercier, Robert Hossein, Jean Rochefort, Robert Hoffmann, Serge Marquand und viele andere gern gesehene Gesichter ins heimische Wohnzimmer zu holen und in HD auf dem Panel (er)strahlen zu lassen.

    Die Anfangsphase des Films ist nach meinem Ermessen ein Stückweit zu hektisch geraten. Die Exposition funktioniert zwar einwandfrei, aber „Angélique hier, Angélique da, Angélique trallala“: „Du sollst es gut haben“, „Du sollst was lernen“, „Du gehst ins Kloster“, „Halt, du kommst zurück und hast umgehend einen reichen Grafen zu heiraten“. Das ging mir schon ein bisschen auf die ohnehin strapazierten Nerven. Denn dieses hin und her und her und hin evozierte eine gewisse Skepsis, die mich vorerst daran hinderte, in den Film einzutreten. Mit Angéliques Eheschließung und dem Schauplatzwechsel, das Anwesen des Grafen Jeoffrey de Peyrac, öffnete sich mir erfreulicherweise dann doch ein Mikrokosmos, dessen Schwelle ich bereitwillig überschritt, um fortan mit großer Freude an den Spielen der Reichen und Schönen als auch denen der Armen und Hässlichen teilzunehmen.

    Angélique de Sancé de Monteloup kommt aus gutem Hause, auch wenn sie hin und wieder ihre gute Kinderstube vergisst und ihr Herz auf der Zunge trägt. Angélique ist halt nicht auf den Mund gefallen, spricht ihre Gedanken aus und eckt damit oftmals an, was ihre Lieben nicht unbedingt in einen Begeisterungstaumel lotst. Ferner ist sie sich ihrer Schönheit und ihrer körperlichen Reize bewusst.

    In den 1960ern erlebte der französische Kostümfilm eine Art Wiederauferstehung. Die Naivität der vorangegangenen Heldinnen wich einem Selbstbewusstsein, das den neuen Heldinnen ermöglichte, ihren Sexus als Waffe einzusetzen. So setzt Angélique auf ein tiefes Dekolleté und treibt kraft dieser Taktik den Männern der Adelsschicht die Schamesröte ins Gesicht und vermutlich auch Beulen in ihre seidenen Hosen. Der primär angesprochene King Louis entgegnet jedoch nur ein zurückweisendes „Sie sind schön Madame. Danke!“ und verbannt (der Etikette verpflichtet) die verführerische Gräfin aus seinem Sichtfeld.

    „Dieser Busen, diese Schultern, diese Augen. Sie müssen Ihren Busen verstecken, der Hof ist prüde, zugeknöpft, bis hier oben.“ (Eine Hofdame klärt unsere Heldin über die guten Sitten auf)

    Mit solcher Prüderie versucht die Aristokratie scheinbar jenen sexuellen Libertinismus, jene sexuellen Ausschweifungen und jene Verschwendungen, die man ihr nachsagt, von sich zu weisen. In diesem Kontext sei gesagt, dass man dem Grafen Jeoffrey de Peyrac durchaus De Sadesche Vorlieben oder zumindest eine Faible für sadistische Sexspiele zutraut. Sein steifes Bein als auch sein verunstaltetes Gesicht qualifizieren ihn zusätzlich für die Rolle des Monsters, das sich am Leid anderer ergötzen könnte. Aber: Wer an die Welt der Märchen denkt, der weiß, dass sich hinter der Fassade der Bestie ein Prinz verbergen kann. Bernard Borderie zieht in diesem Rahmen unverkennbare Linien zu Jean Cocteau, genauer gesagt zu ES WAR EINMAL – DIE SCHÖNE UND DIE BESTIE (LA BELLE ET LA BÊTE), einem Highlight beim sonntägigen ZDF-Martinee.

    Die Kulissen mit denen ANGÊLIQUE auffährt wurden liebevoll gestaltet. Sie reflektieren das Leben in Saus und Braus, sie reflektieren die Verschwendung. Sie reflektieren vermutlich all das, was der unbefangene Filmkonsument der langen Regentschaft von Louis XIV zuordnen würde. Auch die Requisiten sowie die Kostüme wurden exzellent geschneidert. Alles wirkt pompös, libertin, aber nicht märchenhaft. ANGÊLIQUE hält sich eh vom Übernatürlichen fern und ist dem Erklärbaren verpflichtet. So lässt sich Jeoffrey de Peyracs Fähigkeit aus Erz Gold zu gewinnen mit dem Amalgam- als auch mit dem Borax-Verfahren erklären. Für die Häscher des Königs und zahlreiche Neider ist das jedoch Grund genug, De Peyracs der Hexerei zu bezichtigen und ihn einem Gerichtsverfahren auszusetzen, das den zahlreichen bundesdeutschen Korruptionsaffären, in die manch hochrangige Politiker verstrickt waren, mühelos zur Ehre gereicht. Mit dem Vorwurf der Hexerei, den folgenden Gerichtsverhandlungen und dem Schrei nach dem brennenden Tod auf dem Scheiterhaufen, greift ANGÊLIQUE etwas vor, dass in den späten 1960ern bis in die 1970er zu einer (von Michael Reeves´ DER HEXENJÄGER erwirkten) kleinen Welle von (H)Exploitationfilmen heranreifte. Dabei werden wir mit den Nalderischen Gesichtsruinen (Albino und Natas) als auch der dämonischen Präsenz eines Matthew Hopinks leider nicht versorgt. Stattdessen kredenzt uns der Film Conan Becher: Kläger wie Inquisitor. Ein von Charles Regnier verkörperter Antipathieträger, der vermutlich den größten Teil der ANGÊLIQUE-Rezipienten dazu verführen konnte, ihn abgrundtief zu hassen, ja, ihm einen qualvollen Tod zu wünschen.

    ANGÊLIQUE lässt sich in die Kapitel „Jugend und Unbefangenheit“, „Die Zwangsehe“, „Die Suche nach Liebe“, „Das Komplott“ gliedern. Währenddessen wird die Titelheldin von den Männern innig begehrt. Denn Michèle Mercier gibt eine selbstbewusste wie charismatische Grafengattin, die mit der langweiligen Präsenz einer Keramikballerina, wie wir sie aus Tante Herthas Wohnzimmervitrine kennen, absolut nichts am Hut hat. Michèle Mercier spielt nicht die Angélique. Michèle Mercier ist Angélique! Der Nachteil: Auch wenn Mercier in Charakterrollen, wie die der Maria Caine in FRIEDHOF OHNE KREUZE, zu überzeugen wusste, wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (vergleiche Silvia Kristel als Emanuelle und Laura Gemser als Black Emanuelle) primär und auf Ewig mit dem Namen Angélique assoziiert werden.

    Was gibt es sonst noch zum Cast zu sagen? Robert Hossein beweist in der Rolle des Grafen Jeoffrey de Peyrac, dass ihm die Rollen von dubiosen Charakteren sehr gut zu Gesicht stehen. Hossein ist einfach ein toller Schauspieler, der auch in mittelprächtigen Filme wie DER MANN, DER PETER KÜRTEN HIEß volle Kanne abliefert. Charles Regnier liefert dito ab und nutzt seine Rolle als Conan Becher, um (wie bereits gesagt) den Hass der Zuschauer allumfassend auf sich zu ziehen. Robert Hoffmann hat als Chevalier de Lorraine leider zu wenig Spielzeit. Und Giuliano Gemma geht mir als Angéliques Jugendschwarm Nicolas ein klein bisschen zu viel auf die Eier.

    Bernard Borderies erste ANGÊLIQUE-Verfilmung versorgte mich mit Eintritt des Grafen Jeoffrey de Peyrac umgehend mit dem gewissen Etwas, welches mich hin und wieder, aber leider zu selten packt und zu einem eifrigen Mitfiebern verführt. Jenes gewisse Etwas, dass einen Film adelt.

    ANGÊLIQUE endet mit der Texttafel „Ende des ersten Teils“. Und da ich mich analog wie diebisch auf die Sichtung der Fortsetzung freu(t)e, sollte die Frage, ob mir ANGÊLIQUE denn nun gefallen hat oder nicht, beantwortet sein.


    Wer hinter SO GRÜN WAR DIE HEIDE ein Buch vermutet, dass den Löwenanteil der bundesdeutschen Heimatfilme vorstellt, der beschreitet die Heide über den gern zitierten Holzweg. Der Autor Gerhard Bliersbach hat Psychologie studiert und ist oder war hauptberuflich als Diplom-Psychologe aktiv. In SO GRÜN WAR DIE HEIDE berichtet er von der gar nicht mal so heilen Welt des bundesdeutschen Nachkriegskinos. Der Autor beleuchtet die Bezüge ausgewählter Nachkriegslichtspiele der vornehmlich 1950er zur damaligen Politik wie zur deutschen Kriegsvergangenheit.

    Bliersbach hat sich (nach einer umfangreichen und verflucht spannenden Einleitung) mit GRÜN IST DIE HEIDE und DER FÖRSTER VOM SILBERWALD zwei Filme für einen ansprechenden Einstieg in das bundesdeutsche Nachkriegskino ausgesucht. In seinen weiteren Analysen ebnet Bliersbach immer wieder Wege, die zu den Charakteren des Klassikers aus dem Jahre 1951 (GRÜN IST DIE HEIDE) zurückführen.

    Neben den beiden genannten Filmen untersucht Bliersbach (mit dem bereits erwähnten Blick auf die deutsche Kriegsvergangenheit, Kriegsschuld und die damalige politische Gegenwart) SAUERBRUCH – DAS WAR MEIN LEBEN, den ersten SISSI-Film, DER MEINEIDBAUER, HAIE UND KLEINE FISCHE, DIE LANDÄRZTIN, NATÜRLICH DIE AUTOFAHRER, DAS SCHWARZE SCHAF, ER KANN´S NICHT LASSEN, MEIN SCHULFREUND, DER HAUPTMANN VON KÖPINICK, KIRMES, DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE. Was in der ersten Hälfte des Buches etwas nervt, ist die ständige Erwähnung des Ödipus-Komplex.

    Da ich bereits DAS DEUTSCHE KINO DER 50ER JAHRE gelesen habe, war das Konsumierte kein Neuland für mich. Claudius Seidel greift in seinem empfehlenswerten Buch halt einiges auf, was Bliersbach sehr ausführlich thematisiert.

    SO GRÜN WAR DIE HEIDE umfasst 348 Seiten, besitzt ganz wenige Abbildungen und somit reichlich Kraftfutter für eigene Betrachtungen.


    Die Musikjournalistin Ingeborg Schober pflegte gute Kontakte zu AMON DÜÜL und den, kraft interner Rangeleien, daraus gewachsenen Bands AMON DÜÜL I und AMON DÜÜL II. Ingeborg Schober war vornehmlich an der Basis der DÜÜL´s und tanzte sozusagen mit den Lemmingen. Ein Tanz, der mit dem Tod von Benno Ohnesorg eingeleitet wurde und zahlreiche Tänzchen folgen ließ, die namhafte Persönlichkeiten aus Film und TV wie aus revolutionär ambitionierten Wohngemeinschaften aufs Tanzparkett zitierten. Schließlich hielten sich im engen Kreis wie im Dunstkreis von AMON DÜÜL (I und II) Filmemacher (Geissendörfer, Lemke, Nüchtern), Schauspieler (Zacher, Tommi Piper) als auch Revolutionäre (Kommune 1 aus Berlin) auf. Andreas Baader tauchte auch bei den DÜÜLs´ auf und stibitzte Peter Leopold zwei Hosen.

    AMON DÜÜL II wird gegenwärtig so gut wie niemand kennen. Die Musikjournalistin Ingeborg Schober traute der Kommunen-Band allerdings zu, dass Deutschlandbild im Ausland zu verkörpern und brachte ihre Einschätzung dementsprechend zu Papier: „Eine feine Mischung aus 30er Jahre Berlin, schöne Gesichter, feinsinnig und bleich, andererseits teutonisch und überraschend wahnsinnig.“

    By the way: Bei einem Auftritt von AMON DÜÜL II in Orford Ness lief ein Hitler-Fan mit echtem MG durch die Zuschauer und brüllte „Sieg Heil“. Es gibt auch Geschichten um Peter Leopold, Peter Kaiser und Olaf Kübler, die ihnen eine Liebäugelei mit den Nazis und dem Dritten Reich attestieren. Es kursierten auch Pläne, die Band in „Blitzkrieg“ oder „Reichsverweser“ umzufirmieren. Später sah man allerdings ein, sich mittels Naivität und Koketterie in falsche Gefilde verrannt zu haben.

    Wer heute Platten von AMON DÜÜL I und AMON DÜÜL II kaufen will, muss tief in die Tasche greifen. Ganz so viele wurden demgemäß wohl dereinst nicht gepresst. Im Œuvre der Bands lassen sich auch nur wenige Reissues entdecken. AMON DÜÜL I und AMON DÜÜL II zogen halt ihr eigenes Ding durch, bewegten sich fernab von modischen Musiktrends, die angloamerikanischen Vorbildern nacheiferten. Kaufen konnte man die DÜÜL-Platten bei Foto Schwabing in der kleinen, von Irmgard Weigelt betreuten Plattenabteilung, die Gerhard Rühl in seinem Artikel für die SZ als "Keimzelle des Münchener Underground" bezeichnet.

    Hellmut Hattler von KRAAN sagte mal: „Ich möchte lieber 100 Jahre Geheimtipp sein, als zu einem Musiktrend werden.“

    AMON DÜÜL II liegt nach meinem Ermessen – wie auch CAN - zwischen ewigem Geheimtipp und einer Vorstufe zum Punk.

    Das Buch, „Tanz der Lemminge“, ist dito (m)ein Geheimtipp. Ich erhielt eine Menge Infos (musikalisch wie politisch, Bandintern wie Weltgeschehen) und staunte nicht schlecht, welche VIPs man in dem Buch so alles treffen kann. It´s Schwabing…

    Was mich allerdings nervte, ist, dass ich hin und wieder (erste Buchhälfte, im weiteren Verlauf wird es besser) nicht wusste, aus welchem Blickwinkel Ingeborg Schober denn nun berichtet. Gegen die rezidivierende Ichform gibt es freilich nichts einzuwenden, aber es kommen halt viele Protagonisten zu Wort, und da sie alle in der Ichform reden…

    Das hätte die geschätzte Autorin wie Insiderin geschickter lösen können.

    Ansonsten alles gut im Staate von musikalischen Anti-Angloamerikanismus als auch von Prä-Punk, Anarchie und Nazi-Koketterie.

    Originaltitel: Le porte dell'inferno
    Regisseur: Umberto Lenzi
    Kamera: Sandro Mancori
    Musik: Piero Montanari
    Drehbuch: Olga Pehar, Umberto Lenzi

    Maurizio ist im Begriff den Highscore eines ganz besonderen Glanzstücks zu brechen. Seit 78 Tagen ist er in einer Höhle (die Katakomben eines alten Klostergemäuers) eingeschlossen, um zu testen, wie sich seine Psyche während seiner Isolation verändert. Die Freude über die neu geschaffene Bestmarke ist jedoch getrübt, denn Maurizios per Funk gesteuerter Kontakt zur Außenwelt, der nur im äußersten Notfall genutzt werden darf, lässt nichts Gutes erahnen. Der frischgebackene Rekordhalter berichtet seinen Kontrolleuren, vier Höhlenforschern, von einer unheimlichen Bedrohung, die ihm nach dem Leben trachtet. Das klingt für die Angefunkten: Erna, Paul, Manfred und Dr. Johns, nach den Symptomen eines Höhlenkollers. Und um Maurizio keiner Eigengefährdung auszusetzen, müssen sie ihn so schnell wie möglich vom Höhlendasein befreien. Doch ihr Abstieg in das Abteihöhlensystem, dem sich die Archäologen Laura Benson und Theo anschließen, wird sie schon bald mit dem diabolisch grinsenden Schnitter konfrontieren.

    In Zeiten der schwierig zu durchschauenden italienischen TV-Politik, ein TV Sender plante eine Reihe von Haunted House-Filmen und ließ Lenzi zwei Beiträge („La casa delle anime erranti” und „La casa del sortilego”) fertig stellen, die hiernach (angeblich) nicht einmal im TV ausgestrahlt wurden, entstand der ebenfalls für das Fernsehen produzierte „Gates of Hell“. Verglichen mit dem Firmierungschaos, das die beiden zuvor genannten sowie zahlreiche weitere Italo-Spukfilme anrichteten, liefert Lenzis Höhlenhorror eine (auch länder- und sprachenübergreifend) eindeutige definierte Headline, die mittels der Passage zur Hölle den Zuschauer in selbige einlädt.

    Was diesen sowie viele weitere Italo-Horrorfilme aus der zweiten Hälfte der 1980er bis in die 1990er hinein eint, ist deren temperamentlose, jederzeit austauschbare und per Synthesizer realisierte Konfektionsmusik. Zudem sind die angesprochenen Filme, wie die zahlreichen Direct-to-Video-Produktionen, welche die bundesrepublikanischen Videotheken fluteten, mit einer ebenso billigen deutschen Tonbearbeitung ausgestattet. Was die Synchronisation von „Gates to Hell“ allerdings von ihren Nebenbuhlern unterscheidet wie abhebt: Sie liefert einen Brüller nach dem anderen und kommt quasi einer Festlichkeit gleich, bei der kein Auge trocken bleibt. So wird beispielshalber die Aussage „Es sieht so aus, als ob er sich gleich umbringt!“ mit der empörten Feststellung „Was soll das? Die Leute vom Fernsehen kommen gleich!“ gekontert. Und wenn der Archäologiestudent Theo behauptet, „er habe einen Schnellkurs im Höhlenforschen gemacht und das er unbedingt zwei Aspirin einnehmen muss, da er schon wieder merkt, wie ihn (s)eine Klaustrophobie überfällt“, dann fühle ich mich in Lenzis grottiger Schauergrotte gar wunderprächtig aufgehoben.

    Die überschaubare Geschichte klingt mit dem Weltrekord eines ganz besonderen Pannemanns an. Denn wer ist so blöd und lässt sich auf eine solche, wie innert der Inhaltsangabe skizzierte, Tortur ein? Maurizio! Der Kollege eines Höhlenforscherteams, zu dem er nur im dringendstem Notfall per Funk Kontakt aufnehmen darf. Und wenn es dann tatsächlich so weit und das Maß des Erträglichen überschritten ist, berichtet er erwartungsgemäß verwirrt von x-beliebigen Dämonen sowie dem letzten Ausweg aus dem umrissenen Schlamassel - den Suizid.

    Innert dieses Kontexts ist es zwingend erforderlich, den Mann asap aus seiner Notlage zu befreien. Folglich steigen die vier Höhlenforscher gemeinsam mit zwei Archäologieassistenten der Uni Florenz (die zufälligerweise gerade in der Nähe waren) in das Höhlensystem des Klostergemäuers herab, um Maurizio wieder aufzupäppeln und ihn bei (s)einer Genesung zu unterstützen. Folglich bewegen sich sieben Personen durch die gefährlichen Tiefen einer Höhle, was die Methoden eines Dezimations-Films mit closed bzw. locked room mystery Tönung flink erahnen lässt. Dabei haben wir es notabene mit keinem Whodunit-Motiv, das sich ja aus der beschriebenen Ausgangslage herauskristallisieren könnte, zu tun und werden stattdessen, was bereits der Klappentext reflektiert, mit den Motiven aus den Slasher- und Horrorsektoren beliefert.

    Währenddessen treibt das Sujet ein mystisches Spielchen um sieben Benediktinermönche, die im Jahre 1291 einen Pakt mit dem Teufel schlossen, anschließend der Ketzerei überführt und zum ewigen Leiden verdammt wurden.

    Seither sind 7 Jahrhunderte durch die Zeitrechnung gezogen. Und Lenzis Horrorfilm wäre kein Horrorfilm, wenn man den Mönchen nicht die Möglichkeit einräumen würde, sich ihrer Verdammnis zu entledigen. Um die Anwartschaft zu erfüllen, müssen die sieben Ketzer 700 Jahre nach Ausspruch des Fluchs sieben andere Ketzer töten. Es sollte nicht schwierig zu erraten sein, wer diese sieben auserkorenen Personen sind. Sie erhalten übrigens auch die Erklärungen (eine Sternstunde deutscher Rhetorik, der Dialogbuchautor hat wirklich alles gegeben) warum sieben Personen, die im Jahre 1991 leben, sich als Ketzer definieren lassen.

    Jenes Unbehagen, der Anmarsch, der Ausbruch wie das darauf folgende Walten von Klaustrophobie, das einen Höhlenaufenthalt sehr wohl begleiten kann, erhält innert Lenzis Film keine Entfaltungschancen. Es kommt nicht einmal ansatzweise eine solche, vom Zuschauer als bedrückend wahrnehmbare Atmosphäre auf. Da hat selbst der Höhlenaufenthalt in „Alien, die Saat des Grauens kehrt zurück“ deutlich mehr Pfeile im Köcher. Wer mal die unliebsame wie verstörende Atmosphäre des Eingesperrtseins vor der Glotze erleben wie durchleben mag, der sollte, da führt ja mal gar kein Weg vorbei, Neil Marshalls „The Descent“, die Atmosphäre beschert mir immerzu übelste Ängste, sichten. Nebstdem empfehle ich Ihnen (die Filme spielen zwar in keiner Höhle, versprühen allerdings jene unbequem-teuflische Zauberkraft, die in geschlossenen Räumen auftreten und die Anwesenden in den Wahnsinn treiben kann) „The Hole” (GB, 2001) und den vorzüglichen „Them - Spiel oder stirb“ (FRA, ROM, 2006) zu sichten.

    Fazit: Lenzis Höhlenhorror ist von Spannung weitestgehend befreit. Das Mitfiebern mit den Protagonisten funktioniert ebenso wenig wie das Schema F der Logikeiferer, die diesen zu keiner Zeit klaustrophobisch wirkendem Film höchstwahrscheinlich einem Telefonbuch gleichstellen und ihn ebenso humorlos aus dem Effeff lesen werden. „Gates of Hell“ offeriert diesen Miesmachern freilich keinen Platz, an dem sie sich auf irgendeine Weise wohl fühlen werden, aber reichlich Zündstoff, um über die visuellen Sünden des Umberto Lenzi zu lästern und aus der nicht vorhandenen Klaustrophobie eine Katastrophe zu zaubern. Wer dieser Gilde nicht verpflichtet ist, ggf. - wenn es darauf ankommt - die Zahl 7 als eine Gerade einordnen kann, eine Schwäche für unfreiwilligen Humor besitzt und die Vorzüge einer durchweg bekloppten Synchronisation zu schätzen weiß, der oder die darf sich in der Höhle bzw. in der Hölle der Benediktinermönche auf ebenso positiv(!)-bekloppte Momente freuen.

    Wer ist eigentlich Britney Spears? Oder genauer gefragt: Wer verbirgt sich hinter dem Namen Britney Spears? Wer diese Frage(n) klären will, der sollte „The Woman in me“ lesen und sich diese von Britney beantworten lassen.

    Im Prinzip lässt sich „The Woman in me“ als Oral History beschreiben. Und wer ihre Worte schlussendlich zu Papier brachte, sollte uns eigentlich egal sein. Denn der Schreibstil ist ganz vorzüglich. Das Geschriebene konnte mich nämlich von der ersten bis zur letzten Seite packen, sodass ich das Buch nur ungern aus den Händen gegeben, sprich sehr schnell ausgelesen habe.

    Es gibt mit Blick auf die medialen Schlammschlachten halt viel zu erzählen bzw. klarzustellen. Ihre Touren mit Paris Hilton erfreuten natürlich besonders BILD und Co. und deren Paparazzi lagen ja bekanntlich überall wo Britney auftauchte auf der Lauer.

    Die Vormundschaftsgeschichte evozierte freilich die größte Schlammschlacht, und die Medien stürzten sich mit Freuden darauf. Britneys Vater, Mutter, Schwester profitierten nicht zu knapp. Die Zwangseinweisungen in die Kliniken. Was in den Kliniken ablief…

    Britney spricht kraft„The Woman in me“ all dieses an und lässt uns an den schlimmen Geschichten teilhaben. Und währenddessen wirkt sie beinahe wie eine Heilige - und beileibe nicht wie Britney Bitch.

    Nebst der Vielzahl an Informationen über Britneys Familienangehörige und Partner werden auch entspannte Anekdoten vermittelt, die beispielshalber im Zuge von Castings (wo neben Britney auch Natalie Portman und Christina Aguilera* auftauchten) zustande kamen.

    Zu Britneys Anfangszeit fanden sich auch – wie sie es sagt: Alte Männer mit lüsternen Blicken zu ihren Veranstaltungen ein. Bei „...Baby One More Time“ war sie eben 17 und hatte diese grässlichen Zöpfe, das wird vermutlich der Indikator sein.

    Ich finde, dass Britney in der Zeit von "Stronger" bis "Toxic", wo sie bestens durchtrainiert war, unfassbar gut aussah (Was ich respektvoll und nicht sexistisch meine!). Aber solche Aussagen konnte (kann?) Britney überhaupt nicht ab. Auch ein Grund warum sie sich dereinst den Kopf kahl rasieren ließ oder während ihrer „Blackout“-Phase (Mit „Blackout“ ist ihr 2007er Album und kein emotionaler Fehltritt gemeint) ihre Naturhaarfarbe, Schwarz, auf dem Haupte trug - Oops!... Das klingt ja nun wirklich nahezu prosaisch.

    Prosa hin, Prosa her, wie ich eingangs schrieb: „The Woman in me“ bietet einen angenehmen Schreibstil als auch ganz viel Spannendes, was das Lesen zur fortwährenden Freude macht.

    * Christina ist im Vergleich zu Britney Spears die bei weitem bessere Sängerin! Aber Britney hatte nach meinem Dafürhalten nun mal die besseren sowie simultan auch eingängigeren Songs interpretiert.

    Es rappelte und zappelte nicht nur in NYC. Auch in Motown, Ann Arbor und Cleveland sorgten manch Durchgeknallte für Furore, um schlussendlich das vorzubereiten, was der Volkmund seit Jahrzehnten Punk nennt. VELVET UNDERGROUND, MC 5, NEW YORK DOLLS, THE STOOGES. Lou Reed, Wayne Kramer, Johnny Thunders. Edie Sedgwick, Andy Warhol, Bridget Berlin… die Liste kann beliebig weitergeführt werden. Ohne sie alle und ihr kollektives Ausbrechen aus der so genannten Normalität hätte es den Punk niemals gegeben!

    Was waren das eigentlich für Typen, die zu den Paten dieser Subkultur wurden? Ganz böse gesagt: Drogensüchtige, tablettensüchtige wie versoffene Irre, die stets auf der Lauer lagen, um Dope abzustauben und sich bis unter die Schädeldecke zuzuknallen. Es gibt massig Geschichten zu erzählen, die sich um den Prä-Punk wie dem Früh-Punk und deren Protagonisten ranken. Für Legs McNeil und Gillian McCain Grund genug, sich diese erzählen und uns daran teilhaben zu lassen.

    Demzufolge liefert „Please kill me“ - wie John Robbs „Punk Rock: An oral History“ - ausschließlich die Originalaussagen der Interviewten. So plaudern Lou, DeeDee, Johnny, Bebe, Joey, Sable, Iggy und viele andere einfach mal aus dem vollgesiffeten Nähkästchen. Und während ich dieses konsumierte, wunderte ich mich nicht nur, sondern es wurde mir hin und wieder gar ein wenig übel. Trotzdem spreche ich dem Buch jegliche Jugendgefährdung definitiv ab, denn es sollte nicht nur den jungen Leser dazu veranlassen, niemals (!!!) Drogen anzurühren.

    Was bleibt zu sagen? Die erste Übersetzung ins Deutsche ging in die Hose. Die Vollidioten haben ein falsches Skript gedruckt. Vermutlich handelt es sich um das gebundene Buch. Also zur Vorsicht lieber die Finger weg vom gebundenen Buch und nach dem Taschenbuch kucken, finden, kaufen, wundern, etwas Übelkeit in Kauf nehmen und als Entschädigung ganz, ganz viel Spaß haben. Bombe!

    Irgendwann in Neuguinea: Die örtlichen Behörden haben die Suche nach dem verschollenen Wissenschaftler, Henry Stevenson, eingestellt und denselben für tot erklärt. Dessen Ehefrau, Susan, akzeptiert die Entscheidung nicht und wird gemeinsam mit ihrem exzentrischen Bruder, Arthur Weisser, und dem landeskundigen Edward Foster, der den Verschollenen in der Reichweite des Heiligen Bergs vermutet, die Suche fortsetzen. Foster gilt als eine Koryphäe und ist für sein exzellentes Fachwissen über die hiesige Flora wie Fauna und die ansässigen Naturvölker bekannt. Schließlich lebte er einige Zeit (wenn auch unfreiwillig) bei den Kannibalen und weiß von manch abscheulichen Ritualen sowie unbändigen Dschungelgefahren zu berichten. Blutrünstige Schauergeschichten, die Susan und Arthur jedoch nur ein spöttisches Lächeln abverlangen. Doch der geschwisterliche Spott wird schon bald in eine kollektive Panik transformieren, denn ihr Zielort ist die Heimat der Puca, welche permanent auf der Jagd nach frischem Menschenfleisch sind!

    Der rabiate (die Betonung liegt auf rabiat (!), demnach klammere ich den vergleichsweise zahmen „Mondo Cannibale“ von Umberto Lenzi geflissentlich aus) Output italienischer Kannibalenfilme, die als treuer Begleiter der nicht minder rabiaten, stiefelländischen Zombiefilme agierten, enterte in der Zeitspanne von 1977 bis 1981 die Welt der Bahnhofs- und Nachspielkinos. Beide Spielarten (Zombie- wie Kannibalenfilm) wurden, wie viele weitere Vertreter aus den - ich sage mal ganz pauschal - Untergruppen des Horrorfilms, da der Begriff Exploitation zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich weniger Medienpräsent war, mit dem Aufkeimen des bundesrepublikanischen Videobooms einer akribischen Inspektion unterzogen, was im Jahre 1983 die erste Beschlagnahmung einer Videokassette, welche den Film „Maniac“ (USA, 1980) verbreitete, zur Folge hatte. Der für den Einzug zuständige § 131 StGB wurde 1985 durch die Politik verschärft, sodass Indizierungen wie Beschlagnahmungen und spätere Einziehungen bereits im Folgejahr statistische Höchstwerte ansteuerten. Ein überaus populärer Vertreter dieser mal gewaltverherrlichend, mal gewaltverharmlosend sowie die sozialethisch desorientiernd eingestuften Filme wurde vom Nobis-Verleih mit dem blasphemischen Titel „Die weiße Göttin der Kannibalen“ geziert.

    Expositionstechnisch bestens terminiert trifft dessen feminine Hauptfigur, Susan Stevenson, simultan zu unserem Filmeintritt, per Flieger in Neuguinea ein, um ihrem Ausdruck als fürsorgliche Ehefrau einen besonderen Ausdruck zu verleihen und gemeinsam mit ihrem Bruder sowie manch verlockender Dollarnote eine Expedition in die „Grüne Hölle“ auf die Beine zu stellen. Wie seine Genrekollegen präsentiert auch „Die weiße Göttin der Kannibalen“ eine scheinbar undurchdringliche Wildnis, in deren Ecken und Winkeln ein kontinuierlicher Kampf zwischen fressen und gefressen werden herrscht. Giftschlangen, die plötzlich aus Ritzen hervor kriechen und deren gieriger Sabber an ihren teuflisch spitzen Zähnen entlangläuft, suchen ebenso emsig nach Beute wie die Würgeschlange, die den Tod ihrer Opfer zu einer unendlichen Qual werden lassen. Der Film zeigt demzufolge manch widerwärtige Archivaufnahme und schreckt freilich auch vor Tiersnuff nicht zurück, wie es in dem Genre nun mal üblich ist.

    Die Filmstory ist sehr bescheiden ausgefallen und wird flink während der Exposition vermittelt. Sie beinhaltet die Suche nach einem Verschollenen und ruft dessen Ehefrau, ihren Bruder, den ortskundigen Führer, einen Missionar sowie einige einheimische Gepäckträger auf den Plan. Dass sich die Männer nicht verstehen ist selbsterklärend, da die resultierenden Reibereien unverzichtbar für einen solchen wie ähnlich gelagerten Film (dieses Motiv tritt in fast jedem Tarzan-Vehikel auf) sind. Die Reise durch den Dschungel provoziert demnach die üblichen Strapazen und einhergehenden maskulinen Streitigkeiten, welche vom Aberglauben der Kofferkulis, die nach und nach den Fallen und Pfeilen des unsichtbaren Feindes (der hinter jedem Grashalm lauert) zum Opfer fallen, sodass die Dschungeltouristen schon bald - ebenfalls erwartungsgemäß, da Genrekonform - auf sich allein gestellt sind, begleitet werden.

    „Wir waren beide sehr an den Eingeborenen des Landes interessiert. Ein Jammer, es wird bald nicht mehr viel von ihnen übrig bleiben. Der gepriesene Fortschritt und die Technik werden in Kürze alles zerstören.“ (Edward Foster)

    Zivilisierung ist nicht allein Thema des Westernkinos, wo sie einen erheblichen Platz einnimmt und für Bewegung in Form vom Wandel der Sozialstrukturen sowie Aufbruch und Flucht seiner Pro- respektive Antagonisten sorgt. Die exploitativen Kannibalenfilme gewähren ihren Zuschauern Einblicke in die Lebensweise und die Riten von archaisch lebenden Gruppen, wobei die Regisseure zumeist großen Wert darauf legen, ein besonders abartiges Bild der Naturvölker zu vermitteln, was ihnen nahezu ausnahmslos gelingt. Auf diese Gruppen treffen zumeist Wissenschaftler, Journalisten wie auch Kriminelle, die zu ihren Gefangenen werden und Folter wie Erniedrigungen über sich ergehen lassen müssen, was freilich den Zusammenstoß der Kulturen reflektiert. Dem Eindringling in diese Welt, die ihn um Jahrhunderte zurückwirft, bleibt, um Folter und Leid zu entkommen, nur die Flucht oder der Tod. Ungeachtet für welches Los er sich entscheidet (sofern ihm eine Entscheidung überhaupt möglich ist), enden solche Filme im Stillstand (dazu gleich mehr). Eine Zivilisierung wird demzufolge nicht erfolgen, denn entweder ist die Geflüchtete zu etwas Wertvollerem gereift und leugnet die Existenz der barbarischen Naturvölker („Die Rache der Kannibalen“) oder sie wird, wie Sheila in „Lebendig gefressen“ zum Schutze von Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit zum Leugnen der Menschenfresserei genötigt oder das die Existenz der Kannibalen belegende Videomaterial wird vernichtet („Nackt und Zerfleischt“), da es dem Presseimage irreparable Schäden zufügen würde. Andere Genrevertreter enden hingegen abrupt mit der erfolgreichen Flucht (siehe Mark und Robert in „Mondo Cannibale 2 - Der Vogelmensch“) aus einer vergessenen Welt. Ergo ist eine Zivilisierung im Œuvre der italienischen Kannibalenfilme nicht gegeben und die vergessene Welt wird in den Köpfen der Geflüchteten gefangen bleiben und irgendwann - na was wohl? - gänzlich vergessen werden. Rasante Quertreiber, die ein wenig an den Genrekonventionen rütteln, sind allerdings „Asphalt Kannibalen“ und „Nackt unter Kannibalen“, da beide Filme den Kannibalismus in die Großstadt, also in die Zivilisation tragen.

    Doch nun zurück zu Martinos Dschungeltouristen, deren Reise beziehungsweise Suche zwei Aufenthaltsstationen erzwingt. Erste ist die Missionsstation von Pater Moses, der jener angesprochenen Zivilisierung ablehnend gegenübersteht und die Zivilisierenden, in seinen Augen die Zerstörenden, um jeden Preis aus seinem Reich fernhalten will. Moses hat mithilfe dieses Abschottungsmodus die profane Zeit in eine sakrale Zeit verwandelt. Eine Zeit, welche ihren gegenwärtigen Zustand, mit Blick auf ein harmonisches Miteinander, als ausreichend definiert und somit in gleichen Maßen als Anfang und Ende definiert. Also eine Zeit, die keine Veränderungen zulässt und infolgedessen Stillstand suggeriert. Wesentlich deutlicher werden sakrale Zeit, Stillstand sowie sein fatales Ausmaß mit dem Betreten der zweiten Aufenthaltsstation, die Höhle der Kannibalen. Die Zeit steht hier auf Uranfang, ihre Protagonisten (die Kannibalen) leben nach Urinstinkten, die sich auf das Überlebensnotwendigste beschränken. Hunger, der durch das Verzehren von lebendigen Reptilien sowie Menschenfleisch getilgt wird. Sexuelles Verlangen, das gar durch Sodomie befriedigt wird. Trotz der grenzenlosen Abartigkeiten gibt es Gesetze, die vom Oberhaupt des Stammes definiert werden. Sofern diese missachtet werden, erfolgt postwendend die Strafe (in diesem Fall die Entmannung und die anschließende Tötung des Regelbrechers). Martinos Kannibalenvehikel geht innerhalb seines Schlussdrittels überaus eklig zu Werke und praktiziert ein ums andere Mal den Tabubruch. Währenddessen agiert der Film allerdings nicht ansatzweise so erschütternd wie „Nackt und zerfleischt“. Wirkt visuell lang nicht so derbe wie „Lebendig gefressen“ und „Die Rache der Kannibalen“, kann mit dem exploitativen Ausmaß von „Zombies unter Kannibalen“ beileibe nicht mithalten, und besitzt schon gar nicht jenes Sexappeal, das „Nackt unter Kannibalen“, „Papaya - Die Liebesgöttin der Kannibalen“ und „Woodoo Baby - Insel der Leidenschaft“ mithilfe ihrer attraktiven Protagonistinnen, und zwar ohne dabei ästhetische Wege zu beschreiten, denn der „Sleaze-Faktor“ der genannten D´Amato-Filme ist bekanntlich enorm hoch, zeitweise zu versprühen wissen. Trotzdem ist „Die weiße Göttin der Kannibalen“ jede Sichtung und jede damit verbundene Erfahrung wert.

    Ob die Hauptprotagonistin, Susan Stevenson (äußerst hölzernen und phasenweise knuffig von Ursula Andress verkörpert), aus ihren Erfahrungen im Dschungel gelernt hat und wohlmöglich zu etwas Wertvollerem reifen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln. Charakterlich verkommene Menschen wie sie (Susan Stevenson) lernen nämlich niemals…, erst recht nicht aus ihren Fehlern! Und die Angehörigen eines solchen Menschenschlags werden schalten und walten, solange es die Menschheit gibt, denn sie bekleiden einen dominanten Part in unserer profanen Zeit.

    weiße Göttin der Kannibalen, Die

    Die Montage ist mir einfach zu schnell. Ich bin keine Freund von diesen hektischen Actionszenen, die der Film ja en masse liefert.
    Von Haupthandlung und Nebenhandlung kann ich nicht reden, da die Filmhandlung nun mal hauchdünn ist. Es reicht halt, um viel Action zu fabrizieren.
    Ella Balinska und Naomi Scott finde ich ziemlich langweilig, Kristen Stewart dafür ganz toll. Kristen Stewart ist auch der einzige Grund, warum ich mir solche Filme hin und wieder mal antue.

    Mir gefällt die Narrative enorm. Dinge die zeitgleich ablaufen, sodass schlussendlich ein Rädchen ins andere greift. Das Malle neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, spricht für seine Fähigkeiten. Denn sowas mit 26 Jahren hinzubekommen, ist nicht selbstverständlich.


    Der Film ist sehr ruhig, verzichtet auf Spektakel. Malle kann sich allumfassend auf seine Darsteller/innen (Ich mag die Art, wie die Charaktere respektive wie die Figuren gezeichnet sind.) verlassen.

    Schon bei den ersten Tönen sehe ich Florence Carala, wie sie durch Paris irrt, um Julien Tavernier zu finden. FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT hat mich enorm beeindruckt. Freilich auch die tolle Musik von Miles Davis.

    Ich habe den Kurzkommentar am 31.01.2026 geschrieben:

    Weihnachten1991: Prinzessin Diana verbringt das Fest der Liebe gemeinsam mit der Königsfamilie auf Schloss Sandringham. Die seelisch instabile Diana leidet an den Erwartungen und Zwängen, denen sie fortwährend ausgesetzt ist und …

    Mindgame-Movie! Gestern gesichtet und mit einem kräftigem: Hä? entlassen worden. Aber wie Peter Rüchel es immer so schön verlauten ließ, „…lassen wir mal ´ne Nacht drüber vergehen.“ Und siehe da, der Film spukt mir nach besagter Nacht mittels positiver Impressionen durch den Kopf. Da gibt es so vieles, was gestern nicht angeschlagen hat und nun kräftige Hirnkastenbambule fabriziert.

    SPENCER lässt Diana zwischen Depression und Rebellion chargieren. Allzu viele Worte werden nicht gesprochen - muss ja auch nicht - da Bildsprache und Mienenspiel die oft zitierten Bände sprechen.

    Eigentlich habe ich ein reines Biopic erwartet, aber das wäre gerade mit Blick auf die Fähigkeiten der Hauptdarstellerin, viel zu einfach. Ein banales Herz-Schmerz-Geflecht? Nee, nicht mit Kris, Stew, K-Stew oder wie auch immer man Kristen Stewart nennen mag.

    Der Film stellt halt Dinge an, die ich nicht von ihm erwartet habe. Ich dachte auch nicht stets an den zentralisierten Charakter Diana, sondern zuweilen an Britney Spears. Auf der einen Seite das gestörte Familienleben (Vater, Schwester, Partner), auf der anderen Seite die innige Beziehung zu ihren Söhnen…

    Ich vermute, dass SPENCER bei vielen Rezipienten nicht punkten wird. Bei mir kam SPENCER jedoch – wenn auch mit Startschwierigkeiten – voll an, was neben Bildsprache und Narrative freilich auch meiner riesigen Sympathie für die Hauptdarstellerin :herz: :herz: :herz: geschuldet ist.


    Im Oktober 2018 startete die Produktion der dritten Neuverfilmung der Serie als Kinofilm, in dem Kristen Stewart, Naomi Scott und Ella Balinska in den Hauptrollen die drei Engel spielen.


    Contra: Die Handlung ist hauchdünn, die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Eine ziemlich öde Angelegenheit.

    Pro: Mit CGI wird nicht übertrieben, und Kristen Stewart sieht erwartungsgemäß sehr gut aus.

    In seinem Buch kommt nicht nur der Autor zu Wort. Rotten erlaubt auch anderen Zeitzeugen wie seinem Vater, seiner Ehefrau Nora, Caroline Coon, Chrissie Hynde, John Gray, Don Letts, Steve Jones, Paul Cook etc. aus dem Punkkästchen zu plaudern. Ich habe einiges Neues erfahren und simultan andere Sichtweisen kennen gelernt. Das Rotten bereits früh eine Vorliebe zum Reggae entwickelte, wusste ich nicht, dass es Arsenal-Fan ist, war mir bekannt, aber es sei ihm trotzdem verziehen - Fuck you, I´m Millwall!

    Ganz witzig finde ich die Anekdote, dass Rotten irgendwie, irgendwo, irgendwann mit dem für ihn typischen Zynismus Satz für Satz auf Paul Cook abschoss. Der gemeinhin sehr brav wirkende Cook war dermaßen genervt oder auch überfordert, dass er die verbalen Angriffe mit Faustschlägen beantwortete.

    In Rottens Buch bekommen erwartungsgemäß Vivienne und Malcolm symbolisch auf die Fresse. Generell muss man aber festhalten, dass es ansonsten recht fair abläuft, Rotten hat halt seine Standpunkte und vertritt wie vermittelt diese kraft (s)eines unterhaltsamen Schreibstils.

    Tobias Lehmkuhl hat mit NICO ein Buch verfasst, das sich angenehm lesen lässt. Wer im Anschluss an diese Lesung darüber mosert, zu wenig über die Warhol-Factory und Velvet Underground erfahren zu haben, der sollte sich den Buchtitel noch mal genau anschauen. Der Buchinhalt dreht sich primär um Christa Päffgen alias Nico. Warhol, Reed, Cale und Co. sind nur drei von vielen Begleitern.

    NICO beginnt in der deutschen Nachkriegszeit, verlegt später die Schauplätze nach Paris, New York, Manchester und Ibiza. Währenddessen erfahren wir etwas über Nicos Beziehung mit Delon, der in dem Buch zwar freundlich, aber eindringlich als ein gewaltiges Arschloch umschrieben wird. Aus ihrer Liaison mit Delon wurde (auch wenn Delon die Vaterschaft abstreitet) Ari geboren, der die Reste aus den Cocktailgläsern naschte und dadurch gesundheitliche Schäden erlitt. Dass Nico ihren Sohn auf Heroin setzte, wird in diesem Buch zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bekräftigt, Lehmkuhl bringt eine weitere Möglichkeit ins Spiel, die durchaus plausibel klingt.

    Wer wusste übrigens davon, dass Nico für die weibliche Hauptrolle in LETZTES JAHR IN MARIENBAD vorgesehen war? Ich nicht, das ist allerdings nur ein kleiner Teil von einer Flut spannender Informationen, die das gesamte Buch durchziehen. Es gibt Rassismusvorwürfe, die Schwarze Liste der Black Panthers, Pierre Clémenti und die Klappsmühle, Nicos Faible für Andreas Baader, Nico als Vorbild für Siouxsie Sioux…

    Jau, es gibt eine ganze Menge zu erfahren und wer generell an Film und Musik interessiert ist, Typen wie Nico, Andy Warhol und Lou Reed spannend findet und nebenher für kurze Zeit in die New Yorker Prä-Punk-Szene eintauchen will, der ist in diesem Buch recht gut aufgehoben.

    Im September 2022 erfolgte meine Erstsichtung des Films (DIE JUNGFRAUENQUELLE) und ich muss sagen, dass ich erfolgreich in den Film hineingezogen wurde. Eine fortwährend düstere Atmosphäre ummantelt das, von dem man weiß, dass es passieren wird, aber es nicht wirklich wahrhaben will. Ich finde den Film sehr unangenehm!!! Das ist m. E. nicht der Film, den man schauen sollte, wenn man anschließend zur Geburtstag- oder Sylvesterparty gehen will. Die Bildsprache ist extrem reich und es würde eine Menge Zeit kosten, um das Aufgesogene zu resümieren und anschließend zu Papier zu bringen.

    Das war schon ein besonderes Filmerlebnis.

    Im Vorfeld kam es zu Bombenanschlägen rechtsextremer Terroristen.
    Um eine Ausstrahlung der einführenden Dokumentation „Endlösung“ zu verhindern, sprengten Peter Naumann, später bis zu seinem Tod Politiker der NPD, und zwei Komplizen zwei Sendemasten der ARD: den Sender Koblenz sowie den Longinusturm am Sender Nottuln.
    Betroffen waren circa hunderttausend Fernsehgeräte.

    Wenn ich das richtig in Erinnerung behalten habe (Buchquelle: Der Rebell), dann plante er gemeinsam mit Odfried Hepp die Befreiung von Rudolf Hess. Kurze Zeit später lösten sich Hepp und Kexel vom Hitlerismus.

    Ich vermutete ja, dass man sich nicht allzu viel von der Serie versprechen sollte.

    Neben den damaligen Artikeln in der Bravo war wohl die folgende 12-Minuten-ZDF-Doku ein gewichtiger Anreger, um in der Bunesrepublik zum Punk zu transformieren bzw. zu konvertieren. 1976 gab es nur drei Programme und demgemäß haben wohl genug Leute zugeschaut. Ich bin erst 1980 dazu gekommen, da herrschte schon der Uniformierungszwang. Das Böse, dass angeblich von der Musik der Pistols ausging, konnte ich nie entdecken. Als ich das erste Mal "Throbbing Gristle" im TV sah wie hörte - 1979 oder 1980 (?) - hatte ich das entdeckt, was ich dereinst als wirklich böse Musik (Geschrei, keine Melodie, Unkoordiniertheit, Furchterregendes) registrierte.

    Wiltrud Mannfeld ist als Ankündigerin eines solchen Beitrags - optisch(!) - schon ziemlich speziell, aber sympathischer als die heutigen Moderatorinnen. Und sie spricht das Wort Neger aus.

    Sollte man sich nicht anschauen, wenn man anschließend eine Feierlichkeit besuchen will, es sei denn man will sich konsequent und bis zur Gesichtslähmung vollaufen lassen. Die ersten zwei Filmdrittel sind abstoßend hoch 10, aber die Verführung zum Film funktioniert gerade deswegen einwandfrei. Bewegen wollte und konnte ich mich während der Sichtung ja mal gar nicht, saß dementsprechend niedergeschlagen auf dem Sofa und wurde zu einem hilflosen Beobachter. Das Ende wirkt versöhnlich, was dem Film allerdings wie schlussendlich die Chance versagt, als ein absolutes Dreckstück zu fungieren.Mein Liebling unter den Nam-Filmen ist APOCALYPSE NOW, daran wird sich auch niemals was ändern, aber DIE VERDAMMTEN DES KRIEGES gehört auf jeden Fall zu meinen Top 3.

    Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
    Produktion: Gero Wecker
    Erscheinungsjahr: 1956
    Regie: Volker von Collande
    Drehbuch: Per Schwenzen
    Kamera: Fritz Arno Wagner
    Schnitt: Walter von Bonhorst
    Musik: Hans-Martin Majewski
    Länge: ca. 94 Min.
    Freigabe: FSK 6
    Darsteller: Angelika Meissner, Heidi Brühl, Paul Klinger, Hans Nielsen, Margarete Haagen, Paul Henckels, Matthias Fuchs, Raidar Müller-Elmau, Karin Andersen, Josef Sieber, Peter Tost

    Zwei Jahre sind mittlerweile ins holsteinische Land gegangen. Zwei Jahre liegt die Rettung des Immenhofs zurück. Doch schon wieder kreist der Kuckkuck, um fette Beute einzustreichen und Oma Jantzen und ihre Nachkommen ihres zuhause zu berauben. Geld hat keiner und allein guter Rat ist eh schon teuer genug. Da kommt Ethelberts Idee seinen reichen Onkel Pankraz Hallgarten, um Hilfe zu bitten doch gerade recht. Besonders gemütlich soll es der Pankraz nach seiner Ankunft auf dem Immenhof haben, aber das geplante Wellness- und Verpflegungsprogramm geht mehr in die Hose als zu Herzen des reichen Onkels.

    Im Vergleich zu seinem Vorgänger haut HOCHZEIT AUF IMMENHOF deutlich mehr auf die teutonisch-touristische Werbetrommel und fordert den bundesrepublikanischen Bürger in rattenfängerischer Manier zum Ponyurlaub in der holsteinischen Schweiz auf. Manche konnten sich im Zuge des Wirtschaftswunders ja mittlerweile einen Trip nach Italien oder Spanien locker leisten, also warum die Taler nicht für einen Urlaub in der schönen Bundesrepublik anlegen? Hier ist doch alles ganz toll bunt und die (Pony)Hotels sind eh wunderschön. Wer zu den Skeptikern gehörte und dem Braten partout nicht trauen wollte, der konnte sich ein zweites Mal im Lichtspielhaus (s)ein Bild vom schönen runderneuerten, angeblich nazi- wie zumindest hier besatzerfreien Urlaubsland Bundesrepublik Deutschland machen.

    Während der Mission, dem Sammeln von Impressionen und Anregungen, regiert das Zueinanderfinden von Mann zu Frau wie Junge zu Mädchen. Der Herzschmerz wird allerdings nicht in allzu schmalziger Manier ausgereizt, sodass man recht gut über die Runden kommt – ergo ohne Strapazen und Torturen ausgesetzt zu werden.

    Mit Ralf bringt Ethelbert seinen besten Freund aus München mit. Einen Grafiker wie Klarinettisten, der für das ältere Publikum höchstwahrscheinlich postwendend zum neuen Liebling avancierte, denn einen solchen begabten wie überaus freundlichen Zeitgenossen, den wünscht sich jedes Mütterchen zum Schwiegersohn. Dick ist freilich ebenfalls gehörig von Ralf angetan und stößt damit ihren Verehrer Ethelbert ganz derbe vor den Schädel, sodass ihm die Haare nicht nur buchstäblich zu Berge stehen. Jochen von Roth, der wahre Held wie Samariter des ersten Immenhof-Films, entwickelt sich im Sequel weiter zu einer Erich Kästner-Figur, die von jung wie alt (gefährliches Wort im Kontext Immenhof) über die Maßen geliebt wird. Freilich schiebt Jochen auch den von Resignation angetriebenen Rentenambitionen von Oma Jantzen schnell einen Riegel vor, denn in der holsteinischen Schweiz werden junge wie lebenserfahrene (das hört sich im Kontext Immenhof schon deutlich besser an) Menschen auch weiterhin dringend gebraucht.

    Auf dem Immenhof wie in dessen Dunstkreis verstehen sich freilich weiterhin alle bestens und die gewohnten Geldsorgen kommen nahezu von selbst in die Reihe, auf dass Jochen gemeinsam mit einem deutschen Monroe-Verschnitt (selbstverständlich die Tochter des neuen Immenhof-Retters) vor den Traualtar treten kann. Das diese Ehelichung nicht die letzte Hochzeit bleiben wird, ist mir schon klar und die Mädels vom Immenhof sind freilich dito guter Dinge.

    Auch wenn mir der Vorgänger mehr zusagte, besitzt HOCHZEIT AUF IMMENHOF sehr wohl einen unverkennbaren und stets willkommen Charme. Und die Zeit der Sichtung (das klingt jetzt wirklich prosaisch) verstrich für mich (ähnlich der Vorgängersichtung) im Flug. Vielleicht weil ich die Charaktere schlicht und ergreifend ins Herz geschlossen habe? Vielleicht aber auch, weil ich mich hin und wieder einfach mal gern berieselt lasse, ohne dabei sonderlich gefordert zu werden,...

    ...aber ist das (überhaupt) noch Punk-Rock? Ich glaube schon!!!

    Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
    Produktion: Gero Wecker
    Erscheinungsjahr: 1955
    Regie: Wolfgang Schleif
    Drehbuch: Erich Ebermayer, Peer Baedeker
    Kamera: Oskar Schnirch
    Schnitt: Hermann Ludwig
    Musik: Norbert Schultze
    Länge: ca. 91 Min.
    Freigabe: FSK 6 oder FSK 0
    Darsteller: Angelika Meissner, Heidi Brühl, Christiane König, Margarete Haagen, Paul Henckels, Paul Klinger, Josef Sieber, Matthias Fuchs, Tilo von Berlepsch, Dirk Dautzenberg, Robert Fietz, Karl Junge

    Oma Jantzen führt mit ihren drei aufgeweckten Enkelinnen Angela, Dick und Dalli den Immenhof, ein Ponygestüt in der Holsteinischen Schweiz. Die selbstbewusste Angela führt die Bücher, Dick und Dalli betreuen die Ponys auf dem Gestüt. Obwohl ihre Ponyzucht einen landesweit geschätzten Namen trägt, sind Ponys immo nicht so sehr gefragt, was Oma Jantzen in die finanzielle Bredouille führt, denn der Gerichtsvollzieher hat bereits mit Pfändung gedroht…

    DIE MÄDELS VOM IMMENHOF wurde sehr clever inszeniert. 1955 war der 2. Weltkrieg noch sehr präsent. Denn was sind schon 10 Jahre? Auf jeden Fall nicht genug Zeit, um das zurückliegende Leid zu vergessen. Der Immenhof ist eine Art Ideal des neuen Zuhauses, das das Vergangene vergessen macht. Die Landschaften blühen, alles ist bunt und die Menschen sind miteinander glücklich. Warum also in ferne Länder verreisen oder evt. auswandern, wenn das bundesrepublikanische Urlaubsparadies mehr oder minder vor den Haustür liegt? Schließlich kommen die Gäste des Immenhofs gar aus Amerika und sind freilich von der Schönheit des kleinen Paradieses begeistert.

    Die Immenhof-Bewohner, die Menschen mit den sonnigen Gemütern, haben wie jeder Bundesbürger ihre kleinen Probleme. Doch wenn es an Geldern fehlt, steht der gute Nachbar sofort parat, um die Sorgen zu begleichen - und zwar so stilvoll, dass sich niemand als Schmarotzer fühlen muss. Das Wirtschaftswunder ist halt allgegenwärtig, wir müssen nach wie vor nur allesamt am selben Strang ziehen. Und der Neuling, der sich bisher nicht die Finger schmutzig machte, der muss so schnell wie möglich von seinem hohen Ross herunterkommen und seine Dienste der Gemeinschaft zur Verfügung stellen, denn Hochmut kommt halt von dem tiefen Fall, und den, den wollen wir doch nicht riskieren, oder? Also halten wir es doch wie Adenauer: Keine Experimente. Hach, Deutschland ist doch so schön. Die Nazis sind doch alle tot oder längst in Südamerika, ausgenommen die drei brauen Evas im Dorfcafe, die über die wilde Hottentottenmusik (harmlose Big Band Klänge) aus dem Röhrenradio und dem einhergehenden jugendlichen Gehopse (der zahmste Tanz der Filmgeschichte) empört die Nase rümpfen.

    DIE MÄDELS VOM IMMENHOF mag auch gegenwärtig noch als ein Paradebeispiel für cineastischen Kitsch fungieren. Das ist mir ehrlich gesagt einerlei, denn in den schwierigen Zeiten, in denen irgendwelche Thomallas und Klums die Medien auf Trab halten, wird die Flucht zum viel zitierten Ponyhof zu einem Aufenthalt in einer knallig-bunten Wellness-Oase. Schön! Einfach nur schön!

    Originaltitel: Smithereens)
    Produktionsland: USA
    Produktion: Joanne Gross, Susan Seidelman
    Erscheinungsjahr: 1982
    Regie: Susan Seidelman
    Drehbuch: Peter Askin, Ron Nyswaner, Susan Seidelman
    Kamera: Chirine El Khadem
    Schnitt: Susan Seidelman
    Musik: Glenn Mercer, Bill Million
    Länge: ca. 89 Min.
    Freigabe: Ungeprüft

    Darsteller:

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    Susan Berman as Wren
    Brad Rijn as Paul (as Brad Rinn)
    Richard Hell as Eric
    Nada Despotovich as Cecile
    Roger Jett as Billy (as Mark Baker)
    Kitty Summerall as Eric's Wife
    Joni Ruth White as The Landlady (as Robynne White)
    D.J. O'Neill as Ed
    Pamela Speed as Terry
    Tom Cherwin as Mike
    Edie Schecter as Christine
    Amos Poe as Hustler In Bar
    Ada McSpade as Rasta (as Ade McSpade)
    Cookie Mueller as Karen (horror-movie character)[6]
    Chris Noth as Transvestite Prostitute In Van
    Geretta Geretta as Prostitute Outside Van
    Roma Maffia as Prostitute Outside Van


    SMITHEREENS bzw. NEW YORK CITY GIRL reflektiert die Geschichte von Wren, die nach New York kommt, um in der hiesigen Punk-Szene aufzugehen und aufzusteigen. Wer allerdings nichts kann, der/die muss sich bei den richtigen Leuten einschleimen. Folglich macht sie sich an den Sänger der Punkband SMITHEREENS ran. Nun drängt sich nahezu energisch der Verdacht auf, dass die Regisseurin auf New Yorker Berufsgroupies wie Spungen und Sable Starr anspricht. Allerdings ohne Wren Spungens Heroinabhängigkeit zuzuschustern oder sie mit Sables angeblichem Herz aus Gold zu bereichern. Wren ist einerseits ein Miststück, das andere ausnutzt, um ihr utopisches Ziel zu erreichen. Andrerseits ist sie manipulierbar, phlegmatisch und neigt zur Selbsttäuschung respektive zur Schönfärberei.

    Verlagert wird das Geschehen in das schäbige New Yorker East Village, wo Kriminalität, Armut und Drogenhandel kursieren und ein akzeptierter Teil des Alltags sind. Das gezeigte East Village sieht einfach nur extrem verkommen aus. Beschönigt wird hier nichts und wahrscheinlich wird auch nicht sonderlich übertrieben, denn Richard Hell hat ja jahrelang dort gehaust und seine Erfahrungen mit dem verwahrlosten East Village in seinem Buch „Blank Generation“ geschildert. Auf den in der New Yorker Szene dominierenden Drogenkonsum geht der Film nicht ein. Es wird hin und wieder ein Bier gekippt, aber weiche als auch harte Drogen werden nicht angerührt.

    Susan Seidelman inszenierte ihren Film aus femininer Sicht, was SMITHEREENS definitiv additional befruchtet und demgemäß noch interessanter macht als es dem Film ohnehin beschieden ist. Ja, auch wenn ich mit meiner Meinung vermutlich allein auf weiter Flur stehe, ich finde diesen Film, diese Zeitstudie, wirklich gut.


    Der Filmsoundtrack inkludiert das großartige “The Kid with the replaceable Head” von RICHARD HELL AND THE VOIDOITS, dass im Film auch kurz angespielt wird.

    Ich habe DIE WAND vor 3 Wochen auf der großen Leinwand von 35mm geschaut. Absolut Bombe, dass kann Dir kein Fernseher geben. Vieles kannst Du nur auf der großen Leinwand aufsaugen, wie die Augen, die gemäß "Shine on..." wie schwarze Löcher wirken... Syd ist halt immer wieder präsent. Grandiose Musik- wie Bildkompositionen. Großartiges Kino!