Die neunschwänzige Katze (1970)
Regie: Dario Argento
Produktion: BRD,Italien, Deutschland, 1970
Mit: Karl Malden, James Franciscus, Catherine Spaak, Tino Carraro, Pier Paolo Capponi, Horst Frank, Rada Rassimov, Aldo Reggiani, Carlo Alighiero, Cinzia De Carolis, Tom Felleghy, Werner Pochath, Emilio Marchesini, Corrado Olmi

Handlung:
Der erblindete Ex-Reporter Arno macht mit seiner kleinen Nichte einen abendlichen Spaziergang in der Nähe eines medizinischen Instituts. Dabei wird er zufällig Ohrenzeuge eines verdächtigen Gesprächs, bei dem es offenbar um Erpressung geht. Kurz darauf wird im Institut eingebrochen und dabei ein Wachmann niedergeschlagen. Darauf folgt eine grausame Mordserie an Personen, die mit der Forschungseinrichtung in direktem oder indirektem Zusammenhang stehen. Es geht dabei um die Entdeckung eines rätselhaften Killergens. Arno verbündet sich mit dem jungen Reporter Carlo Giordani, um der Sache auf den Grund zu gehen, was alle Beteiligten in große Gefahr bringen sollte...
Anmerkungen:
Der vorliegende Film hat einen sehr interessanten Einstieg und ist von Ennio Morricones Musik durchaus gelungen untermalt. Leider wird im Endeffekt zu viel heiße Luft versprüht, da nach den erfreulichen Ansätzen die Dramaturgie immer wieder in's Stocken gerät und eine gewisse Langatmigkeit sich breit macht. Dario Argento versteht es hier einfach nicht, konsequent einen straffen Spannungsbogen mit sich angemessen entladenden Höhepunkten zu präsentieren. Dadurch gerät die Geschichte nie so wirklich in Fahrt und auch die Aufdeckung des Täters ist keine große Sache. Die romantische Annäherung zwischen Carlo Giordani und Anna Terzi wirkt darüber hinaus plump und konstruiert, obwohl die rein darstellerischen Leistungen, vor allem von Karl Malden (1912-2009) und James Franciscus (1934-1991), ansonsten recht ordentlich sind.
Der erste Mord, bei dem das Opfer vom Zug zerstückelt wird, ist durchaus effektvoll und durch die kurze Einblendung dennoch unblutig inszeniert. Auf Glaubwürdigkeit wird dabei allerdings nicht der geringste Wert gelegt, wenn man bedenkt, dass auf einer belebten Bahnhofsplattform offenbar niemandem auffällt, wie ein Mann Richtung Gleise gestoßen wird, nachdem er seinem Mörder auch noch die Hand zur Begrüßung reicht.
Als sich ganz zu Beginn zwei Männer in einem Auto unterhalten, ist nur allzu deutlich erkennbar, dass nur einer drinnen sitzt. Morde und Todeskämpfe sind ziemlich realistisch inszeniert. Auch das immer wieder eingeblendete Auge des Täters zeigt eine gewisse Originalität. Dennoch bietet dies kein wirklich ausgleichendes Gegengewicht zu den dramaturgischen Schwächen des Films. Beim Handlungsabschnitt mit der Entführung von Arnos sehr liebenswerten und sympathischen Nichte hätte die Chance bestanden, deutlich mehr Suspense herauszuholen. Dieser Teil ist leider viel zu oberflächlich und reizlos inzeniert. Außerdem lässt der so gefährliche und brutale Täter sich dann auch noch wie ein Schuljunge stellen, was in keinster Weise stimmig wirkt.
Es handelt sich um einen Streifen, der schlecht gealtert ist, da ihm Charme und Charakteristika typischer "Old-School-Thriller", wie der "echten" "Edgar- und Bryan-Edgar-Wallace-Filme" schlicht und einfach fehlen. Allerdings wollte man ja auch gar nicht daran anlehnen, sondern einfach nur mit dem berühmten Namen punkten, weshalb diese Filme als Wallace-Krimis ohnehin nicht ernst zu nehmen sind. Nachdem die Zeit natürlich nicht stehen geblieben ist, haben sich die modernen Psychothriller, an denen sich der Film, wie auch schon "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", offenbar orientiert, in eine Richtung weiter entwickelt, welche dieses Werk im wahrsten Sinne des Wortes alt und unausgereift aussehen lassen.
Fazit:
Argento-Thriller, der auf den allerersten Blick vielversprechen wirkt, dann aber immer wieder stecken bleibt und dadurch einfach zu wenig in Schwung kommt. 5 von 10.
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