Hatte den Film von Deodato gar nicht so auf dem Schirm, kannte bisher nur die Kannibalenfilme von
Lenzi und D'Amato. Danke an alle, die mich darauf aufmerksam gemacht haben.
Der Anthropologe Prof. Monroe bekommt den Auftrag, nach einem im südamerikanischen Dschungel
verschollenen Reporterteam zu suchen. Sie waren auf der Suche nach unentdeckten Ureinwohnern.
Nach einigem Suchen findet er bei einem Eingeborenenstamm, dessen Vertrauen er nach vielen
Schwierigkeiten gewann, nur noch die skelettierten Überreste des Filmteams. Was ist hier
geschehen? Glücklicherweise kann er in den Besitz des Filmmaterials gelangen, dass er wieder mit
in die USA nimmt und dort sichten kann. Somit stellt sich das ganze Grauen heraus, dass das
Filmteam über die Einheimischen gebracht hat, bevor sich das Schicksal (gerechterweise) gegen sie wendete.
Deodato stellt am Ende die entscheidende Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen Kannibale? Hat
er damit so unrecht? Können wir nicht auch heute noch "zum Tier" werden? Was ist mit Afrika? Mit
Bosnien-Herzegowina 1995 (gerade wieder aktuell durch die Festnahme Mladic's)? Oder in den
Weltkriegen, usw?
Er hatte zwar speziell wohl die Unmoral der Medien anprangern wollen, aber kann man den Gedanken
nicht noch weiterdenken? Ich denke, man kann.
Der teilweise dokumentarisch wirkende Streifen, kommt mit einer unglaublichen Überzeugung an,
einer Urgewalt von Bildern, schöne und grausame, idyllische und bestialische.
Hierzu passt der Soundtrack von Riz Ortolani besonders gut, eine Musik von kalter Schönheit,
faszinierend und abstoßend zugleich. Da hat Fun doch absolut recht.
Abgesehen von dem ernsthaften Hintergrund und der guten filmischen Umsetzung, kann dieser Film
wohl unbestritten als einer der Besten, für mich der Beste Kannibalenfilm überhaupt gelten.
Dieses Genre ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Jedoch wer es mag, wird diesen Film lieben.
Berücksichtigt man noch, wie alt der Film mittlerweile schon wieder ist, kann man eigentlich nur
zu einem Ergebnis kommen:
9 von 10
Denn einzig und allein die Oberflächlichkeit in Bezug auf die Eingeborenen selbst verhindert hier
m.E. nach die Höchstpunktzahl. Das ist aber auch das einzigste Manko, das dieser Film hat.
Für Leute mit starkem Magen absolut empfehlenswert.