Kritik:
Erst dachte ich irgend so ein Hosen oder Ärzte Möchtegernprollpunk-Film mit Biertrinker und Randalisten. Auch wenn die Inszenierung typisch Deutsch ist und das Zusammenspiel mit Beweggründe der Charaktere nicht so ganz greift, ist Führer Ex ein deftiger Film. Ich hatte später ein Problem damit, dass Tommy nach der Wende plötzlich Vollblutnazi ist und einen enormen Hass auf Ausländer verspürt, gerade er der diese Gesinnung im Knast noch abgelehnt hat. Es lässt sich nicht wirklich erklären wieso das so ist.
Der Film hat freche Dialoge und deren Freischnauze-Betonungen am Stück der Berliner Sprache zuzuordnen und erinnert einen tatsächlich vollkommen an die Jugendzeit in der DDR Ende der 80er als „Verlorene Jugend“, zumindest wenn man sie auch gelebt hat. Zudem erfährt man, was im Knast "Bus bauen" heißt, allgemein entwickelt sich im Knast absolut ansprechender Psychoterror. Der Film zeigt auch auf, was für ein Unrechtstaat die DDR war, wenn gleich man meinen könnte, dass im Knast nur schwules Popopiecken angesagt war, um den Tag rum zu bekommen. Es wird aber auch aufgezeigt, wie die Stasi erpresst hat. Die Nazis später werden hingegen zu überzogen Böse dargestellt, dass kann man so nicht glauben, wirkt aber sehr gut unterhaltend. Absolut ansprechend dazu sind die gewählten Musikstücke von Silke Bischoff (Dark Wave) über die Ostberliner Punker Die Skeptiker bis zum modernen „Alles Neu“ von Mia als Abschluss nach der Wende. Die natürlichen Darsteller, wo vor allem Jule Flierl mich überzeugen konnte, runden das Bild noch ab.
„Was klotzt n so? und du halt die Fresse!!!“
![8/10 [film]8[/film]](https://nightmare-horrormovies.de/core/images/smilies/smiley264.png)
Filmsound:
Clip: