Posts from Anyu in thread "Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes"

    Tja... Indiana Jones... wo soll ich da nur anfangen? Viele Archäologen haben aufgrund dieser Filmreihe überhaupt erst zu ihrer Berufung gefunden. Bei mir war es nicht ganz so, da gab es mehrere Faktoren, aber Indiana Jones hat zumindest seinen Teil dazu beigetragen. In der Diskussion über "Den letzten Kreuzzug" habe ich schon Details über die Geschichte, welche die Stories beeinflussen, gemacht. Hier will ich nochmal spezifisch auf diese und den Film selbst eingehen.

    In der grandiosen Anfangssequenz sehen wir die (mit Recht) berühmte Szene in dem Dungeon. Fallen, Riesenspinnen und Leichen erwarten uns dort. Ich glaube es gibt nur wenige Szenen die so oft kopiert und parodiert wurden wie diese Anfangssequenz. Sie alleine bietet schon alles was man braucht um einen guten Abenteuerstreifen zu machen. Um jedoch direkt zu sagen: Realistisch ist hier nichts. Das Gewölbe soll wohl einer antiken Maya- oder Aztekenpyramide gleichen... nichts davon ist auch nur annähernd authentisch. Aber was soll ich sagen... wen interessiert’s^^?

    Danach wird es etwas ruhiger. Jones doziert über Dolmengräber und zeigt den eigentlichen Alltag des Universitäts-Archäologen: In einer Uni mit einem schlecht ausgerüsteten Raum und mehr oder weniger interessierten Studenten. Dann jedoch folgt der Hauptplot: Die Bundeslade. Da es anscheinend Leute gibt (ich will hier jetzt keinen Namen nennen lolp), die auch trotz der Erklärung im Film nicht zu wissen scheinen was das Ding ist, hier eine kurze Erläuterung:
    Nach der Vertreibung der Hebräer aus Ägypten bestieg Moses den Berg Sinai und erhielt von Gott die 10 Gebote. Diese wurden in eine goldene Kiste deponiert auf deren Deckel zwei Seraphen wachen. Die Hebräer nahmen die Kiste mit auf Ihrer Wanderung durch die Wüste und lernten schnell, dass Berührungen und das Öffnen der Lade den Tod brachte. Letztlich nutzten sie die Lade um ihre Feinde zu bezwingen.
    Diesen Mythos kannte Hitler. Das ist klar. Er war selbst kein Anhänger der Archäologie und sagte u. a.: "Warum soll ich beweisen wollen, dass unsere Kultur rückständiger war als die der Griechen und Römer?" Himmler jedoch sah das anders. Er war ein großer Anhänger des Germanentums und wollte eine aktive, jedoch kontrollierte Archäologie. So kam es, dass das SS-Ahnenerbe gegründet wurde. Diese sollten Funde „Rassengerecht“ interpretieren. Daneben hatte diese Organisation einige Spezialaufträge: Sie sollten legendäre religiöse und mythische Artefakte finden, so auch den Gral und die Bundeslade. Nach dem Gral wurde, meines Wissens nach (ich mag mich jedoch irren), intensiver gesucht. Wahrscheinlich was dies so, weil sich die Spuren der historischen Lade im heutigen Äthiopien verlieren und einige Legenden besagen, dass der Gral durch die Templer nach Frankreich gelangte (was Humbug ist, aber egal).
    Von daher ist die Suche nach der Lade und der Wettlauf Nazis vs. Indiana Jones, durchaus realistisch. Die Lokalisierung der Lade in Afrika ist soweit auch ok. Ganz hervorragend gelungen ist die optische Darstellung der Lade, die wirklich so ausgesehen haben könnte. Grandios!
    Die Suche Jones ist dann wieder typisch Hollywood, spannend, teilweise etwas naiv, aber unterhaltsam.
    Im Finale schließlich wird das Ritual durchgeführt um die Lade zu öffnen. Dieses offenbart den Fantasy-Aspekt der Jones Reihe, der in keinem Teil fehlen darf. Man kann den Nazis bzw. besser gesagt der SS, ein solches Ritual wirklich zutrauen. Auch die Tatsache, dass es sich bei dem Ritual um ein jüdisches handelt wäre wahrscheinlich kein Grund gewesen, es nicht durchzuführen. Himmler war pragmatisch und wenn es seinem Ziel geholfen hätte, hätte er alles getan um es zu erreichen. Von daher agieren die Nazis erstaunlich glaubhaft.
    Insgesamt ist der erste Indy mit Recht ein Kultstreifen, jedoch gefallen mit Teil 2 und 3 etwas besser als der erste. Einige Szenen wirken heute albern, teilweise grenzt Fords Darstellung an Overacting, jedoch ist dieser Film ein Meilenstein. Ihn zu bewerten ist unglaublich schwer für mich. Objektiv betrachtet würde ich ihm wahrscheinlich nur 7 Punkte geben, aber er bedeutet mir viel und er bietet immer wieder etwas, dass mich fasziniert. Von daher gebe ich:


    [film]9[/film]