Tolle Review Knorrhahn. Da bin ich eigentlich in allen Punkten bei dir.
Hab das Mediabook bereits seit etwa zwei Wochen und hatte zuerst mit "Das Verlangen der Maria D." angefangen. Gestern Abend hab ich dann auch den Pesthauch der Menschlichkeit gesehen. Soviel sei bereits gesagt, mir hat "Das Verlangen..." auch um einiges besser gefallen.
Dabei fängt Pesthauch eigentlich ganz schön an. Wie du bereits geschrieben hast gibt es sehr viele wunderschöne Naturaufnahmen zu sehen. Diese sind teils so ästhetisch eingefangen, dass ich unzählige Male gedacht habe, dass man hier auch ein sehr schönes Puzzle oder Postermotiv hätte. Generell habe ich mir oft gewüscht, selbst durch diese Landschaften wandern zu können und das muss einem auch erst mal gelingen.
Und was ich an Dora auch bemerkenswert finde: Er hat eine sehr eigene Handschrift. Man braucht nur wenige Minuten und schon weiss man, das man einen seiner Filme sieht.
Leider hören die positiven Punkte für mich hier auch schon fast auf und meine Kritikpunkte entsprechen größtenteils den deinen.
Hauptmanko ist meiner Meinung nach, dass man zu keiner Zeit eine Beziehung zu den Hauptpersonen aufbauen kann. Bei Cannibal z.B. ist Dora das Kunststück gelungen, dass ich mich tatsächlich ein wenig in die Gefühlswelt der beiden Hauptpersonen hereinversetzen konnte. Auch bei Melancholie der Engel wurden die Charaktere langsam aufgebaut und man konnte eine Beziehung zu ihnen bilden. Sie waren einem NICHT egal.
Pesthauch der Menschlichkeit gelingt dies meiner Meinung nach nicht. Mein Hauptproblem betrifft hier die Darstellung der weiblichen Hauptperson. Sie bleibt den ganzen Film über stumm (keine Ahnung warum, das wird nicht erklärt) und oft ist ihr Gesicht zum großen Teil verdeckt. D.h. man hat weder Stimme noch große Mimik, über die man eine Bindung aufbauen könnte. Sie bleibt demnach eine blasse Projetionsfläche, wichtig für die Handlung als Opfer aber anscheinend nicht wichtig genug für Dora, dass man sie mit einer Persönlichkeit ausstatten müsste. Das finde ich sehr schade, nimmt es doch auch den folgenden Szenen den Großteil der Dramatik und die schockierenden Wirkung, insbesondere da die eigentliche Handlung auch total unglaubwürdig ist.
Ich hatte auch den Eindruck, dass der Schnitt im letzten Drittel während der Folterung recht schnell und unübersichtlich war. Davon bin ich generell kein Fan und das empfand ich für einen Dora-Film recht ungewöhnlich.
Das Finale (Cannibal Holocaust-Referenz) kommt dann hingegen schon sehr hart rüber und ist mit einer schönen Parallelmontage gefilmt.
Dora hat beide Filme ja anscheinend als Experiment angelegt, mit wie wenig Geld und Zeit man einen Film drehen kann. Technich ist ihm dies auch wieder auf beeindruckende Weise gelungen.
Für den nächsten Film würde ich mir aber dann doch wieder ein richtiges Drehbuch mit Handlung und Charakteren wünschen.
Ich vergeb jetzt mal wohlwollende
Punkten, hauptsächlich für die wirklich beeindruckenden Aufnahmen und die eigene Handschrift.