Vier französische Horrorregisseure gestalten unter dem ehemaligen japanischen Schauspieler und inzwischen Produzenten Hiroei Ishihara einen unterhaltsamen Episodenfilm. Bei allen Episoden steht neben dem Horrorelement vorwiegend die Liebe bzw. die nächtliche Liebeserklärung an Tokyo und ein eigener farbiger Grundton im Mittelpunkt. Die meisten Episoden wurden in der Guerillatechnik gefilmt, was vorwiegend das Gefühl vermittelt, sich wirklich an den schönen düsteren Schauplätzen und dem Geschehen der Handlungen wiederzufinden.
1. Endless Love - Yann Moreau
Ein Mann leiht sich bei der Yakuza Geld für die Krebsbehandlung seiner Frau. Kurz darauf stirbt die Frau und ihr Ehemann ist in einer Zeitschlaufe gefangen. Um in der Zeit zurückzureisen muss er Menschen töten. Sein Ziel er will erneut seine Frau treffen....die ist jedoch bereist 26 Tage tot!
Tolle Story im Stil von Täglich grüsst das Murmeltier, aber eben mit harten Action Kills, die teils herrlich Over the Top sind und durchaus unterhalten. Leider ist die erste Episode relativ schnell zu Ende und hätte absolut das Potential für einen Spielfilm. Endless Love bildet einen der Höhepunkt dieses Episodenhorrors. Wer einmal etwas düsterere und klaustrophobisch urbane Tokyo Sets sehen möchte, bekommt hier eine herrlich Kameraführung durch das nächtliche Tokyo. Beeinflusst wurde Moreau von Michael Mann`s Manhunter 1986 oder Nicolas Winding Refn`s Only God Forgive 2013. In der Tat erkennt man hier eine gewisse visuelle Bildsprache wieder. Die Episode ist rasant, bedrückend und weist einen soliden vorwiegend handgemachten Splatter Faktor auf, aber auch hier steht die Liebesgeschichte im Fokus, ohne jedoch kitschig daherzukommen. Stark!!
![8/10 [film]8[/film]](https://nightmare-horrormovies.de/core/images/smilies/smiley264.png)
2. Treason - Francois Gaillard
Der Blackaria Regisseur orientiert sich hier bei Mario Bava`s Telephone einem Episodenfilm aus dem Jahre 1963. Die Story handelt von einer Frau (wunderschön - Megumi Nasuto) die von einem nächtlichen Telefonterror zur Verzweiflung getrieben wird. Vielleicht weniger urbaner als Endless Love, dafür entwickeln die 27 Minuten den grössten surrealen Anteil des Films. Ebenso besitzt die Episode den wohl besten Gore Effekt - kann sich sehen lassen, da alles handgemacht! Wer es etwas anspruchsvoller mag und mehr abseits des konventionellen und rationalen mag, wird hier bedient.
![7/10 [film]7[/film]](https://nightmare-horrormovies.de/core/images/smilies/smiley263.png)
3. Shadow Hunter - Gilles Landucci
Hier wird dem Anime Regisseur Yoshiaki Kawajiri gehuldigt. So könnte auch die schüchterne Hauptfigur die im Schatten verschwinden kann und von einer Art Geisterjägerin verfolgt wird, von ihm stammen. Für mach ist Shadow Hunter die schwächste Episode, da hier eher schlecht getrickst wurde und mir die Schattengestalt in Form eines Butho Tänzer eher unfreiwillig komisch erschien als gruselig. Der Film verfällt zurück zu dem üblich technisch umgesetzten Japan Fantasy Ghost Horror Muster, der dringend eine Neuorientierung bedürfte. Hier wurde mir eindeutig zu viel romantisiert und hinzu kommt, dass die Episode ohne Härtegrad auskommt - keine handgemachten SFX!
![3/10 [film]3[/film]](https://nightmare-horrormovies.de/core/images/smilies/smiley259.png)
4. Gooooood Boy - Nicolas Alberny
Handelt von dem legendären Hund Hachiko und die Treue die er seinem Herrchen bescherte. Ein Mann vergeht sich an dessen Denkmal und wird von seinem animalischen Trieb beeinflusst. Bald schon landet er in Tokyos Rotlicht Milieu. Die Episode ist herrlich abgefahren und eine weiteres Schmuckstück von Tokyo Grand Guignol. Er bedient sich einer witzigen S/M Szene und zeigt auch einige blanke asiatische Schönheiten - soll schon was heissen, da gerade die Japaner eine eigene Auffassung von Nacktszenen in Filmen haben. Pervers und visuell attraktiv verfügt auch diese Episode über die schöne Ausdruckskraft des Gesamtpaketes. Nicolas Alberny`s Episode ist sicherlich der aufwendigste und mutigste Film dieses Werkes, da die Kills stark inszeniert wurden und auch recht splatterig gestaltet wurden. Auch die Bordell Optik und die Perversionen machen Laune und sorgen für einen würdigen Abschluss dieses wunderbaren japanischen Episodenhorrors - Wuff, Wuff!
![9/10 [film]9[/film]](https://nightmare-horrormovies.de/core/images/smilies/smiley265.png)
Was erwartet den Zuschauer? Vier vorwiegend anmutige und kunstvolle aufgewendete Horrorfolgen, die dem längst überholbedürftigen Japan Horror, neues Blut in die Venen pumpt. Mit einem kleinem Budget, erreicht man hier die maximalste, kreativste und abwechslungsreichste Ausschöpfung. Für Freunde des gepflegten Japan Horror ist das ein Muss. Auch wenn für einmal auf ausufernde Blutfontänen und allzu schräge Ideen verzichtet wurde, kann der Episodenhorror punkten. Da gerade dies attraktive Eigenständigkeit des Tokyo by Night zu Grund liegt und eine düstere urbane Stimmung als Hintergrund nutzt um Geschichten über die Liebe zu erzählen.
![8/10 [film]8[/film]](https://nightmare-horrormovies.de/core/images/smilies/smiley264.png)