Posts by Sam Trautman

    Osterhase im Stau

    Gerald Buttlers Ego scheint kaum in den Film zu passen. Oder vielleicht ist das das einzig sehenswerte weil es alle anderen überragt, die das gleiche versuchen. In einem Film der Äußerlichkeiten und der Anti Loreal Männerdomäne. Butler ist die Vorderseite der Medaille, derer der Cops- die aber eigentlich lieber Gangster wären, es irgendwie aber auch schon sind und als Major Cremes auf Verbrecherjagd gehen. „siehst du dieses Tattoo, das bedeutet ich bin in einer Gang. Und siehst du diese Marke, das bedeutet das ich tun kann was ich möchte“. Bellt er der anderen Seite der Medaille entgegen. Die andere Seite, das sind die Gangster, die aber mal Gute waren im Dienste der Marines, also Typen die nicht nur ballern können sondern auch die Taktik besitzen dies einzusetzen im Gruppenverbund. Im Grunde handelt der Film davon, dass die Bösen die früher mal Gute waren- Banken ausrauben und die Guten die ein bisschen böse geworden sind, versuchen sie davon abzuhalten. Alles läuft dabei auf einen großen Showdown hinaus. Ehe man diesen erleben darf vergehen anstrengende 90 Minuten Laufzeit voller Testosteron Ausstreuung und schwarzen Unterhemden die trainierte und tätowierte Oberkörper schmücken.

    So vieles verpufft in Criminal Squad ins Leere. Ins Unerklärliche bis hin zum Nichtnachvollziehbaren. So viele Fragen bleiben offen. Wieso führt Regisseur Christian Gudegast diverse Figuren im Film so dermaßen aufgeblasen in den Film ein, nur um sie dann nicht das tun zu lassen was sie wirklich gut können? Die Bewerbung für den Job als Fluchtwagenfahrer die abgegeben wurde, würde folgenden Inhalt haben: Rekordhalter für die höchste jemals gemessene Geschwindigkeits Übertretung im State Los Angeles. Ex Rennfahrer. Also wird dieser Fahrer getestet, man sieht eine Minute lang dass er es krachen lassen kann. Daraufhin wird er eingestellt. Aber warum zu Hölle sieht man im fertigen Film weder eine ordentliche Verfolgungsjagd noch wozu sie diesen Fahrer, dessen Fähigkeiten einzigartig sind eingestellt haben. Und es kommt noch schlimmer: Als es tatsächlich den Anschein macht man würde eine Autofahrt zu Gesicht bekommen bei der mehr als 100 km/h gefahren wird, endet das in einem Stau. Ja in einem Stau!

    Äußerlichkeiten sind der Nebel zur Seele

    Es wird minuziös und akribisch daran gearbeitet die Bank der Bank auszurauben, Informationen werden gesammelt, das Objekt observiert sowie infiltriert und in was mündet dieser Aufwand? In einem Stau… Gerald Buttler und Pablo Schreibers versuchen auf den Spuren von De Niro und Pacino Performance in Heat zu wandeln, liefern sich aber nur einen Big-Balls Wettbewerb. Wie zwei aggressive Pittbulls mit schlechten Manieren. Dazu gehört Wettschießen am Schießstand, wobei man sich wieder mal fragen muss wie sich die beiden da überhaupt getroffen haben. Oder ein minutenlanger Anstarr Wettbewerb, Disziplinen die nahezu den gesamten Film mit Inhalt füllen und scheinbar Ausdruck maskulinen Kinos zu sein scheinen. FBI Agent mit normalem Auftreten werden auch mal gerne derb beleidigt und auf ihre Kleidung reduziert. Die Loreal Fraktion der Männer, der Klassenfeind. Frauen spielen logischerweise keine Rolle in Criminal Squad, sie sind schlichtweg nicht existent. Den einzigen Auftritt haben Prostituierte,- die natürlich einzig und allein das Apartment von Major Crimes schmücken.“Seh ich aus als würde ich dich verhaften, scheisse nein, wir erschießen dich einfach“. Sätze die Buttlers Charakter nur allzu gerne bellt. Passenderweise ist der einzige Satz einer Frau im Film, der einer Prostituierten die trällern darf „ Ich habe getan was du verlangt hast“. In Criminal Squad wird alles auf ein komisch anmutendes Männerbild heruntergebrochen. Oder das Bild davon ,dass Christian Gudegast von ihm hat. Unter anderem war Christian Gudegast auch für das Drehbuch verantwortlich.

    Eine körperliche Auseinandersetzung von Butler und Schreiber findet niemals statt. Bei all den Massen an Muskeln wird stets nur mit Kugeln Gewalt ausgeübt. Gesprochen wird dennoch des Öfteren aber vielmehr als das Gesprochene ,dass in seiner herrlichsten Szene im Film ins unfassbar belanglose abdriftet ( ein Anruf aus der belagerten Bank von Schreiber an Butler der einfach keinen Sinn ergibt, noch die Geschichte voranbringt ), wird geposed. Das Poing nimmt viel Raum und vor allem Zeit in Anspruch. In die Tiefe der Charaktere dringt Criminal Squad auch niemals vor. In der Logik des Regisseure auch völlig nachvollziehbar, sein Männerkino lässt keinen Raum für ein Innenleben. Das Äußere sichtbare ist ausschließlich das was zählt. So löst der ein oder andere Satz am Ende des Films eines sterbenden auch Verwunderung aus wenn er im Angesicht des Todes nach sich um seine Kinder sorgt. Wobei im Film diese Kinder niemals erwähnt wurden noch gezeigt noch darüber gesprochen.

    Hir willsch du net rein

    Letztlich bleibt der Film sehr weit weg von seinen Charakteren. Nebulös sind die Gedanken und Gefühle der Cops sowie der Gangster. Im Kino des Christian Gudegast ist für solcherlei Unnötigkeiten kein Platz, zu viel Platz nehmen die gestählten Bizepse und Stiernacken der Figuren in Anspruch. Nur einer scheint so ein bisschen aus der Rolle zu fallen. Der Osterhase. Ein .Mann, der das lange Ohr ausgefahren hat. Ein Mann der so gar nicht zum Ensemble der echten Männer passen will. Mehr will an dieser Stelle nicht verraten sein um den Plot zum Final nicht zu verraten. Vielleicht aber auch bezeichnend das der Osterhase, der Einzige der nicht nach Instinkt und Balls handelt am Ende obsiegt. Mit all seiner Äußerlichen Schwäche in der Logik von Criminal Squad. Um es lebhafter sich vorstellen zu können, Criminal Squad ist die filmische Verkörperung von Kaya Yanar Türsteher Parodie. Laut, breitbeinig, aggressiv aber vor allem nicht ernst zu nehmen. Man weiß einfach nur zu gut das Yanas Figur sowie Criminal Squad nur die dicke Hose vorgeben. Bleibt nur es wie der Osterhase zu machen: Vor dem Film Informationen sammeln und sich als innere Kaya Yanar zu sagen „hir willsch du net rein!“

    Nein das ist ja ok für mich wenn es vom Regisseur so gewollt ist, funktioniert ja auch diese Betrachtung. Es ist nur meine Idee zum Film, falsch ist sie nicht wenn sie für mich funktioniert und der Film mich so erreichen konnte. Ist ja auch eine Stärke des Films. Weiß gar nicht wo ich mich da versperre.

    Ich kenn die Sachen die der Regisseur erzählt, es ging hier nur um meine ganz persönliche Deutung des Films. Mir hat es Spaß gemacht den Film auf meine Weise zu interpretieren das bedeutet nicht das ich nicht verstanden hätte sondern das ich Spaß daran hab ihn zu deuten. Alles nachlesen is mir zu einfach, ich strenge meinen Kürbis an und komm selber auf eine Lösung.

    Achtung Spoiler

    Vom Schmerz des Teilens

    Am Anfang war das Feuer, aus dem Feuer entstand das Leben.
    Ein Leben, eine Zweisamkeit welche jäh erschüttert wurde als die Menschen kamen
    und das Teilen begann.

    Darren Aronofsky ( The Wrestler )erzählt eine Geschichte des
    Schmerzes und des Verlustes. Vom Schrecken der einseitigen Liebe, einstürzenden
    Hoffnungen, untergehenden Welten und legt den Finger immer tiefer ins offene
    Fleisch. In seinen besten Momenten kann Aranofsky ein Gemälde des Schreckens
    erschaffen das einen Inne halten lässt und erschaudern. Mother! ist weniger
    Unterhaltung, eher wie ein Besuch in einer Galerie: Man nimmt Platz. Vertieft
    sich in das Gemälde und hält Inne, bis sich einem die ganze Herrlichkeit
    offenbart. Aber man braucht Zeit, Geduld sehr viel Geduld.

    Der Dichter ( Javier Bardem ) und seine Frau ( Jennifer
    Lawrence ) bewohnen in der Abgeschiedenheit der Wildnis ihr zu renovierendes
    Eigenheim, nach und nach passieren Dinge, die auf den ersten Blick seltsam
    erscheinen. Nach Deutung der Symbolik aber in etwas verwandelt werden können
    das ganz nah beim Menschen selbst zu finden ist. Ein Gefühlszustand der für
    jeden erfahrbar ist, vielleicht schon mal harte Realität war. Als der Dichter
    einen Gast zum übernachten herein bittet und daraufhin immer weitere Leute sich
    ins Haus einquartieren, schrillen bei dessen Frau schon die Alarmglocken. Die
    Vorboten des Horrors die im grandiosen Finale in einem abartigen Overkill die
    Hölle über die Frau des Dichters hereinbrechen lässt. Wobei der Horror nur
    wenig mit Blut oder von ihm verschmierte Gesichtern zu tun hat. Er spielt sich
    woanders ab. Im Kopf bei der Rückkopplung der Gedanken beim Zuschauer.
    Aranofsky zeigt wie Gefühle aussehen müssten wenn man sie auf eine Leinwand
    packen könnte. Die passenden Bilder fürs Poesie Album der Ohnmacht. Worte als
    Bilder. Unfassbar seine finale Zuspitzung der Dinge.

    Nur ohne das Inne halten, ohne die Lust am entschlüsseln der
    Deutung bleibt Mother! Ein wirres Machwerk ohne wirklichen Zusammenhang. Erst
    das dechiffrieren der Ereignisse führt zu Erkenntnis das da monströses Kino
    geschaffen wurde. Beim Versuch die Ding zu entschlüsseln bleiben Spoiler nicht
    aus. Wer den Film nicht kennt sollte unbedingt folgende Reihenfolge beachten:
    Erst Film dann weiterlesen. Der Dichter ist ein Egoist. Einem dem es nicht
    genügt was er hat und nach so viel mehr giert. Ein Welteneinreiser.

    Du liebst es das ich dich liebe

    Die ungebetenen Gäste am Anfang symbolisieren nichts anderes
    als das Teilen des Ehemanns, welches seiner Frau so missfällt. Der Ruhm den ihm
    sein Schreiben eingebracht hat ist Teil seiner Persönlichkeit geworden. So darf
    man die ungebeten Gäste weniger als Personen , sondern als Symbol des Teilens
    sehen, später auch als Abspaltung von ihr nachdem sie ihm „Inspiration genug“
    war. Sie genügt ihm nicht alleine, der Ruhm, die Anerkennung das sind die Dinge
    mit denen sie nicht konkurrieren kann. So ist es auch nicht verwunderlich als
    der Dichter sagt: Die Leute sie können mich wirklich verstehen. Und sie darauf
    erwidert „aber ich liebe dich“. Anerkennung und Ruhm sind der Motor des
    Dichters, sie ist nur die Inspiration.

    Immer wieder sieht man im voranschreiten der Geschichte, im
    Haus merkwürdige Risse aus denen Blut herausquillt. Die Frau des Dichters hat
    den beiden ein Reich geschaffen, ein zu Hause . Je mehr ihr Mann sich entfernt
    und sich dem Ruhm hingibt je mehr Risse bekommt das Haus. Das Haus als Seele.
    Die Seelenwelt der Jennifer Lawrence.Noch expliziter wird es im finalen Akt als
    hundert von Menschen das Haus in Schutt und Asche legen und alle in die Brüche
    geht. Alles stirbt. Alles. Mit dieser radikalen Art des Films setzt Aranofsky
    die Seelenwelt frei. Immer weiter entfernt sich ihr Mann von ihr. Ihr Haus wird
    in Trümmern gelegt, das Haus das Heim, die Beziehung der beiden. Alles schwarz
    und grau und zerstört. Und das ist der Moment. Hier angekommen wird das
    Bild,welches Aranofsky zeichnet zum Meisterwerk. Ohne diese Deutung und einem
    Interesse des Nachdenkens beim Schauen bleibt mother jedoch wohl nur ein
    gewöhnliches Bild.

    Timur Bekmambetow ( Wächter der Nacht ) verziert sein Remake des gleichnamigen Klassikers mit Charlton Heston nur mit großen Adjektiven, bleibt es aber schuldig diese mit Inhalt und vor allem Emotionen zu füllen. Das finale Duell der Brüder ( Jack Hutson, Toby Kebbell ) ist weit weniger Spannend als das Sandburgen kaputt hauen von Rosberg und Hamilton im gleichen Jahr. Und die sind noch nicht mal Stiefbrüder wie Judah Ben Hur und Messala. Wenn im Wüstensand von Jerusalem die Hälse brechen, die Pferde schnaufen und die Peitschen zischen, könnte alles gut sein in der CGI erschaffenen Arena des Pontius Pilatus. Ist es aber nicht! Es kommt kein Gefühl an. Ob es an den Gesichtern liegt, die wie Masken wirken oder an der lieblosen Vorarbeit der Figuren, wie der von Ben Hur. Dessen eigentlich interessantem Martyrium weicht einer weiteren CGI Sequenz mit ihm als Galeeren Ruderer in Fünf jähriger Gefangenschaft bei den Römern. Der Schmerz wird auch hier wieder nur sichtbar in Form von Narben auf dem Rücken, aber nie fühlbar. Was wir sehen sind immer nur die Äußerlichkeiten, die Narben, das Blut, in den Mensch hinein schauen wird uns nicht gestattet. Dabei ist die eigentliche Hölle des Leidens immer der Kampf mit den eigenen Überzeugungen. Jesus opfert sich als Symbol, kommt aber über diesen Status im Film nicht hinaus.

    Wohin mit der Symbolik
    Bekmambetow weiß sowieso nicht genau wohin er seinen Streitwagen steuern möchte. Ben Hur wird zwar im Film gegen Schluss angedeutet, dass er durch einen Sieg beim Wagenrennen einen Kampf gegen die Besatzer beginnen könne aber wofür am Ende? Die Karawane zieht weiter und die Römer sind noch immer da. Es werden böse, grausame Besatzer Römer gezeigt und Juden, die Guerilla ähnlich diese versuchen zu töten und zu vertreiben. Doch wohin das ganze uns führt beantwortet uns der Film nicht. Das Patentrezept welches uns in Form der Jesus Symbolik immer wieder eingeimpft werden soll ist die Botschaft des Friedens. Nur ist das Problem das in Ben Hur weder das friedliche Mittel noch das kämpferische zum Ziel führt. Bevor wir drüber nachdenken können wie es nun weiter geht ist der Film aus. Ben Hur bleibt der Jubel im Auswärtsblock seiner Landleute in der Arena. Eine Revolution wird dadurch aber nicht ausgelöst, das Symbol das er sein könnte, wird zu Staub wie alles andere auch in der Arena von Jerusalem.


    Verpasste Chancen


    Als Charten Heston noch den Streitwagen steuerte, waren die technischen Möglichkeiten begrenzt, heutzutage kein Problem mehr ein Wagenrennen darzustellen mit samt einer gigantischen Arena aus dem Rechner. Man muss sie nur mit Leben füllen. Umso bitterer, das das eigentliche Highlight des Films, das Wagenrennen, so ungut für den Zuschauer aussieht. Es fühlt sich weder echt an noch kommt Spannung auf. Noch schlimmer, die Kontrahenten verunglücken nahezu jedes Mal auf die selbe lahme Art und Weise. Im Fahrerfeld befinden sich Charaktere die Potenzial hätten, aber dabei bleibt es auch. Wieder schafft es Bekamambetow nicht seine Charaktere nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers zu verankern. Das Ben Hur Rennen fühlt sich in etwa so an wie wenn bei Mariokart nicht die bekannten Gesichter fahren würden sondern Fahrer ohne Gesicht, mit Masken, ohne wiedererkennungswert ohne Ecken ohne Kanten.


    Es wird sogar noch peinlicher, wenn Morgan Freeman aus seiner Boxengasse aus Ben Hur jeweils immer im entscheidenden Moment den ultimativen Tipp zubrüllt. Wohl einer der unnötigsten Figuren im ganzen Film. Freeman spielt seinen in letzter Zeit Paradecharakter. Kurze Laufzeit, allwissend und den zu Fleisch gewordenen Gutmenschen in einer von Hallunken nur so wimmelnden Welt. Wahrscheinlich wäre er sich nicht mal zu schade gewesen als Pferd am Streitwagen mit zu rennen nur um seine Nase in einen weiteren Blockbuster zu halten.


    Wäre Ben Hur kein Remake, wäre es einfach nur ein sehr sehr mäßig bis schlechter Streifen, der auch noch viel zu lange läuft. Doch ist Regisseur Bekmambetow angetreten um im Jahr 2016 ein Remake eines Klassikers zu drehen. Mit einem 100 Millionen Dollar Budget, einer noch nie da gewesenen Fülle an CGI Möglichkeiten, besserer Kameras und dank der neuen Medien auch mit besseren Vermarktungsmöglichkeiten über den ganzen Erdball mit nur einem Mausklick. Wenn man alleine diese Prämisse heranzieht, verlangt es einem noch mehr Respekt ab was damals im Jahr des Herrn 1959 vollbracht wurde. Fast 60 Jahre später reibt man sich die Augen was mit etwas Phantasie und Handarbeit möglich war was die Technik von heute in den falschen Händen nicht schafft. Dieses Epos zu toppen war wohl niemals die Absicht von Bekmambetow aber er hat sich nicht einmal angenähert. Ben Hur 2016 liegt etliche Wagenlängen hinter seinem Vorgänger.


    In der Psychologie gibt es einen Begriff, "Grit", der beschreibt wie sich Spitzensportler ein Ziel setzten um es dann zu erreichen. Zunächst ist es aber wichtig dieses Ziel unerreichbar hoch anzusetzen, ähnlich wie das remaken von Ben Hur, um sich dann später Stück für Stück an zu nähren um es Schluss endlich zu erreichen. Wäre der Regisseur ähnlich verfahren wie ein Spitzensportler und sich ein wenig mehr am Original orientiert hätte und sich dessen angenähert hätte, wäre er wohl nicht auf der Liste der Flops 2017 aufgetaucht. Einen solchen Klassiker der gleichermaßen ein altes wie auch ein junges Publikum anspricht vor die Mauer zu fahren zeugt von großer großer Lustlosigkeit des Regisseurs. Das Publikum sollte es ihm danken und Filme mit der Aufschrift Timur Bekmambetow in Zukunft meiden. Eine Runde Mariokart ist sicherlich die bessere Alternative als Zwei Stunden darauf zu warten bis endlich etwas Geiles passiert. Eine Wagenlänge Abstand von diesem Film bitte. :ritter:

    Rob Zombies Halloween


    Rob Zombie präsentiert der Post-Carpenter-Generation den alten Scheiß im neuen Gewand. Zombies Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1978 mag zwar an der Oberfläche glänzen, vor Blut triefen und mit bösen Worten um sich schlagen aber er sprengt nicht das prüde konservative Bild Amerikas. Zombie rationalisiert sogar die Suspense. Jene Eigenheit welches das Genre seit Beginn an in sich trägt. Horror ohne Horror. Den neuen Halloween schauen fühlt sich so etwa an wie zweite Klasse fliegen. Ob man in der ersten oder der zweiten Klasse sitzt im Flugzeug ist für die Ankunftszeit belanglos, beide landen zur selben Zeit. Das WIE ist aber entscheidet. Vor allem im Horror Genre entscheidet das WIE über gut oder schlecht.
    Trailer
    Konservative Nacktheit


    Zombie ist ein Grenzgänger, mit Filmen in seiner Vita wie "The Devils Reject" oder "Haus der 1000 Leichen" hat er eine große Gorehound Fan Szene aufbauen können. Nicht zuletzt drehte er den erstaunlich guten "Lords of Salem " ab und bewies erneut sein Gespür für Stimmung. Halloween war wohl sowas wie ein Herzensprojekt von ihm das er dann endlich 2007 fertig stellen konnte. Wenn man ihn und seine Filme kennt weiß man dass er gerne Grenzen dehnt, in Halloween nicht. Das scheinbar obszöne, viel Sex und nackte Haut das er uns präsentiert ist nur Mittel zum Zweck. In fast allen Szenen des Films wird ausnahmslos blank gezogen ehe einer das zeitliche segnet. Frauenkörper komplett entblößt, Teenies beim Koitus gezeigt. Skandal mögen die meisten schreien, zu obszön, zu eindeutig. Doch so obszön ist das Ganze nicht. Denn jeder findet ja den Tod der blank zieht. Jeder der vorehelichen Sex praktiziert, verliert sein Leben. Das passt dann wiederum ins Bild des ersten Teils, Sex vor der Ehe hat stets Konsequenzen. Nur Leben wir im Jahr 2016. Eigentlich Zeit mit diesem Mechanismus zu brechen. Alter Scheiß im neuen Gewand. Zombie wird dieses Dogma nicht los. Michael Meyers versinnbildlicht das prüde Amerika, nach Außen das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aber schaut man mal genauer hin...


    In Seehofers Partykeller brennt noch Licht...


    Im allgemeinem kommt die Sprache des Films dreckig daher, jedes Kind scheint fasziniert von Sex zu sein. Ob mit dem Bagel oder auf der Mutti, das Thema scheint omnipräsent zu sein. Fast schon bemüht darauf getrimmt. Zombie scheint uns hier weiß machen zu wollen das Teenies den ganzen Tag entweder über Sex reden oder ihn erleben und schickt Michael Meyers an jede Haustür um den ein Ende zu setzten. Zu empfehlen wäre demnach dieser Film der Clique um Seehofer und Stoiber, die sich anhand der auftretenden gelebten Konservativen Einstellung des Herrn Meyers sicher erfreuen dürfen. Perfekter Film für einen launigen Abend im Partybunker, wenn mal wieder kein Flüchtling böses tut wo gegen man hetzten könnte.


    Masken die wir tragen


    Zu verdanken haben wir Zombie dennoch eine neue Facette aus der Kindheit von Michael Meyers und oder einen möglichen Erklärungsversuch. Die Masken. Michael fängt an Masken zu tragen welche ihm als zweite Identität attestiert werden. Interessanter Aspekt. Hätte aber gar nicht so deutlich ausfallen müssen. Tragen wir nicht alle Masken. Wir sind freilich keine Mörder, Vergewaltiger oder Kinderschänder deswegen. Unsere Masken führen immer zu einer bestimmten Sache. Beliebtheit bei Freuden, Gehaltserhöhung beim Chef. Michaels Maske führt ins Verderben anderer Leute, das ist der Unterschied. Es ist nicht schlimm eine Maske zu tragen um sein Ziel zu erreichen. Wir brauchen sie sogar vieler Orts. Michaels Maske ist vielleicht demnach auch gar keine Maske sondern sein wahres Gesicht. Die wahre Maske die er trägt ist die eines normalen Kindes, erst wenn er die vermeintliche Killermaske trägt kommt es zum Vorschein. Die Symbolik ist sicherlich einer der Stärken des Films, ein wenig dezenter Vorgetragen wäre schön gewesen.


    Das Zombie eigentlich mal früher Musiker war merkt man Halloween stark an, so verarbeitet er in einer schönen Montage einen bekannten Hit aus der 80er, der sich so schön ins Bild einbettet das man für kurze Zeit den Rest vergisst den er falsch macht. Leider hat Zombie dabei vergessen das das Halloween Theme eines der Angst einflößendsten Melodien überhaupt ist. Anders kann man sich das nur einmalige Auftreten dieser Melodie nicht erklären. Wenn man noch weiter geht und auf seine Metall Zeit verweisen will ist es vielleicht der wahre Skandal, dass er diese Musik nicht auf seine eigene Art interpretiert hat. Da kam er aber wiederum nicht über sein Konservatives Denken hinaus und lies das Theme unberührt. Dem alten Scheiß hätte ein neues Gewand sehr gut gestanden.

    Jack Reacher ( Tom Cruise ) kehrt erneut auf die große Leinwand zurück und boxt sich irgendwo zwischen Patch Work Family Story und redundanten Verfolgungs Jagten durch New Orleans. Edward Zwick versucht erst gar nicht den ersten Teil mit mehr Action, mehr Spannung oder einem kniffligeren Fall zu übertreffen. Was nicht als Kompliment gemeint ist. Er nutzt den Bekanntheitsgrad der neuen Actionfigur Jack Reacher und die natürliche Neugier des Blockbuster Guckers. Durch einen geschickt montierten Trailer der vor einiger Zeit omnipräsent auf alle Kanälen lief. entstand der Eindruck eines spannenden Streifens. Erwartungen wurden geschürt, das Kopf Kino begann zu zucken. Letztlich baute Zwick eine riesen Wand auf an Erwartungen die er dann nach ein und halb Stunden mit eigen Händen einreist. Zeitweise sogar den gemeinen Zuschauer nervt mit einer nervigen Story , die einfach nicht in Fahrt kommen mag. Jack Reacher ist zurück, aber irgendwie doch nicht...


    Im gemeinen James Bond Universum, fiel und stand der Film mit dem Villian, dem bösen Buben, dem charismatischen Fettwanst mit Hang zur Weltherrschaft. Mit der ultimativen Performance einer zu Fleisch geworden Fantasie ausseiner Hirnrinde schuf Ian Flemming immer wieder einen Gegenpol zu Bond, den es zu bekämpfen galt und den die Zuschauer liebten zu hassen. Manchmal auch schockierte, zumindest nicht kalt lies. Jack Reacher hätte so ein böser Bube aus vergangen Tagen gut gestanden, denn der Gegenspieler hier, verleitet den Zuschauer nur zum Blick aufs Smartphone aus Desinteresse. Weil uninteressant, weil glatt, weil er einfach weniger zu bieten hat als das Nachmittagsprogramm der öffentlich Rechtlichen an einem lauen Sonntagnachmittag.


    Also liegts an Jack den Film zu stemmen. Reacher gerät unter Mordverdacht als er Ermittlungen anstellt um seine ebenfalls unter Mordverdacht stehende Telefon Romanze zu entlasten. Fortan müssen beide ihre Unschuld beweisen. Damit Team Reacher nicht allein ermitteln muss hat Zwick noch eine geniale Vater Tochter Geschichte eingebaut, die Reacher ebenfalls zu schaffen macht, denn die Flucht zu dritt strapaziert nicht nur seine Nerven sondern die des Zuseher in gleicher Weise. Und der ist schließlich kein Jack Reacher.


    Family Storys


    Schlimm wirds immer dann, wenn einen wieder das Gefühl überkommt gerade versehentlich RTL II zu sehen. Das passiert jedesmal dann wenn Reachers vermeintlicher Spross anfängt ihre Essluke zu öffnen und Reacher mit Gesichtskrämpfen und pubertierenden Sprüchen gegenübertritt, die uns Zwick als Schauspiel verkaufen will. Schlimm wirds auch immer dann wenn uns Zwick einlädt unfreiwilliger Zeugen einer Familienszene nach der anderen zu werden. In denen er auch noch versucht, mehr erbärmlich als ehrlich die Feminismuskeule zu schwingen. Gar versucht den Zeigefinger zu heben gegen das klassische Rollenbild aus der alten Zeit zwischen Mann und Frau. Nur bleibt vom Versuch mit dem erhobenen Zeigerfinger nur der gute Wille übrig und der Finger verschwindet schnell wieder in der doch so liberalen Hose des Jack Reacher Franchise. Hier tun eben Kerle was sie tun müssen, Frauen das was sie können und Mädchen eben was sie in dem Alter tun - nerven. Neue Facetten bekommt Reacher nicht verpasst. Die Gelegenheit ihm durch das Dasein seiner vermeintlichen Tochter oder seiner attraktiven Partnerin wäre die Gelegenheit gewesen, den Menschen hinter der Maschine Jack Reacher zum Vorschein zu bringen. So bleibt er nur eine Maschine ohne Emotion. Zugeständnisse an das Mensch sein werden hier nur hin und wieder gemacht wenn Jack ein Grinser über die Wangen rutscht. Das Weltbildes uns hier untergejubelt wird ist so typisch wie ermüdend für den Blockbuster müden Geist, der sich nach neuem sehnt auf der Leinwand. Neuen Ideen, starken Charakteren auf beiden Seiten sowie Action die ihren Namen auch verdient. Zwick schafft es nicht einmal ein knistern aufkommen zu lassen zwischen Reacher und dessen Gefährten. So kommunizieren die Beiden in Dialogen, die aus dem Armeehandbuch zu kommen scheinen. Das killt die Stimmung und man ist dann schlussendlich froh das man nicht mehr zu Gesicht bekommt als eine halb offene Hose und einen Normgerechten Armee BH in Dessert Musterung. Wer weiß wie ein Schäferstündchen ausgesehen hätte. Ungefähr so wie zwischen einer Ken und einer Barbe Puppe.


    Es ist geschehen


    Wenn man so recht überlegt, gibt es keine schlechten Cruise Filme. Hier hat er es nun endlich geschafft einen zu produzieren. Mit dem Alter kommen sie. Cruise dem man seine mehr als 50 Lenze gar nicht ansieht kommt die Kamera vor allem in Action Szenen entgegen. Wenns mal wieder Zeit wird den Zuschauer aus dem Schlaf zu holen und Zwick Fäuste sprechen lassen will ist das dermaßen schnell geschnitten und auch wieder vorbei das man zu keiner Sekunde blinzeln darf. Mit Verfolgungsjagden mit freundlicher Chrysler Unterstützung verhält es sich ähnlich. Sie wirken noch Ermüdender als eine Komplett Übertragung eines 24H Rennens. Ja was bleibt dann viel übrig fürs Auge wenn die Action schon versagt? Cobie Smulders wäre so eine Sache gewesen wenn ein wenig Schauspielern könnte, vielleicht gar nicht so unclever sie einen Major spielen zu lassen. Da fällt ihre hölzernheit weniger auf. Vielleicht gar nicht so dumm von Herrn Zwick. Der seines Zeichen Oscar Preisträger war, man mag es kaum glauben. Shakespeare in Love wurde damals als bester Film von der Academy ausgezeichnet. Doch wenn man weiter runterscrollt entdeckt man das er diesen Jungen nicht fürs Filmemachen sondern nur fürs produzieren bekommen hat. Jack Reacher entlarvt ihn zu dem als Jemand der wahrscheinlich mehr das Geld liebt als seinen Film.


    Wer bin ich?


    Wem empfiehlt man nun so einen kruden Mix aus Verwurstellungen aller möglichen Genres? So wirklich lässt sich das nicht sagen, was per se nicht schlecht sein muss. Doch hier gerät Zwick zunehmend in eine Spirale der Undefinierbarkeit. Er bedient sich mal hier mal da bei den verschiedensten Gernre aber nirgends so richtig gut. Hier mal die Patch Work Story aus dem RTL Nachmittagsfernsehen, da mal eine zu schnell geschnittene Action Einlage. Jack Reacher wo willst du hin? Im ersten Fall, löste Jack noch einen kniffligen Fall. Spannung war da genau wie das passende Tempo. Hier in Jack Reacher II kann man den Untertitel wohl wörtlich nehmen - kein Weg zurück. Und es passt auf so vieles. Fürs Kino Geld gibt es keinen Weg zurück, für die Figur des Jack Reacher gibt es keinen Weg zurück zum guten ersten Teil und das schlimmste an allem, für die geraubte Lebenszeit gibt es auch keinen Weg zurück.


    Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und dem Menschen doch das Kostbarste stehlen: Die Zeit -Napoleon Bonaparte

    Steve wollte nicht dass seine Produkte geöffnet werden können. Niemand solle an das Innenleben seiner schmucken Geräte gelangen. Das Privileg ans Innenleben zu dürfen soll nur wenigen zu teil werden. Spezielles Werkzeug, so erfahren wir zu Anfang des ersten Akts sei von Nöten. Steve Jobs, so legt es uns Danny Boyles Biopic, über einen der einflussreichsten Männer unserer Zeit nahe, war ebenso gestrickt wie seine Produkte. Nur wenigen war es vergönnt sein Innenleben zu erleben. So bleibt das End to End System nicht nur ein System sondern immer auch ein Charakterzug seines Erfinders das er an jedes seiner Kinder weitergab die er erschuf...
    Danny Boyle nähert sich dem Mythos, Mysterium, Genie Steve Jobs auf sehr unkonventionelle Art und Weise für ein Biopic. Statt vom romantischen Bild der Kollege Kids, die in Papas Garage Grandioses bauen zu erzählen kümmert sich Danny Boyle genau um die Passagen in Steve Jobs Leben, die ihn ausmachen und ihn als Mensch zeigen. Keine abgerundete Person sondern eine mit Ecken und spitzen Kanten. Wir erleben ihn in drei gleich langen Akten, jeweils 40 Minuten vor einer großen Produktpräsentation hinter der Bühne. Einmal 1984 bei der Vorstellung des Macintosh, 1988 beim Next und 1998 beim Vorstellen des iMac. Boyle zeigt kein einziges Mal wie Jobs sein Produkt vorstellt. Braucht er auch nicht. Wir alle kennen die Produkte von Apple. Werden jeden Tag auf neue im Fernsehen daran erinnert "wenn du kein iPhone hast, hast du kein iPhone". Boyle kann hier wunderbar ohne das anbiedern von Apple Produkten arbeiten denn das hat bereits die Werbung im realen Leben schon für ihn erledigt, die uns Jahrzehnte lang Apple Produkte ins kollektive Gedächtnis gehämmert hat. Vom Knirps bis zum Greiß, die für das iPhone typische Wischbewegung kennt jeder.
    Die Welt schöner denken
    Auf diese Weise kann sich das Steve Jobs das wirklich spannende und ergreifende konzentrieren. Den Focus gebündelt auf den Dirigent des Orchesters wie er sich selber gerne nennt und sieht. Steve Jobs ist kein Biopic aus der Sicht eines Apfeljüngers. Hier wird kein Thron bereitgestellt auf den sich Michal Fassbender ( Steve Jobs ) lümmeln könnte. Auch keine Laudazio gehalten auf einen Mann, der die Welt für uns schöner dachte. Durch die verschiedenen zeitlichen Abstände wird ein eher kurzer Zeitraum von 14 Jahren abgedeckt, Boyle schafft es aber durch die unheimliche Dichte der Dialoge, den Geschehnissen vor der Präsentationen und der großartigen Performance des ganzen Casts dem Konsument das Gefühl zu geben nach sehen des Films, Jobs sehr nahe gekommen zu sein. Niemand von uns wird ihn je persönlich gesprochen haben, geschweige denn ihm die Hand geschüttelt haben aber berührt hat er uns mit seinen Ideen alle schon einmal.
    Die Liebe zum Detail in Danny Boyles Steve Jobs wird im wahrsten Sinne des Wortes erst sichtbar durch eine weitere Detailliebe. Für jeden der drei Akte verwendete Kameramann Alwin H. Küchler ein anderes Bildformat, immer exakt jenes welches zu dieser Zeit üblich war. So sieht der Konsument nicht nur Standardmäßiges HD wie im Schlussakt des Films, sondern kommt auch in den Genuss von 16mm Film sowie 35mm im zweiten Akt. Das Bild passt sich seiner Zeit an und rundet das Packet des Films ab.
    Fassbender spielt nicht....
    Apple steht für Innovationen. Apple steht für exakte Formen, wie etwa dem iPhone Design oder der von Jobs entwickelten Black Box mit seiner eigens dafür gegossenen Gussform für sagenhafte 650.000 USD. Apple steht aber auch für Veränderung. Da schlägt sich der Bogen zum Hauptdarsteller, der diese Apple eigenen Attribute seit jeher als sein Markenzeichen ins sich trägt. Veränderung wäre sowas wie das Trademark des überragenden Michael Fassbender. Ob als leidender Sexjunkie in Shame, Grausamer Macbeth oder als Obermotz Magneto in den X Men Filmen. Veränderung und Weiterentwicklung zu immer noch exakteren Performances, bis an den Rand der Selbstaufgabe und zur völligen verschmelzen der Rolle mit dem Ich. Fassbender spielt nie, er ist die Rolle. Um Haares breite wäre die Rolle des Steve Jobs Christian Bale zugefallen. Bale kann tausend und eine Emotion nachstellen hat dabei aber immer nur ein und denselben Gesichtsausdruck zu bieten. Eine Mischung aus dem Gesichtsausdruck von den Ratiopharm Girls, die gerade für Verstopfungstabletten werben gepaart mit einem überheblichen hemdsärmlichen Grinsen. Steve Jobs wäre so viel verloren gegangen. Die Wahl fiel aber auf Fassbender, alles gut. Überhaupt ist der Mann sowas wie der Schwarzenegger der Neuzeit. Früher als noch nackte Oberkörper und eine Vierecks Kopfformen Kasse machten, war der Name Schwarzenegger gleichbedeutend mit einem Riesen Erfolg und dem unausweichlichem Geldsegen. Bei Steve Jobs ist es zwar mit dem Geldsegen etwas anders da er allgemein etwas floppte aber das entscheidende Faktum bleibt. Die hohe Qualität Wo Fassbender draufsteht, steckt ganz ganz großes Kino drin. Die Schwarzenegger Garantie der Neuzeit! Nicht in Bezug auf einen Geldsagen aber mit einer viel wertvolleren Ware – Qualität.
    Der kleine Kasten der die Welt bedeutet
    Irgendwann Mitte des Films, Ende des Zweiten Aktes, frägt Steve Wozniak ( Seth Rogen mal wieder in der Rolle des Dauernervers ) seinen Standby Kumpel Jobs was er eigentlich tue. Er sei kein Programmierer. Kein Designer und kein Grafiker. Jobs nüchterne Antwort " Ich spiele nicht im Orchester ich bin der Dirigent ". Ein Satz der auf T-Shirts, Poster oder Tassen gehört. Jobs war nie bestimmt für einen Schreibtisch, die Baugrube oder eingezwängt in irgendwelche Muster, Regeln und Konventionen. Sein Kredo "Think. Different" drückt es genauso aus wie sein Geist arbeitet. Jobs schart die besten Musiker um sich, die Idee entspringt seinem Kopf. Die Hände zum Umsetzen sind seine Musikanten. Wie das Instrument gespielt werden muss ist nicht wichtig nur die Melodie, das Endprodukt. Zum Ende des Films hin gewinnt man den Eindruck das Jobs trotz seiner unkompatiblen Art und dem nicht zu durchdringenden Panzer ein wahrer Menschenfreund war.
    "Ich hasse den Anblick deines Walkmanns. Ich stecke dir tausend Lieder in die Brusttasche."
    Vielleicht war es seine Aufgabe auf Erden das Leben etwas schöner zu machen. Oder anders gesagt das Leben in ein Gerät zu packen das fast wie ein natürliches Körperteil zu uns gehört. Wer schon mal den Akku leer hatte und von der "Welt" abgeschnitten war weiß was ich meine. Das Leben hat sich seit Jobs für die meisten Leute verlagert, hinein in ein 30x40mm großes Kästchen.


    Man lernt nie aus ist eine US-amerikanische Filmkomödie mit Robert De Niro, Anne Hathaway, Nat Wolff und Adam DeVine in den Hauptrollen.

    The Intern
    Produktionsdatum: 2015 (Brasilien, Südkorea)
    Regisseurin: Nancy Meyers
    Musik von: Theodore Shapiro
    Kamera: Stephen Goldblatt
    Cutter: Robert Leighton

    Kinostart in Deutschland: 24.09.2015
    Deutsche DVD & Blu-Ray Fassung: 28.01.2016



    Kritik


    "Wir brauchen mehr Zeit miteinander, wo wir wach sind."


    Man lernt nie aus von Nancy Meyers ( Liebe braucht keine Ferien ) punktet nicht mit der Anzahl an Lachern. Auch nicht mit besonders originellen Ideen oder Handlungssträngen, schlägt aber unbarmherzig zu wenn er jene Tatsache auf den Punkt bringt, was den meisten Menschen in der heutigen Zeit abhandengekommen ist. Die Zeit an sich. Das Zeit nehmen. Sich Zeit nehmen für eine einzige Sache. Die bewusste Entscheidung Zeit mit Leben zu fühlen. Wach sein für das Hier und Jetzt, auszubrechen aus dem Hamsterrad der Überladung und Überfrachtung durch Informationen. Dem Ohnmächtigen Gefühl zu entfliehen, ständig präsent sein zu müssen aber niemals wirklich wo zu sein...


    Die Stimme als Werkzeug zur Übermittlung von Emotionen und Sätzen ist dem modernen Homo sapiens weitestgehend verloren gegangen. Ins moderne Bild der Kommunikation rückt immer mehr eine Sprache die nicht gesprochene ist sondern digital getippt. Email, Twitter und Whatts App lösen das Persönliche ab. Das Emoticon die Emotion. Der gefällt mir Klick den wohltuenden Schulterklopfer, die meist mit einer sichtbaren Emotion einhergehende Anerkennung eines Kollegen. Skype ermöglicht den Kontakt mit einem lieben Freund auf der anderen Seite des Erdballs ohne wirklich mit ihm in Kontakt zu treten. Seine Hand schütteln zu können, seinen Duft zu atmen und die Wärme zu spüren die dieser ausstrahlt. Die Oberfläche des blitzblanken Apple Bildschirms ersetz die Haut des Menschen, die wir sonst war nehmen, mit all ihren Facetten und Makeln. Man kann in der Nähe eine Menschen sein ohne im Nah sein zu müssen.


    Die Stimme, eine warme Decke für die Seele


    Jules Austin ( Anne Hathaway ) hat genau dieses Problem bzw. diesen Zustand des digitalen Sprechens erreicht. Als Chefin eines aufstrebenden Startup Unternehmens leidet sie daran jederzeit erreichbar zu sein, ständig in Kontakt mit verschiedenen Personen gleichzeitig sein zu müssen. Rund um die Uhr mit dem Smartphone hantierend, immer unter Strom. Ein Zustand des völligen digitalisierten Menschen, dem es nicht mehr gelingt wach zu werden, der im Strudel der Daten droht verloren zu gehen. Unfähig bewusst ein persönliches Gespräch zu führen das nicht dazu dient, effektiv zu sein, sondern sich um den Menschen gegenüber dreht. Indem es ums Zuhören geht oder dem Inne halten, zur Ruhe zu kommen und kein schlechtes Gewissen zu haben wenn man mal eine Nachricht unbeantwortet lässt. Den Phantomschmerz des Zurückschreiben Müssens auszublenden.


    Christian Brückner, Robert de Niros Stammsynchronsprecher sprach neulich im SWR 1 den Wetterbericht. Eine simple Abfolge von Fakten, die langweiliger nicht sein könnte. Was aber aus dem Mundraum von Brückner erklang eine Sinfonie aus Zahlen und Worten. Ein wahrer Freudentanz der Buchstaben auf Brückners Zunge, die sich erst zu Worten formierten, nur um dann in Sätzen gebündelt dem Ohr des Zuhörers zu schmeicheln. Brückner schafft es, das Sprechen zum Spektakel zu machen. So kam es auch, dass der Rezensent dieses Textes, der normalerweise Komödien meidet wie das Niveau einen Til Schweiger Film, Man lernt nie aus schaute. Aus dieser Lust heraus die Symbiose aus Stimme und Schauspieler des De Niro. Was auch durchaus passend zu Message des Films passte. Synchronsprecher Brückner beherrscht sein Werkzeug wie kaum ein anderer.


    In Man lernt nie aus spielt De Niro einen 70 jährigen Praktikanten, der genau auf diese Weise kommuniziert, welche im Büro der Neuzeit veraltet wirkt. Mit dem Kehlkopf und nicht dem Finger. Er wird es auch sein der seiner Chefin im Film zeigt, wie warm sich das gesprochene Wort um die Seele legen kann. Wenn man sich dazu entschließt Auge in Auge zu sprechen und die Barriere des Touchscreens durchbricht.


    De Niros Stimme steht in Man lernt nie aus für eine Gattung der Kommunikation, die per se in der Welt von Jules nicht existiert. Es wird viel kommuniziert aber wenig gesagt in Man lernt nie aus. Dieser Umstand der Volldigitalisierung des Gesprächs ist der Gegner des Oldscool Gentleman De Niro. Sei es der nerdige Kollege, dessen Vorstellungskraft es übersteigt dass nicht der Schlüssel zum Herzen einer Frau eine Whatts App Nachricht ist sondern das gesprochene Wort. Oder die Unfähigkeit seiner Chefin zum physischen Gefällt mir ihrer tüchtigen Assistentin. De Niro sagt dem Ganzen den Kampf an als Praktikant, der er aber eigentlich nie war, denn ein Praktikant ist in aller erster Linie einer, der lernt, in Man lernt nie aus, lernen aber nur die anderen. Das gesamte Umfeld in De Niros Tätigkeitsbereich, alle die sich darin bewegen werden Praktikanten in de Niros Universum. Seines Old Scooligen Verhaltens des persönlichen Sprechens und dem wundervollen Klang der Stimme von Brückner, der den Menschen vor den Bildschirmen lehrt, wie schön sprechen sein kann.


    Mehr als ein paar gelegentliche Schmunzler kann Man lernt nie aus aber nicht abstauben. Hier schafft es Regisseurin Nancy Meyers nicht genau wie ihre Hauptdarstellerin in Kontakt mit ihren Zusehern zu treten. Es wird nicht persönlich genug. Keine Nähe und wenig Berührung mit den Lachmuskeln. Hier bleibt der Film ganz seinem Thema der digitalen Distanz treu und schafft es nicht diese zu durchbrechen. Schlecht ist er deshalb trotzdem nicht. Eher sogar über dem durchschnittlichen Sonntagnachmittag Film. Dafür sind die schauspielerischen Leistungen zu gut, die Optik zu nett sowie das Gesamtbild zu stimmig. De Niro, der auf seine alten Tage zunehmend dem komödiantischem Fach seine Aufmerksamkeit schenkt muss hier nicht allzu viel aufbieten um den Film zu stemmen. Mit routinierter Gestik und Mimik bringt er die nahezu zwei Stunden Laufzeit mit Leichtigkeit ins Ziel.


    Seine Herkunft kann Man lernt nie aus zu keiner Zeit verleugnen. Zu sehr ist er der Hollywood Doktrin verfallen, alles schlimme nicht ganz so schlimm zu zeigen und als gute noch etwas mehr gut als gut dar zu stellen. Das dreckige Bild des durchaus hinterhältige Verhaltens, dem Betrugs an der eigenen Frau weicht somit einer schöne Kollage aus Entschuldigung und Einsicht, aus dem daraus wieder das Hollywood Bild wird das man gerne sieht. Das Gute im Herzen von De Niro wird noch ein Klecks mehr gutem hinzugefügt, Sodas er am Ende des Films ausläuft vor lauter Gutmenschlichkeit und Herzlichkeit. Kein Bild, das sich jeder gerne ins Wohnzimmer hängt aber damit ist wohl zu rechnen, wenn im Intro das Logo eines der üblichen Hollywood Jüngern erstrahlt. Man lernt nie aus besitzt in Bezug auf Komik und Nähe, die gleichen Defizite welches er versucht durch Robert De Niro zu bekämpfen. Man lernt nie aus bleibt eher in digitaler Nähe zum Zuseher, erinnert aber eindrucksvoll, dass wir mal wieder abschalten sollten um uns Zeit zu nehmen für ein persönliches Gespräch mit unseren Mitmenschen. Wach zu werden aus der Ermüdung und Faulheit der digitalen Freundschaften und Emotionen. Geht raus und umarmt einen Freund, das ist hundert mal mehr Emotion als jedes Emoticon der Welt ausdrücken könnte.


    Für alle die unbedingt Punkte brauchen.


    Film Wertung: [film]6[/film]
    Genre Wertung: [film]7[/film]

    Johnny Depps Stirnglatze erzählt uns mehr über Black Mass, als Regisseur Scott Cooper in zähen zwei Stunden Laufzeit. Jene vorhandene bzw. nicht vorhanden Haarpracht des Deppen zeichnet sich durch kahle Stellen aus, geschmückt mit vereinzelten überlebenden Haaren, die nicht der Glatze zum Opfer fielen. Und genau das verkörpert Black Mass, der nunmehr dritte Streich des Regisseurs. Vereinzelt blitzen überragende Szenen auf, gepaart mit dem immer noch vorhandenen Können des Hauptdarstellers, doch meistens bleibt der Film kahl, arm an Höhepunkten und wiederholt sich schrecklich oft. Cooper flirtet nur mit dem Gedanken einen wirklichen Genrebeitrag zu erschaffen, traut sich dann aber doch nicht so recht mit dem Mädel auf den Ball zu gehen...

    Black Mass erzählt mehr oder weniger die wahre Geschichte des wohl berühmtesten Glatzenträgers Bostons, dem Gauner und Bandenboss James J. "Whitey" Bulger. Jimmy Bulgers ( Johnny Depp ), Rise and Fall Geschichte. Der unglaublichen Story des FBI, die mit dem Teufel einen Pakt einging bei dem sie später in selbiger landeten und nicht mehr zurück in den Himmel durften. Auf dem Weg dorthin kann der geübte Zuschauer noch so aller Hand Prominenz an jeder Ecke Bostons entdecken. Kevin Bacon, Joel Edgerton oder auch Benedict Cumberbatch sind nur einige der Namen, die den Film schmücken. Selbst für Frank Underwoods ( House of Cards ) ehemaligen Kollegen gibt es einen Schreibtisch Job in Black Mass. Der Mann scheint auf Anzug tragende Unsympathen abonniert zu sein.


    Viel Action wird in Black Mass nicht gezeigt, meist immer nur das fertige Resultat, die Tat an sich. Der Weg dorthin ausgelassen. Erfahrbar wird die Welt in der Bulger regiert nie so ganz. Jedenfalls nicht dadurch, dass man als "Fremder" vom Regisseur in die Organisation eingeschleust wird. Weder die Chance erhält sie von innen heraus kennen zu lernen noch Teil des inneren Kreises zu werden.


    Das "Wie" an sich, ist Scott Cooper ( Crazy Heart ) egal, er schert sich wenig darum dem Zuschauer zu zeigen wie "Whitey" seine Kohle macht oder den Laden schmeißt. Nur eine Randnotiz die es zu erwähnen gilt oder kurz angerissen wird. Ihn interessiert viel mehr das innere der Hauptfiguren, deren Motivation und Antrieb. In Black Mass fallen dabei ganz oft Worte wie Loyalität, Ehre und Aufrichtigkeit. Scott, versucht statt explodierenden Autos oder Genre typischen Straßen Geballer, das Innere seiner Charaktere zu durchleuchten. Ist bemüht sie in die Ecke zu treiben um dabei zu sehen wie sie reagieren. Diese Interesse am Mensch ist da und auch der Kern des Films, nur gelingt es Scott nur manchmal ganz nah bei seinen Charakteren zu sein. Stimmungen und Gefühle zu kreieren, die nicht nur behauptet sind, sondern spürbar. Wenn das Interesse am Handeln der Charaktere wirklich visualisiert werden kann nimmt Black Mass Fahrt auf und weiß zu unterhalten. Leider sieht man sie zu selten, diese Szenen treten nur vereinzelt auf wie die Haare auf dem Kopf des Hauptdarstellers.


    "Nicht was Du tust, ist wichtig, sondern wann und wo Du´s tust und wem Du was tust und wer dabei ist. Wenn niemand es sieht, ist es nie passiert."


    Den Spruch den er Bulger in den Mund legt um ihn seinen Sohn zu predigen beherzigt Cooper leider selbst nicht. Zu beschäftigt damit beim Versuch jedem einzelnen seiner vielen Sprechrollen in Black Mass Tiefe zu verleihen vergisst er dabei seinen an sich epischen Grundsatz seiner Hauptfigur. All die Dinge, die er dem Zuseher nicht zeigt, passieren für ihn auch nicht. Wie Jimmy seinen sagenhaften Aufstieg bewerkstelligte oder das Innenleben der Organisation die er betreibt, die Mechanismen im inneren Kern seiner Truppe. Scott zeigt wenn er die Winter Hill Gang begleitet nur das Resultat, das meist eine kurze Gewaltspitze darstellt, die nach dem fünften Mal ermüdend wirkt. Schema F: Verräter enttarnt, Schnitt, Mord, Schnitt. Jimmys Arbeit am Opfer wird abgehakt damit es wieder weiter gehen kann, zurück in der Wohlfühlzone des Regisseurs, dem Wühlen in menschlichen Abgründen die a in Black Mass vor allem aus falscher Loyalität, Gier und Skrupellosigkeit besteht. An sich alles hochspannende Themen, wenn der Film ein Krimi nach einer Romanvorlage eines einsamen schwedischen Autors wäre, nicht diesen Trailer rausgehauen hätte und einen Charakter erschaffen hat der nach Coolniss nur so schreit. Scott kann die Waage zwischen den zwei Extremen, Action und Dialog nicht halten. Zu viel wiegt der Anteil, an sich wiederholenden Abfolgen von Büroszenen und schwachen Dialogszenen auf dieser einen Seite der Waage. Dabei ist das Wort Action nicht als bloße Worthülse für Explosionen und Krach zu verstehen sondern als Synonym für Bewegung bzw. Fluss des Films. Der gestaltet sich des Öfteren doch viel zu zäh, teilweise tappt Black Mass sich die Füße wund an ein und derselben Stelle der Geschichte weil nichts vorangeht.


    Der nervige Nachbar


    So ganz wird man in letzter Zeit nicht mehr schlau aus Johnny Depp. Zeichnete er sich in früheren Zeiten dadurch aus, dass man ihn gerne sah in Rollen wie dem legendärem Jack Sparrow oder als Kleinganove in Blow, ist es jetzt eher so, dass er der nervige Nachbar ist. Den man immer wieder zu sich nach Hause einlädt in der Hoffnung es würde doch ein cooler Abend werden nur um am Ende des Tages abermals zu merken das er der nervige Nachbar geblieben ist. Wie kam es dazu? Was ist nur los? Warum? Das einst aus dem netten Nachbarn, den man gerne ins Heimkino einlud, dieser nervige Nachbar wurde?


    Frauen in Black Mass sind grundsätzlich da um verlassen zu werden und oder um begrabscht zu werden. Ferner sie versterben nach wenigen Szenen. Eine Kommuniation zwischen Mann und Frau in Black Mass ist meist durch Hass oder Verachtung geprägt. So krass wie in Lawrence von Arabien in dem keine einzige Frau mitgespielt hat geht es hier nicht zu aber so weit weg bewegen wir uns davon auch nicht. In dieser gezeichneten Welt von Scott Cooper, die von Gier, Skrupellosigkeit und dem Drang zur Macht bestimmt wird verwelken schnell die Personen deren Gebote, Ehrlichkeit und Liebe lauten. Selbst die Grenzen von Gut und Böse verschwimmen, wenn die Guten nicht mehr als die solchen erkannt werden von ihres Gleichen. Wie einst auf dem Schulhof als Jimmy und seine Kumpels Räuber und Gendarm spielten. Die Grenzen verschwimmen und des Öfteren tragen die Bösen jetzt auch Krawatte.

    Kinderquatsch mit Kevin. So langsam muss man sich ernsthaft Sorgen machen um die Freunde von Quentin Tarantino. Erst schmiert Robert Rodriguez ( Predators ) in filmische Untiefen ab dann rutscht ihm Knock Knock Regisseur Eli Roth gleich hinter.

    Knock Knock ist sowas wie die Kinderversion von Filmen wie "The Loved Ones" oder "Funny Games". Weder schafft es Eli Roth aber den Spiegel der Sozialkritik zu finden, den Funny Games Regisseur Michael Haneke so gerne zeigte noch wird Knock Knock richtig fies oder explizit wie The Loved Ones. Dabei ist Knock Knock von dem Typ, der Hostel 1 und 2 auf den Zuschauer los lies. Von dem Typ, welcher mit anderen Regisseuren ein neues Zeitalter des Terrorkinos einläutete. Der Typ hat jetzt zwar wieder einen Terrorfilm geschaffen, doch dieses mal richtet sich der Terror ausschließlich gegen Präfrontalen Kortex des Zusehers, der darauf nur mit Schädelschmerz und Schwindel reagieren kann..


    Knock Knock


    Noch schlimmer als das eigene Versagen ist jedoch der Umstand, dass Regisseur Roth ( Cabin Fever ) noch einen anderen mit sich reist, der gerade mit John Wick seine Auferstehung gefeiert hat. Keanu Reeves oh Keanu Reeves. Was den Mann dazu inspiriert hat in diesem Kinderquatsch den Michael zu geben weiß nur er. In Knock Knock spielt er den Familienvater Evan, der gerade Samenstau hat da seine Frau zu viel um die Ohren hat um mit ihm Verstecken zu spielen. Doch es kommt noch schlimmer, Keren ( Ignacia Allamand ) vereist übers Wochenende mit den Kids und trägt nichts zum baldigen Ende des Staus bei. Evan bleibt zurück im riesigen Eigenheim und fristet sein Dasein beim Designen von Modellen aus dem 3D Drucker, die er für sein neuestes Projekt druckt. Doch was die unheilvolle Musik schon zu Beginn des Film mehrfach ankündigte, tritt nun ein: Es passiert etwas Merkwürdiges. Zwei Girlies klopfen klopfen an die Tür...


    One night can cost you everything


    Der Untertitel nimmt es ja schon vorweg, wie sollte es auch anders sein. Überraschung Überraschung. Keanu verfällt der süßen Versuchung, lümmelt die Beiden zeitgleich mit voller Hingabe. Achtung, wir erinnern uns, er hatte ja Samenstau in der Unterbuchse, verschuldet durch Keren. Passt doch alles. Ja so einfach ist manchmal das Leben oder die Fantasie von Eli Roth. Seis drum, der Plot wäre ja noch nicht einmal das Problem, denn was sollte auch anderes geschehen bei diesen originellen Voraussetzungen? Bevor es aber zur besagten bösen Tat von Keanu kommt wechselt der Mann doch tatsächlich 5-10 den Untersatz für seinen Arsch um der Versuchung zu wiederstehen. Das mulmige Gefühl überkommt einen, eine Filmversion "Der Reise nach Jerusalem" zu sehen, Wahnsinn. Genau diese Art von Umsetzung ist es, was aus Knock Knock, den Kinderquatsch mit Michael in dem Fall Kevin macht.


    Die meiste Zeit des Films blickt man auf das mürrische Face von Reeves, der aus seiner gefesselten Position heraus, meist Hasstiraden auf die Girlies feuert. Von da ab beginnt Rot nun wirklich rücksichtslos den Zuseher zu terrorisieren, indem er Reeves zu einer Karikatur von sich selbst werden lässt. Kaum zu ertragende lange Einstellung, in der Reeves nur mit seiner Mimik arbeiten muss, schreit, brüllt und faucht. Hände und Körper gefesselt. Wer will so was sehen? Wer will Reeves minutenlangen Monologen beiwohnen, wo nichts anderes passiert? John Wick Regisseur David Leitch hat alle Vorzüge von Reeves in seinem Actioner von 2015 zum Glänzen gebracht, keine langen Dialoge, Actionhaltige Kost, schweigsamer Assassine. Fertig! Dachte Roth Reeves wäre ein Charakterkopf, der den Zuschauer dadurch fasziniert das er so tolle Monologe halten kann?


    Die Essenz eines Haus Terror Films besteht meist aus einem Spannungsbogen, der immer weiter anschwillt und einer bedrohlichen Grundatmosphäre. Bei Knock Knock weiß man zeitweise nicht so recht ob man in einem Ableger der American Pie Reihe gelandet ist oder einer Folge Switch Reloaded beiwohnt. Ja manchmal fühlt man sich als Zuseher echt betrogen. Für dumm verkauft. Dieses Gefühl kommt immer dann auf wenn die handelnden Personen mal wieder dämlich agieren oder man den 48. Logikfehler entdeckt. Beispielsweise Reeves beim Fluchtversuch als er über ein Cat Car stolpert, sein Messer verliert und solange am Boden liegen bleibt bis in seine Häscher wieder stellen können. Oder als Reeves die Chance bekommt im Rahmen eines Todesspiels, sich in wohl gemerkt seinem eigenen Haus zu verstecken und er als Place to be den Boden unter einem Tisch in der Küche auserkoren hat. Das eigene Haus! Tausend Dinge die als Waffen dienen könnten, ganz zu schweigen das das Überraschungsmoment auf seiner Seite gewesen wäre. Tausend Möglichkeiten und das Drehbuch verdammt ihn dazu, stümperhaft zu handeln.


    Ein bisschen Gesellschaftskritik übt Roth dann doch irgendwie, als er durch seine Terrorbräute ausrichten lasst, dass es nicht schlau sei alles von sich auf Facebook Preis zu geben. Und auch am Dasein des Mannes wird ein bisschen der gemäkelt es wird sogar ganz arg geschimpft über diese triebgesteuerten Monster. Aber egal wie man es dreht und wendet, je länger man schaut, desto mehr wünscht man sich doch das baldige Ableben des untreuen Ehemannes. Nicht um des Blutes willen oder gar der erhofften Expliziten Szenen, nein damit der Kinderquatsch ein Ende hat. Am Ende wird es jedem Zuseher egal sein was aus ihm wird. Einfach egal. Zu keiner Zeit gibt einem der Film die Chance irgendjemand zu mögen oder Mitgefühl zu entwickeln. Es ist einem einfach egal. Egal Egal.


    Sind ein und halb Stunden feinsten Hirnterror überstanden und man anfängt sich Gedanken zu machen über die Zutaten des Films wird man sogar noch viel wütender. Ja das war wirklich ein Elie Roth Film. Der Typ der einen der härtesten Terrorfilme der Neuzeit geboren hat. Es war wirklich der Typ, der von Quentin geadelt wurde. Der Typ, der der Bärenjude war und einem SS Schergen das Hirn zermanschte. Was hätte aus Knock Knock werden können? Für mich geht das sogar soweit das er seine Identität verraten hat. Wie kam es dazu? Wie kommt er dazu einen Film zu drehen der abwechselnd langweilt und aufregt. Einen Film zu drehen den selbst Bieber Fans und Bushido Jünger ablehnen würden, die sind ja bekanntermaßen hochgradig schmerzfrei dank der Musik ihrer Idole?


    Den größten Frevel begeht Eli Roth aber am Schluss als er zu den Klängen von Where is my Mind, Knock Knock ausklingen lässt. Ich schreibe bewusst nicht welcher Film für immer mit diesem Lied in Verbindung steht, verschmolzen mit ihm ist. Denn Knock Knock soll niemals mit eben jenem Meisterwerk zusammen auf Papier oder im gleichen Text stehen. Eli Roth klopft klopft an die Tür der C- Movie Hölle,Nic Cage macht im gerne auf um mit ihn und Dolph Lundgren den nächsten Film zu planen. Bitte nicht. Eli erinnere dich an deine Wurzeln und dreh wieder geile Gore Scheisse und lass das mit dem Kinderquatsch mit Michael.

    0,25/10

    Leonardo DiCaprio im symbolischen Clinch mit Hollywood. Im Kampf um Anerkenung und den verdammten Goldjungen...

    Alejandro G. Inarittu´s ( Birdman ) bemerkenswerteste Szene in The Revenant ist wohl Hugh Glasses ( Leonardo DiCaprio ) wilden Todeskampf mit einem gereizten Braunbären. Nicht weil diese brachiale Szene einem den Atem raubt und man niemals auf die Idee kommen könnte, dieser Kampf wäre nicht echt. Nein, die Szene spiegelt so in etwa den unermüdlichen Kampf wieder, den DiCaprio seit Jahren bestreitet. In The Revenant ist es der wilde Braunbär, dem er die Stirn bietet, in der Traumfabrik sind es die ignoranten Greise, die ihm den höchsten Preis verwehren- seit Jahren. An Bitterkeit und Tragik steht das echte Leben der Kunst in nichts nach. DiCaprio wurde weder für die Darstellung des Jordan Belfort in The Wolf of Wall Street ausgezeichnet noch für seine Rolle in Tarantinos Django Unchained als süffisant, schleimiger Plantagenbesitzer oder in Martin Scorseses Departed. Die Liste ist groß und der Bär ist es auch.

    Doch egal wie widrig die Umstände in der Traumfabrik sein mögen, genau wie im Film kämpft und rackert er für alles unermüdlich. Vielleicht wird der im Untertitel lautende Name bald ein Running Gag wenn er gewinnen sollte und als "Rückkehrer" aufs Podium marschiert. Mit Superlativen ist es immer so eine Sache, wenn Wörter fallen wie, "überragend", "großartig" oder "beste Performance" denn schlussendlich sind es nur Adjektive, die etwas beschreiben sollen, das man sieht. Und so kann kein Superlativ auch nur annähernd beschreiben was man auf der Leinwand zu sehen bekommt. Der Kampf mit dem Bär. Der Kampf mit Hollywood. Inarritu schafft es den Kampf Mann gegen Hollywood oder Bären, egal wie man es sehen will, so zu zeigen dass er eben alles zeigt. Klingt verwirrend aber in den meisten Filmen in denen Bären, Krokodile oder anderes Getier auf den Menschen treffen ist es vor allem das, was man nicht sieht, was den Effekt ausmacht. Man denke nur an "Jaws" oder "Anaconda", hier wird so wenig wie möglich vom Tier gezeigt um eine möglichst reale Bedrohung zu schaffen. Tricktechnisch auch der Zeit geschuldet in der er spielt. In The Revenant ist es anders als bei all diesen Streifen, hier ist das was man sieht, atemberaubend. Ein bis aufs Blut aggressiver Braunbär, der sich entschlossen hat sein Opfer zu zerrupfen. Man ist unmittelbar Zeuge wie DiCaprio ums Überleben kämpft. Keine großen Schnitte, keine wilden Kamera Schwenks. Vor unseren Augen wird ein CGI Bär real. Er wird lebendig. Wahrhaftig ein Szenenbild für die Ewigkeit.

    Gegen den Strom


    Der neuen Kamera Ästhetik zum Trotz und das seit langer Zeit kann man guten Herzens sich auf Kamera Zauberer Emmanuel Lubezki verlassen. Der es gar nicht nötig hat auf den Zug der Schnittvergewaltiger Hollywoods auf zu springen. In der ersten langen Einstellung wird deutlich wie The Revenant über den gesamten Film vorhat vor zu gehen. In unaufgeregten Bilden das Geschehen begleiten. Nie hat man das Gefühl eine Choreographie zu sehen sondern mitten drin zu sein im echten Leben zu dieser Zeit. Wenn am Ufer des Flusses die Hölle losbricht die Gruppe der Trapper um Glass von Arikaree aufgerieben wird und das Geschehen unübersichtlich zu werden droht, behält der Zuschauer stets die Übersicht. Drohnenartig frei von allem schwebt die Kamera und führt durchs wilde Treiben. Angekommen und gerettet auf dem Bott beginnt jedoch erst die wahre Odyssee für die Gruppe der Trapper und sie lernen ein noch größeren Mistkerl kennen als den Mensch. Die Natur.


    Und wenn das nicht genug wäre, bekommt DiCaprio einen nicht weniger talentierten Schauspieler zu Seite gestellt, der ihm alles nimmt. Tom "Bane" Hardy, wird zu DiCaprios Joker. Als Hardy dessen Sohn das Leben aushaucht und ihn selbst lebendig begräbt beginnt der Tanz. Begraben verlassen und blutend in der Ödnis, der Wildnis.


    Leonardo dabei zu zusehen wie er sich wieder zurück ans Licht zu kämpfen muss, kotzend, spuckend, fauchend und Dreck fressend ist schon ganz ganz großes Acting. Wobei, Acting hier nicht das richtige Wort ist, wenn man die Interviews vergangener Tage verfolgt hat. In denen DiCaprio die unwirklichen Bedingungen des Sets und die Kälte als größten Feind beschreibt. Teile der Crew seien an die Grenze der Belastbarkeit gestoßen und verliesen das Set. Inarritu ist in dieser Hinsicht brutal und fanatisch. Um alles aus seinem Team zu pressen verlangte er ihnen nicht nur schauspielerisch alles ab sondern auch körperlich, durch die unbarhertzige Natur Canadas im Winter. So wird The Revenant für DiCaprio seine ganz persönliche Reise ins Herz der Finsternis. So wie es Martin Sheen einst erlebte als er Cl. Kuntz ( Marlon Brando ) in den Dschungel folgte. Was dabei herauskam war ein Monster an Film. The Revenant ist ein Monster unserer Zeit, indem DiCaprio einen weiteren Anlauf nimmt und dabei von einem Regisseur geführt wird, der ganz anders ist als Hollywood typisch. Zwei getriebene ihrer Kunst, zwei Geister, die an Charakteren interessiert sind. Kein Kratzen an der Oberfläche, Inarritu ist ganz nah bei seinen Figuren. Ganz nah am Schmerz, ganz nah am Gefühl. Stets darum bemüht in die Abgründe menschlicher Seelen hinab zu steigen, darin zu wühlen und das innere nach außen zu kehren. Für all das hat er seinen Schauspieler gefunden, der diese Magie im Kino sichtbar, erfahrbar für den Zuseher machen kann. Schmerz, Leid, Trauer, alles starke Gefühle, die hier nicht nur Worte sind sondern spitzige Pfeile mit denen Inarritu auf uns schießt, trifft und in der Wunde bohrt.


    Der nackte Körper als Sprache


    All das Lob, die Verneigung des Kritikers, das bisher geschriebene kann den Film auch in einem anderen Licht erstrahlen lassen. Nimmt man einmal dem Maßstab, dass ein Schauspieler auch möglichst viele Dialoge haben sollte in denen er sein Talent zeigen kann, wird es hier schwierig. Di Caprio bekommt im gesamten Film nur sehr wenig Gelegenheit etwas zu sagen, entweder ist es Gestammel, da er vor Schmerzen atmen kann oder er liegt des Öfteren geschwächt am Boden. Das der Dialog nicht unbedingt das entscheidende Kriterium ist welches eine herausragende Leistung kennzeichnet, zeigt uns DiCaprio hier. Denn Schauspiel ist auch Ausdruck von Mimik ohne das dabei eine Silbe die Lippen verlässt und natürlich das eins werden mit der Figur. Eins geworden ist er mit ihr. Und er benötigt eben nicht hundert Dialogzeilen um zu zeigen was am wichtigsten ist. Um zu zeigen was seine Figur fühlt und spürt. Was sie antreibt und wie schmerzhaft der Weg bis zur Erlösung ist. Wenn es sie überhaupt gibt in Bezug auf Rache. Was ist Rache? Warum handeln Menschen wie sie handeln? Was unterscheidet Glass von John Fitzgerald ( Tom Hardy )? Inarritu hat kein Interesse daran große Fragen zu stellen, so bleibt die Frage ob Rache Befriedigung verleiht oder ob sie alle in die Finsternis treibt, unbeantwortet. So ist der Gesichtsausdruck am Ende des Films von DiCaprio auch zu deuten, er weiß es einfach nicht. Die Kritik die man durchaus anbringen könnte an der Kolonialisierung der Indianer bleibt auch aus. The Revenant bleibt hier minimalistisch ganz bei seinem Rache Thema. Leider ohne dabei nach rechts und links zu schauen. Oder gar die Frage nach dem Sinn zu stellen. Einen leichten wenn auch kleinen Esoterischen Kontext, webt Inarritu dennoch in seine Geschichte ein und erklärt das Rache Thema am Ende in etwa so: "Die Rache liegt in den Händen des Schöpfers.." Was so aber weniger befriedigend ist das es eigentlich für den Film nichtssagend ist und erst recht nicht die offenen Fragen löst.


    Begleitet oder noch besser gesagt zur richtigen Zeit auch gepeitscht wird The Revenant durch den minimalistischen Score von Bryce Dessner dem meist nur eine Abfolge einer Tonale genügt um den Nerv der Situation zu treffen. Niemals aufdringlich aber dennoch immer präsent und dem Film schmeichelnd. Ob Inarittu und sein Survival Experte den Goldjungen dieses mal holen weiß niemand. Aber DiCaprio wird nicht müde werden mit dem Bären zu ringen sollte er nicht obsiegen. Zurückkommen wird er immer wieder um sich ihm erneut zu stellen. Die einzige Frage wird sein was der Oscar aus ihm machen wird sollte er ihn tatsächlich gewinnen...Jeder Held braucht seine Antagonist. Batman hat seinen Joker, Leo hatte seinen Bären, wird er ihm genommen.....

    Here comes the Pain. Jake Gyllenhaal ( Nightcrawler ) erlebt den Rock Bottom seines Lebens und macht für den Zuschauer die Reise in den Abgrund erfahrbar, fühlbar, schmerzhaft. Southpaw entfaltet über die gesamte Länge des Films eine zerstörerische Kraft, die sich im titelgebenden Southpaw Billy Hope bündelt, die ihn brutal zu Boden gehen lässt, die ihn gegen den Dämon in sich selbst kämpfen lässt. Die ihn bis an die Grenzen, die Höllenpforten des Schmerzes bringt. Die ihn in den Abgrund blicken lässt und ihn beinahe verschlingt. Wenn man bei Stallones Rocky mitfiebert, dann leidet man in Southpaw. Erleidet Cuts und dankt Antoine Fuqua auf Knien für diese Stück Schmerz in Form von Southpaw den er uns verpasst

    Innere Wunden

    Im Laufe von Southpaw ( engl. für Rechtsauslage, Linksauslage ist die Normalauslage ) nimmt Billy Hope ( Jake Gyllenhaal ) nicht nur sichtbar Schaden an Gesicht und Körper sondern auch im Inneren. Und diese Wunden heilen nicht, denn sie sind nicht wieder gut zu machen. Die Inneren Wunden sind in jeder Sekunde sichtbar nach außen getragen durch Jake Gyllenhaals Schauspiel, der hier den Kampf seines Lebens kämpft. Als würde er um sein Leben spielen, boxen. Wo die Schauspielkunst eines Sylvester Stallone in Rocky an seine Grenzen stößt, fängt der Kampf für Gyllenhaal erst an. Runde für Runde, Spielminute für Spielminute eine alles zerstörende Performance. Der zu Fleisch und Blut gewordene Alptraum für alles bisher Dagewesene.


    Freilich das Grundgerüst des Films ist schon im Trailer abgesteckt und folgt so ziemlich genau der Rise and Fall Thematik. Der Weg jedoch der hier bestritten wird wandelt auf neuen Pfaden und stellt alles da gewesene, die sich der Thematik annahm in den Schatten. Dramaturgisch wie visuell gelang hier Training Day Regisseur Antoine Fuqua ein beeindruckendes so wie lange nachhallendes Werk. Als wäre er ein Boxer, der uns Zuschauer, wie einen Gegner durch den Ring scheucht, uns immer wieder Tiefschläge mit Bildern versetzt nur um ums dann den Finalen Punsch in der letzten Einstellung des Films zu verpassen. Fuquas Waffen sind seine, ins Gedächtnis grabende Bilder mit denen er uns bombardiert. Dabei präsentiert er sich im Stile eines Mohammed Ali facettenreich und agil. Es sind nicht nur die Fights, sondern die leisen Zwischentöne, die Szenen in denen wir zusammen mit Billy Schmerz erfahren, in denen wir durch die Höhle gehen und aus der wir wieder entsteigen, was Southpaw zum Champs des Genres macht.


    Gyllenhaals Kampf des Lebens


    Warum es Sinn macht in einem Box Film keine echten Boxer oder Muskelberg zu casten, beweist Gyllenhaal eindrucksvoll. Denkt man nur an Max Schmeling ( Uwe Boll ) in dem sich die DDR Schlaftablette und ZDF Experte Henry Maske von Szene zu Szene stümpert. Oder an den zwar kultigen aber hölzernen Ivan Drago. Der zwar für immer in Erinnerung bleiben wird, genauso wie Philadelphias Lieblingssohn aber eben nicht wegen des Schauspiels sondern aus anderen Gründen. Rocky wird nicht deswegen gefeiert, weil hier herausragend geschauspielert wurde. Rocky wird gefeiert weil man gerne Stallone im Trainingsmode sieht und die wiederkehrenden Charaktere mit ihren ganz eigenen Schrullen. Diese Möglichkeit hat Southpaw nicht, sich über viele Teile sein Publikum aufzubauen. Southpaw hat nur diese eine Chance, diesen einen knallharten Kampf an den Kinokassen an den Geräten daheim. Und diesen Kampf entscheidet Southpaw für sich. Welche Energie und Dramatik aus einem Box Film entstehen kann und ich meinen damit nicht wenn man Billy im Ring sieht, zeigt uns Fuqua. Als ob es um sein Leben ginge, kämpft, boxt, spuckt, spielt hier Gyllenhaal Szene für Szene.


    Fast wäre es aber nie zu dieser aßsergewöhnlichen Combo gekommen, denn ursprünglich wäre Eminem für die Rolle des Billy Hope vorgesehen gewesen. Zum Glück kam es anders und er steuerte lediglich den soliden Soundtrack bei, der auch im Trainingsmode zu hören ist. Man will es sich gar nicht ausmalen was aus Southpaw geworden wäre. Für Gyllenhaal war es nach dem überragenden Nightcrawler gleich der zweite Film in Folge für den er sich auf extrem Weise vorbereiten musste. Für Nightcrawler extrem abgemagert musste er für Southpaw extrem an Muskelmasse zulegen, am Tag bis zu 2.000 Liegestütze und Läufe von bis zu 8 km absolvieren. Methode Acting at his best. Nicht nur deswegen gehört er zu Hollywoods Top Actern der letzten Zeit. Einen Charakter zu Leben zu erwecken, glaubhaft und mit jeder Phaser, dem Zuschauer die Grenzen von Fiktion und Realität verschwimmen lasen, können auf diesem Niveau nur ganz ganz wenige. Denkt man an DiCaprio, Waltz oder McConaughey ist man auf der richtigen Spur oder der richtigen Sprosse des Olymps. Gyllenhaal spielt den abgehalfterten Boxer nicht nur, er lebt ihn.

    Kamera Deluxe

    Natürlich steht der Schauspielkunst aller Beteiligten, die Kameraarbeit in nichts nach. Und das ist in der heutigen Zeit, man denke nur an Filme, die 25 Schnitte in 10 Sekunden haben, etwas Besonderes. Wenn die Vielzahl aller neueren Actionfilme meint, dass man mit wilden, hektischen Schnitten, Action generiert und dem Zuschauer Tempo vorgaukelt dadurch, so geht Southpaw einen ganz eigenen Weg. Wenn im finalen Fight der Kampf nicht durch eine wilde, chaotische Kamera dominiert wird sondern von den Boxern selbst, so ist das eine Wohltat für das von schlechten Filmen geschändete Auge. Hier wird uns wie bei einem HBO PPV im Fernsehen, das Geschehen eingefangen. Die Choreographie der Fighter und das Treiben im Ring reichen vollstens aus um den Zuschauer zu fesseln. Es ist die bewusste und überragende Entscheidung darauf zu verzichten den Film mit künstlichen Mitteln vermeintlich schneller zu machen. Der Kampf spricht für sich, die Kamera schmeichelt den Kämpfern nur. Bravo! In der heutigen Zeit von Taken 3, Transformers oder auch den Expendables bekommt man nur noch selten echte Handwerkskunst hinter der Kamera geboten. Michael Hasbro Bay hat da in den letzten Jahren ganze Arbeit geleistet, als er dem Zuschauer weiß machen wollte, das schnelle Schnitte sexy wären.


    Natürlich darf man wenn man über Southpaw redet den hervorragenden Forest Whitaker nicht vergessen, der hier mal ganz unaufgeregt den Mickey bzw. Mentor geben darf. Southpaw ist sogar der einzige Film, der sich etwas einfallen lässt wie Whitakers Auge im Film eingebunden werden kann, plausibel. Southpaw fühlt sich über den gesamten Film an wie ein 12 Runden Fight. Einen Fight den man spürt und der auch schmerzt, nicht selten erwischt man sich dabei, wenn einem die bewegenden Szenen wie Jabs ins Gesicht fliegen, wie man schlucken muss. Southpaw prügelt so lange mit Bildern, Szenen auf einen ein bis zum letzten Gong. Danach fühlt man sich wie Gyllenhaal, zerstört, aber erlöst.

    Wohl dem, der gerade ne Naturkatastrophe zur Hand hat...

    Tod, Zerstörung, berstendes Glas, umhertreibende Körper. Im Green Screen San Andreas ist die Hölle los, doch einer hat ganz andere Probleme. Die Ehe am Arsch und das Kind inmitten der totbringenden Trümmer verschollen. The Rock wandelt in Brad Peytons ( Die Reise zur geheimnisvollen Insel ) San Andreas auf ausgetrampelten Pfaden, welche dem Genre eigen sind. Weder rechts noch links, der Weg ist vorgegeben. Mit all seinen vorhersehbaren Charakteren und Handlungen. Sowas wie Spaß kommt aber dennoch auf, wenn man San Andreas innerhalb seines Genres mit ähnlichen Werken vergleicht, alles andere wäre absurd. San Andreas ist so weit davon entfernt clever zu sein, wie The Rock davon echte Emotionen spielen zu können. Charsima, ja aber außerhalb des Rings bedarf es ein wenig mehr als den Peoples Elbow um das Publikum zum Johlen zu bringen. Aber das soll er auch gar nicht, solange er gut gelaunt, Level mäßig von Mission zu Mission hetzt und dabei niemals schwitzt, ist alles gut.

    Mission One


    Gebrochene Helden, die ein Geheimnis in sich tragen und dennoch dem Leben die Stirn bieten kommen immer gut an. Jedenfalls in der vom Film angepeilten Altersklasse funktionierts. Dabei ist diese Gebrochenheit nur eine weitere Mission in San Andreas für unseren Helikopter Piloten The Rock, die er im Zwei Stündigen Blockbuster lösen muss. Mission eins lässt uns gleich zu Beginn Zeuge werden vom Können des Rock, der abgewichst wie ein Lederschuh von Siegmar Gabriel, erstmal eine in Not geraten Dirne rettet. The Rocks größte und heikelste Mission, innerhalb von San Andreas ist es aber, seine Frau zurück zu erobern, die er unlängst verloren hatte. Überragend ist dabei die Tatsache für wen, für welche laufende Karikatur, The Rock verlassen wurde. Und welches Licht das eigentlich auf seine Ex Frau wirft. Der neue Muskel an der Seite seiner ehemaligen Gespielin ist ein Millionenschwerer Architekt, der mal so dermaßen das Gegenteil von The Rock darstellt, wie die Mundwinkel von Angie zu Jokers Lachen. Was waren wohl die Anreize für The Rocks Ex? Der Charakter? Einmal will ich in einem Film sehen, dass der Held nicht wegen einem Typ verlassen wurde der Geld wie Dagoberts Bruder besitzt und in einer Traumvilla wohnt.
    Warum müssen diese Typen stets, reich, gut aussehend und mit einem Charakter wie Gina Lisa gesegnet sein? Ja schon klar, sonst wäre der unvermeidliche Charakter Test nicht nachvollziehbar. Denn wie sich später, Überraschung, rausstellt ist der neue ein Feigling und überlässt im Laufe des Films, The Rocks Tochter den Fluten und dem lieben Gott. Gibt es da draußen keine Normalos, die sich dann hinterher als Charakterlich schwach herausstellen. Den gutherzigen Typen mit McGyver Gedächtis Spoiler, den kernigen mittellosen Magnum Typen oder den Durchschnitts RTL Glotzer? Ist dieses Kriterium nur den reichen vorbehalten? Seis drum, das nur am Rande.


    Der Fels und die Welle


    Im Verlauf wird man noch auf weitere derartige Dinge stoßen, die man einfach schweigend hinnehmen muss um den Film genießen zu können. Und das gelingt dann auch gut. Vielleicht ist dies aber auch eine Mission in der Mission für den Zuschauer, die Brad Peyton extra eingebaut hat. Wer erkennt als erstes ein typisches Klischeeelement und kann es erraten? 2012 oder Twister-erfahrenen Zusehern wird das leicht gelingen. Beispiel, manche Charaktere werden nur deshalb kurz eingeführt, in einer Herz zerreißenden Szene, um später beim Zuschauer mehr Mitgefühl zu erzeugen, wenn diese in den Fluten ihr Leben lassen. Aber das sind nur eine kleine Wellen die uns seitlich trifft, konzentrieren wir uns lieber auf die Große, auf die Monster Welle...
    CGI technische lässt San Andreas definitiv keine geschlossenen Münder im Kinosaal zurück. Die Zerstörung, die massive Kraft hinter den Wellen und Erdbeben, rocken die Leinwand oder wenn man so will den heimischen Flimmerkasten. Brücken knicken so leicht ein wie Merkel vor Obama und auch diverse Wolkenkratzer machen imposant den Diener. Und alles sieht schick aus. An imposanter Zerstörung mangelt es garantiert nicht und so muss es auch sein. Besonders elegant, zu erwähnen als sich unser Glatzen tragender Muskelberg mit einem Motorboot, auf die Spitze der Monsterwelle schlängelt, die im Anschluss gigantisch eine ganze Stadt unter sich begräbt. Super super super, wie der Josep sagen würde.


    Die Mahner, Sammer und Co.


    Wenn man so will, dann ist das eine der schwersten Missionen, die The Rock zu bewältigen hat im Film. Gas geben, durchalten, und aufpassen um nicht von einem Tonnen schweren Container erschlagen zu werden, die wie wilder Platzregen auf die Welle niederprasseln. Falls ein Spiel zum Film erscheinen wird, es nur halbwegs so gut umgesetzt wird wie die originalen Szenen im Film, könnte etwas sehr lässiges entstehen.
    Im gesamten Film und das ist bemerkenswert bei einer Naturkatastrophe diesen Ausmaßes, sieht man nur wenige bis gar keine Menschen im Focus der Kamera. Man sieht sie immer mal wieder wie Statisten umherstehen, von Wolkenkratzern stürzen oder kreischend durch die Gegend laufen aber so wirklich ein Gesicht formt sich nie vor dem geistigen Auge des Zusehers. Belanglos. So wirklich interessant für die Kamera scheint nur die Geschichte um The Roks Ehe zu sein, der wohl als einziger im gesamten Film dankbar sein dürfte über die unheilvolle Katastrophe. Denn ohne sie wäre einiges anders. Seine Frau wäre immer noch glücklich mit dem laufenden Geldbeutel zusammen. Glücklich deswegen weil sie wahrscheinlich nie erfahren würde, wie er in so einer Situation handeln würde. Die Tochter ebenfalls nicht, sie wurde entspannt und lasziv am Haus eigenen Pool dümpeln und sich weiter ihres Lebens freuen. Einzig The Rock würde weiter Helikopter Schichten fliegen ohne die Gelegenheit zu haben sich als strahlender Held für seine Frau zu präsentieren. So gesehen kommt die Katastrophe gerade recht für unseren Lieblings Samoaner. Hier versetzt die Liebe nicht Berge, sondern die Berge versetzen die Liebe zugunsten des Rock.
    Zurück zur Kamera, bis auf eine weitere Gruppe, die um den obligatorischen Professor (Paul Giamati), der natürlich auch nicht fehlen darf. In Katastrophenfilmen gibt es immer einen Mahner, ähnlich beim FC Bayern, Matze Sammer, der Mahner, nur ohne nachweisbaren Doktortitel. Independecne Day hatte seinen Jeff, 2012 hatte ihn, der gute Pierce in Twister hatte es gewusst und sogar in Noah wird gemahnt. Immer da wo viele Menschen sterben gibts einen Mahner.
    Was allen Mahnern inne wohnt ist ihre Ohnmacht, die Katastrophe nicht verhindern zu können, anders der Matze, der bis dato größeres Unglück verhindert hat. Aber wer will schon den Matze in einem Blockbuster sehen? Die tägliche Dosis Sky reicht.
    Wenn hier der Erklärbär am Werk war beim rezensieren dann nur, um das Thema auf eben jenen zu lenken, denn das ist wirklich ein nervender Stachel in der Haut, der den gesamten über Film juckt. Der auch bis zum Schluss nicht entfernt werden kann. Im Film wird alles Haar klein erklärt. Selbst Dinge, die keiner Erklärung Bedarfen, werden nochmal für den letzten RTL II Schauer schnellst möglich erklärt. Nervig, nervig, nervig.


    Die Sache mit den Details


    Mit San Andreas verhält es sich in etwa so. Man wird auf eine Party eingeladen, genehmigt sich ein paar Drinks und dann noch weitere. Dann noch einen um in gute Stimmung zu kommen, was auch funktioniert. In der Euphorie der guten Party, der lässigen Musik und den tollen Schirmchendrinks bandelt man mit einer Frau an. Die Frau gefällt und den Rest ersparen wir uns mal. Entscheidend ist der Morgen danach wenn die Sinne geschärft sind, die Details erkennbar. Im Allgemeinen sah die Gespielen auf der Party super super aus und das blieb auch den ganzen Abend und die ganze Nacht so. Solange man den Blick nicht auf die Details legt sich von der Euphorie und guten Stimmung anstecken lässt, bleibt alles gut. Wehe die Details gewinnen die Überhand und der Blick verändert sich. So verhält es sich auch mit San Andreas. Den Blick auf das Große und Ganze gerichtet, wird man die volle Zeit über unterhalten. Probleme wird derjenige haben, der die Details nicht ausblenden kann. Erstens wird er wenig Spaß auf besagter Party haben noch wird er sie genießen können.

    Sir Edmund Hillarys Augen


    Was Edmund Hillary 1953 ehrfürchtig erblickte, als er den höchsten Berg der Erde bestieg und von ihm hinunter sah, bleibt dem Zuschauer verborgen. Genau wie das Gefühl, dass ihn überkommen haben muss am Fuße des Everest als er zu ihm hinauf sah. Durch seine Augen konnte freilich nur er sehen, doch wie es ausgesehen haben muss dort oben hätte kein Geheimnis bleiben müssen. Es bleibt aber eins, denn Regisseur (Baltasar Kormakur) gelingt es nur in den seltensten Fällen den Zuschauer mit zu nehmen auf das Dach der Welt. Meist bleibt die Kamera nah auf den Gesichtern seiner Bergkraxler, nur selten kann man durch ihre Augen sehen und sehen was sie sehen. Schade denn es hätte viel zu sehen gegeben dort oben wo jeder Schritt der schwerste ist.


    Das Eis schmilzt, aber nur auf der Oberfläche


    Kormakur verpasst es, seinem Bergsteigerausflug, denn mehr ist es auch nicht, die richtige Ausrüstung bis hinauf auf den Gipfel mit zu geben. Everest ist weder anprangernd, noch tut er weh, noch kann er das Eis an der Oberfläche seiner vielen Charaktere freilegen. Und sie bleiben weiß Everest ohne jeden Farbklecks, Die Nacherzählung realer Ereignisse, die sich 1996 am Mount Everest ereignet haben, bei denen 8 Menschen ihr Leben am Berg ließen, angeführt von Rob Hall (Jason Clarke) und Scott Fischer (Jake Gyllenhaal). Wäre der ideale Ort um den Tourismus auf dem Berg anzuprangern. Stattdessen bleibt dieser beklagenswerte Umstand, wodurch jährlich eine Handvoll Amateure ihr Leben verlieren, nur eine kurze Randnotiz im fertigen Film. Niemand hält dabei anklagend den Finger in die Wunde. Niemand bezieht Stellung oder stellt die Frage nach dem Sinn oder der Situation. Alles was unangenehm ist bleibt Ausgeklammert . Die Gelegenheit verstreicht kommentarlos.


    Eisig wird´s nicht nur am Basislager sondern auch wenn es um Figurenentwicklung und deren Darstellung geht. Was unter der Eisschicht liegt interessiert den Regisseur nicht, dabei wäre dies unabdingbar um Mitgefühl zu entwickeln für seine Figuren. Richtig unsympathisch wirken sie aber auch nicht oder hassenswert. Sie wirken fast wie Omega Wesen. Glatgeschliffen, weder das eine noch das andere. Dabei bieten die Charaktere, wenn man sie enteisen würde so viel Tiefe, die man nur herausarbeiten muss. In Szenen wie dem gemeinsamen Speiß und Trank im gemütlichen Basiszelt, als der mitgereiste Journalist Krakauer (Michael Kelly) die ultimative essentielle Frage stellt verschenkt man so viel. Krakauer will wissen, warum jeder einzelne im Raum, auf den Mount Everest wolle. Der für den Film notwendige Hillary Stepp, wird gnadenlos in den Sand gefahren und man erfährt nichts weiter als ein Zitat, dass auf Wikipedia in seiner Grundform schon Edmund Hillary von sich gab.


    „Man muss kein fantastischer Held sein, um bestimmte Dinge zu erreichen – um erfolgreich zu sein. Man kann ein normaler Kerl sein, der ausreichend motiviert ist, um schwierige Ziele zu meistern.“


    Was zur Grundausstattung jedes guten Weltraumfilms gehört und ein einfacher Kniff ist um die Figuren besser kennen zu lernen, ``Gemeinsam am Essenstisch´´ wird hier frostig und lieblos abgearbeitet. Die Motivation jedes einzelnen, die ja Zweifellos das sein musste, wird verhüllt und nicht weiter erwähnt.


    Kalte Körper und kalte Gefühle


    Erfahrbar sollte der höllische Trip auf den Mount Everest für den Zuschauer sein. Erfahrbar in dem Sinne, dass er ein Gefühl für die Höhe und die Unbedeutsamkeit des Menschen in der Natur entwickelt. Bergsteiger, die auf der Höhe einer 747 auf Berge klettern, müssen sich erstmal 2 Wochen an diese Höhe gewöhnen und eine gewisse Zeit akklimatisieren. Dem Zuschauer hätte dies auch gut getan indem er visuell beindruckende Bilder geliefert bekommen hätte doch leider beschränken sich die beindruckende Bilder, die zudem noch im wie dafür geschaffenen 3D gedreht wurden, auf eine einzige Szene. Als sich eine Lawine löst. Alle 3D Effekte werden am Anfang der Besteigung gezeigt, sehen schick aus aber zu weilen hat man im Finale des Films das Gefühl, man befände sich beim Hillary Stepp im Studio oder in einem geschlossenen Raum. Zu keiner Zeit schwabbt dem Zuschauer das Gefühl von Höhe oder der unabwendbaren Gefahr ins Gemüt. Als ob Regisseur Kormakur ein persönliches Problem mit den Reglern hätte. Immer wenn man das Gefühl hat, der Film könne einen packen ist es auch schon wieder vorüber, immer wenn Kormakur von den Schicksalen der wartenden Familien erzählt und man versucht sich in jene hinein zu fühlen wird abgeblendet und zur nächsten Szene weiter geeilt.


    Der Everest. Der Berg der Berge, Tour de Force. Superlativen werden einem zu ihm wohl nie ausgehen, aber wo ist der Schmerz im Film? Wo tut es beim Hinsehen weh? Wo kriegt man ein Gefühl dafür wie verrückt man sein muss um auf den höchsten Berg der Erde zu klettern? Everest ist gefühlt eher ein Sachbuch das beschreibt aber nicht fühlen lässt. Das nüchtern, Tag für Tag abarbeitet aber immer mit Sicherheitsabstand. Das nichts übertreibt oder das Gefahr läuft das Eis weißer zu machen als es ist. Dabei bietet doch gerade das Medium Film, die Möglichkeit den Zuschauer in eine Welt zu entführen, die die wenigstens mit den eigenen Augen jemals sehen werden. Dafür sind im Film so viele Charaktere vertreten durch deren Augen man einen fantastischen Blick gehabt hätte. Leider sieht man den Film über nur so gut wie mit den Augen des Schneeblinden Beck Weathers (Josh Brolin).


    Menschen die leise sterben..


    Am Anfang des Films werden wir gemeinsam mit der Bergsteiger Crew darauf hingewiesen, dass das eigentliche Problem am Bergsteigen nicht der Aufstieg sondern der Abstieg ist. Der Körper stirbt auf der gefährlichen Höhe von 8000 Metern, all das was hier angedeutet wird, was noch kommen soll sieht im Film dann meist so aus. Erschöpfte Körper- Unachtsamkeit beim Schlafen- Rutsch ins Nichts- Tod. Keine Musik, die einsetzt keine lange Trauer, wenn einer stirbt ist er einfach weg. Was sicherlich im wahren Leben auch so ist wirkt im Film einfach komisch und wieder seltsam nüchtern, wie in einem Sachbuch eben das nüchtern Dinge festhält und nicht wie aus einem Tagebuch eines entstellten Überlebenden, der wirklich dort war.

    David Ayer öffnet die Luken seines Sherman Panzers und lässt den ganzen Staub, Dreck und die Abgründigkeit des World War 2 ungefiltert und ohne Moral ins Wohnzimmer. Dabei wird wenig reflektiert aber es wird getan was getan werden muss. Regisseur Ayer legt in seinem Kriegsdrama viel Wert auf den technischen Aspekt und die Mechanik. So wie die Tonnen schwere Panzerkette ins Rädchen greifen muss, so müssen auch die Jungs im rollenden Stahlsarg präzise abgestimmte Rädchen im Uhrwerk von Wardaddy ( Brad Pitt ) sein um dem Gegner in Nazideutschland einzuheizen.

    Perfektes Timing

    Regisseur Ayer (Training Day, Sabotage) versucht erst gar nicht sich mit falschen Federn zu schmücken um etwas zu sein zu was er nicht ist. Fury ist genauso dreckig, staubig, roh, jenseits von Moral und so weit davon entfernt zwei Seiten der Medaille zeigen zu wollen wie Merkel davon frauliche Attribute zu besitzen. Und genau das tut dem Heimkino gut. Ayer serviert einen dreckigen Bastard. Weg vom Hochglanz Kriegsdrama, hin zum Ayer Style. Der Mittelfinger an alle sauberen Uniformen-Filmchen und Wackelkamera Filmemacher. Ayer bleibt seiner straighten Handschrift treu und platziert, wie in den meisten seiner anderen Werke ein starkes Alphamännchen in sein Gehege unmittelbar neben einen Grünschnabel, sowie ein stimmiges Assemble an interessanten Charakteren im übrigen Team. Wer an Training Day oder Sabotage denkt erkennt das Muster. Ayer schafft es sogar Shia LaBeouf nicht sucken zu lassen. Die Grünschnabel Etablierung neben der Big Balls Figur ist insofern für den Zuschauer wichtig um in den Film zu finden. Der Grünschnabel ist genau wie der Zuschauer vor allem erst mal eins, unwissend. Eine Identifikationsfigur die stets anfänglich Moralisch handelt aber durch den Mann mit den dicken Eiern, nach und nach in sein Wertesystem geführt wird.

    Im Grunde zeigt Fury auch keine besonders wichtige Schlacht im zweiten Weltkrieg sondern einen Ausschnitt daraus. Irgendwo in Nazi Deutschland. Irgendwann Ende 1945. Das Team um Wardaddy ( Brad Pitt ) Bible ( Shia LaBeouf ) Gordo ( Michael Pena ) Rattenarsch ( Jon Bernthal ) und Maschine ( Logan Lerman ) kämpft mit, oder auch ohne andere Panzerteams, meist im Inneren ihres rollenden Wittwenmachers gegen Adolfs Jünger. Dabei wird schnell die Liebe zum Timing von Ayer sichtbar. So ist die Vorrausetzung für einen erfolgreichen Schuss in des Gegners Pelz immer das perfekte Timing der Männer im Inneren. Präzise wie ein Uhrwerk indem ein Rädchen ins andere greift, muss alles aufeinander abgestimmt sein. Ayer wird nicht müde dies zu zelebrieren. Sieht gut aus, macht Laune beim Zusehen, zeigt zerplatzende Köpfe und hält die Spannung hoch. Gerade beim Mexican Standoff Duell mit dem deutlich besser gepanzerten Tiger der Nazis wird das perfekte Timing welches unbedingt von Nöten ist, grandios visualisiert.

    Überhaupt ist Ayer bestrebt darin in allen Lagen auf das Timing besonderen Wert zu legen. Ist in den meisten Fällen meisterhaft umgesetzt, wirkt aber leider in manchen Szenen zu offensichtlich und durchschaubar. So sterben in den vielen Fällen, Soldaten nur dann, wenn es auch vom Timing her passt. Nicht im Kugelhagel sondern, wenn noch genau die Worte gesagt wurden die gesagt werden müssen um einen schönen Heldentod zu gewährleisten. Timing ist auch hier Trumpf. Ihm sei es vergeben denn so stirbt sichs auch besser und emotionaler. Wird den meisten Guckern eh egal sein und Ayer auch. Dennoch bricht Ayer dieses Muster auch gekonnt auf und lässt gekonnt in manchen Abschnitten das interessante unerwartet geschehen.

    Frisur und Medaillen

    Witziger Weise kann man ohne den dafür nötigen Input, anhand des Kinoplakates nicht erkennen in welchem Jahrzehnt der Film spielt. Wird beim Sehen natürlich klar, aber worauf der Rezensent hinaus will ist die Frisur des Pitt. Auf dem Kinoplakat ist, so wie im fertigen Film es oft der Fall ist, nur Brad Pitt lümmelnt über dem Panzerrohr, mit der Aufschrift Fury, gebeugt zu sehen mit einer Frisur, die zwar vermutlich in die Zeit passt aber mittlerweile schon die Zeit eingeholt hat. Der Undercut. Und den vermutlich neunzig Prozent der männlichen Kinobesucher selbst auf dem Schädel spazieren tragen. Somit klärt nun Ayer nicht nur darüber auf, dass es keine neue coole Idee von irgendwelchen Hipstern oder Bushidos war, sondern der Undercut ein alter Hut ist und lässt gleichzeitig Pitt in deren Augen auch noch stylisch cool aussehen. Von Frisuren der deutschen in dieser Zeit wäre hier indem Fall abzuraten.

    Bei den vielen tollen tollen Momenten, die sich im Film verbergen und entdeckt werden wollen, sowie den grandiosen Schlachten mit umherfliegenden Geschossen oder den starken Bildern gibts leider auch die Kehrseite der Medaille. Die Kehrseite der Medaille ist das die Medaille keine hat. Ayer ist ganz nah an seinen Soldaten und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Pflicht nichts mit Moral zu hat. Friss oder stirb, töte oder werde getötet. Nach diesem Prinzip handelt das Alphamännchen Wardaddy und das predigt er auch vehement aus seiner Panzerkanzel heraus an seine Jünger. Punkt um. Wer hier erwartet einen SS Offizier ins Bild huschen zu sehen, der mehr als wortlose Graue Masse ist oder mehr als Gehirnbrei an der Wand, sollte sich daran gewöhnen, dass es hier Ayer auch gar nicht darum geht zwei Seiten darzustellen oder sich im Film darüber Gedanken zu machen. Die Grundpfeiler von Fury sind Timing, Pflicht und Mechanik. Mechanik nicht nur als besonderes Merkmal des Panzers sondern auch im Handeln der Soldaten. Alles ist nur noch Mechanik und man funktioniert irgendwann nur noch. Auf dem Pfad des Todes balancierend rechts und links flankiert von Moral und Überlebenstrieb. Als einzige Alternative bleibt der Tod und der ist endgültig.

    Ayers Malkasten

    American Sniper von Altmeister Clint Eastwood trieft vor Patriotismus und dem ekelhaften Fetisch, skrupellos amerikanische Flaggen aus jedem erdenklichen Winkel und zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit zu zeigen. Eastwoods Film stinkt gegen Ayers Fury aber fürchterlich ab. Beide zeigen nur eine Seite der Medaille, nur tut Ayer dies ohne zu langweilen. Zudem versucht Ayer erst gar nicht eine Seite beleuchten zu wollen. Eastwood schon und scheitert daran kläglich. Fury schwächelt nur gegen Ende ein wenig als dann doch noch der stolze Amerikaner in Wardaddy durchkommt und es etwas konfus wird. Dies wirkt sich dennoch nicht allzu negativ auf dem Gesamteindruck aus, bekommt man doch einen echten Endkampf zu sehen, der etwas an Leonidas erinnert.

    Ayer hat einen Malkasten, beim Abspann ist Grau leer, rot, blau und alle dunkeln Farben für den Dreck auch. Er benutzt eigentlich die ganze Palette an Farben in seinem Film. Nur nicht für die Moral oder der Sichtweise, die bleibt grau, streng aus der Sicht der Amerikaner. Alle anderen Farben verbraucht er für seine wunderbaren Bilder.

    50 Shades of Grey von Sam Taylor-Wood ist faszinierend, fesselnd und fühlt sich in etwa so an wie eine zum Film gewordene Folge aus der RTL II Exklusive die Reportage Reihe, die seit gefühlten 25 Jahren die deutschen Wohnzimmer langweilt.

    Faszinierend aufgrund der Tatsache, dass es der Film es in seiner ganzen Pracht von 125 langen langen Minuten schafft, in keiner einzigen Sekunde oder Bildfolge, Erotik zu zeigen die über das Niveau der RTL II Reihe hinausgeht. Die Perversion im eigentlichen Sinne ist in Taylor-Woods 50 Shades of Grey, nicht der Namen gebende Milliarden schwere Lustmolch mit der pikanten Vorliebe für Aktivitäten im Haus eigenen Spielzimmer sondern das es zu keiner Sekunde erotische Bilder zu sehen gibt. Nackte Körper eng umschlungen beim Liebesspiel zu beobachten, kann so langweilig sein. Alles was der Film ach so gern schon lange vorm Lösen der Kinokarte suggeriert und gerne sein möchte, spielt im fertigen Film keine Rolle. Das Fehlen von Erotik in einem, nennen wir es mal Erotik Thriller kann perverser nicht sein. Faszinierend wie eingangs erwähnt wirds aber erst richtig, wenn man sich fragen muss, was am Film denn das eigentliche skandalöse sein soll? Christian Grey fesselt gerne Frauen und hält sie auch gerne übers Wochenende als Sklavin in seinem riesigen Anwesen fest. Das neuste Dummchen welches er gerne verführen mag findet das anfangs ganz toll, nur um danach fest zu stellen das sich das Ganze nicht nur doof anhört sondern auch beschissen anfühlt. Wer jetzt nicht automatisch an RTL II denken muss der ist in 50 Shades of Grey gut aufgehoben und den wird Mister Grey wirklich faszinieren können oder um im Thema zu bleiben fesseln. Wenn im Verlauf des Films Mr. Grey von Bestrafung und Stöpseln spricht, kommt einem schnell der Gedanke das er nicht nur seine Slavin bestrafen möchte sondern jeden der doof genug war in den Film zu gehen und für Unverhältniss mässig viel Kohle eine Kinokarte zu lösen.

    Was 50 Shades of Grey wirklich gut macht ist, dass er es schafft, Frauen ins Kino zu locken. Denn was sagt er denn im Grunde durch den Mund des Christian Grey aus? Um seine dunklen Triebe ausleben zu können braucht er eine willige Sklavin, die zuvor vertraglich zu stimmen muss diverse Dinge zu tun, fürs Wochenende. In der Zeit von Montag bis Freitag will er keinen Kontakt, die Frau darf ihn nicht berühren und er sagt von sich selbst er sei kein Romantiker. Hat aber Unmengen an Kohle und macht ihr dadurch luxuriöse Geschenke. What da Fuck?! Wieso schaut man sich mit dem Wissen das man in den ersten Minuten des Film sammelt als Frau den Film überhaupt an? Sind diese Dinge nicht das, was jede Frau dazu bringt mit dem Kopf zu schütteln? Stattdessen, selbst erlebt, wird im Kino kräftig kindisch gekichert bei der kleinsten ´´schmutzigen´´ anstößigen Andeutung seitens Mr. Grey. Oder träumt sich manche Frau in die Rolle der A? Die sie aber niemals sein wird, denn Leute wie Grey gründen ihre Unternehmen eben auf den Schultern jener, die nicht ihres Gleichen sind, also der normalo Frau. Die große Liebe ist nicht das Kernthema des Films. Einzig und allein das Thema, reicher Bengel sucht willige Frau zum Lümmeln fürs Wochenende.

    Allein die Darstellung wie Anastacia, das Dummchen hat auch einen Namen bekommen damit es nicht ganz entmenschlicht wirkt, es dann doch vermeintlich schafft Christian etwas Romantik abzuringen, jedenfalls hält Anastacia es für Romantik, basiert immer wieder auf Geschenke oder kosten intensiven Dingen. Jedes Mal wenn Anstacia Zweifel hegt, traurig ist oder schlechte Laune hat kommt die Romantik ins Spiel, sprich ein neues Auto oder eine teure Erstauflage ihres Lieblings Schriftstellers. Danach wird der ewig gleiche Akt des Verlangens durchgeführt, denn ein anderes Wort würde diese Szenen nur noch aufwerten und das haben sie einfach nicht verdient. Insgesamt wird viermal gefesselt ehe Anastacia merkt das sie eigentlich nicht besseres als eine Eskortdame darstellt und anfängt zu rebellieren. Wäre die Einsicht, die dem Zuschauer schon lange bevor Anastacia es merkt ins Auge springt aber schon früher gekommen, wäre es nur ein normal lange Folge von RTL II geworden und keine Abend Füllende Langweile mit manchmal nackten Körpern, die sich nicht aus Paarungszwecken verbinden.

    Spannender sind da schon die Fragen, die man sich selbst stellen kann wenn man einmal den ganzen Film ertragen hat. Was wäre gewesen, wäre Mister Grey Harzer, also quasi nicht der Milliarden schwere Lustmolch sondern nur Christian, der von der Stütze lebt? Keine Dollar intensive Geschenke mehr um sein kostspieliges Verlangen zu befriedigen. Puff besuche wären wohl auch eher die Ausnahme. Escort Damen würden sein Budget bei weitem übersteigen es sei denn er würde ganz auf Essen und Trinken verzichten was sicherlich nicht lange gut gehen könnte. Oder die Frage warum 50 Shades of Grey harmloser, als der frühe Ingo Appelt im Quatsch Comedy Club wirkt, der lauthals das F Wort ins entsetzte Publikum brüllte? Wenn doch Mister Grey diese Gelüste verspürt, warum dann dies nicht auch richtig zeigen? Wie wäre der Film geworden wenn ihn keine Briten gedreht hätte, sondern der Dänen Lars? Allein schon die Tatsache das The Shit of Mr. Grey von einer Frau realisiert wurde, die mit so wenig Feingefühl für erotische Bilder ausgestattet ist wie Lukas Podolski mit Feingefühl für das gesprochen Wort, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Zumindest dem Marketing Chef von Audi muss das Konzept gefallen haben so viele Boliden wie hier ins Bild rollen. Interessant auch die Frage warum Mr. Grey Amerikaner ist? Wie wäre der Film mit einem deutschen Mr. Grau? Der aufmerksame Leser kennt die Antwort.

    Am Ende bleibt nur viel Lärm um einen Film, der zu keiner Zeit auch nur den Anflug von erotischen knistern, geschweige denn schöne Bilder zeigt, welche sich ja beim Thema anbieten würden.

    Warum man den Film schauen sollte erschließt sich hier dem Schreiber nicht. Selbst die Rolle des Grey ist dermaßen unsympathisch und mit einem Schauspieler besetzt worden, der es schafft genauso zu schauspielern wie er heißt. Die graue Maus um den Gedanken weiter zu spinnen. Da muss man meinem alten Freund und das ist schon schlimm genug wenn das aus dem Munde des Scheibers kommt, Michael Bay loben. Bay sagt im Grunde in jedem seiner Filme nichts anderes über Frauen wie 50 Shades fof Grey es tut aber er kann sie besser in Szene setzen und so wenigstens RTL II hinter sich lassen, was 50 Shades of Grey zu keiner Zeit kann.

    ``Alle sagen ständig das ich zurück sei! Langsam glaub ich, ich bin es...``

    Der Erstling von Chad Stahelski und David Leitch hat mehr mit Keanu Reeves Kariere zu tun als ihm bewusst sein konnte. So kann man den Satz den er im Angesicht seines Untergangs in die Fresse der Mafia rotzt gut auf sein Film schaffen ummünzen. John Wick ist die Rückkehr des Keanu Reeves. Schaut man in seine Diskographie so wird es einem auf einen Schlag bewusst, 16 Jahre nach Matrix und unzähligen Filmen die auf Dauer seinen Untergang prophezeit hätten liefert er mit John Wick wieder ab. Keanu Reeves ist John Wick. Wie im Film so auch übertragen auf sein Filmleben. Die Rückkehr eines Mannes der durch Filme wie 47 Ronin schwer an der Geduld der Fans gesenst hat und jetzt zurück ist.

    Uwe Bolls Spuren

    Mit John Wick ist den beiden Stuntdoubeln von Keanu Reeves aus seinen guten Zeiten von Matrix eine Videospielverfilmung gelungen für die es gar kein Videospiel gibt. Diese sollte es aber unbedingt geben. Jede Station, die der schwarze Mann durchläuft fühlt sich an wie eine Mission in einem Game. Ähnlich wie bei GTA wenn man im Namen skrupelloser Gewalt und Blutdurst Aufträge erledigt um im Spiel voran zu kommen. Vielleicht mussten erst zwei Männer aus den alten Tagen von Reeves in sein Leben treten um ihn weder Film technisch zu rehabilitieren. Hier ist es anders wie bei Boll der aus Videospielen Filme geschustert hatte, hier lässt sich aus dem Blut beflegten Material ein Game machen. Sogar ein ganzes Universum in einem Videospiel unterbringen das Potenzial ist mehr als vorhanden. In John Wick - The Game könnten so viele Nebengeschichten erzählt werden über interessante Charaktere, die im Film zu bewundern waren. Die losen Schnüre, verbunden könnten eingeflochten in ein John Wick Universum der Abräumer an der heimischen Playstation werden.

    Erzählt ist die Geschichte um John Wick in wenigen Rückblenden und Ereignissen in den ersten fünf Minuten. Die aber eigentlich auch nur darauf abzielen danach etwas Geiles zu entfachen. Die Rückkehr des Keanu. Dabei fügt sich jeder Satz den eine Person über den Charakter John Wick aka Reeves im Film verliert nahtlos in die Anfangsthese ein. Am prägnantesten in der Anfangs halben Stunde in der erstmal die Legende des John Wick durch die Münder seiner Feinde aufgebaut wird. Vor dem geistigen Auge wird hier nicht über John Wick geredet sondern über den Darsteller. Und dabei baut sich die Vorfreude auf das auf was noch vor einem liegt, so immens auf sodass die Laufzeit nie zur Last wird wie etwa im überhypten und laimen Interstellar sondern, das man danach lechzt noch etwas mehr Screen Time von John Wick zu erleben.

    Die drei K´s

    Das Universum von John Wick beinhaltet vor allem eins, die Dinge die Mann gerne sieht im Kino oder auf dem heimischen Plasma Gerät. Die drei K´s - Umwelt verschmutzende aber vor Power strotzende Karren, für ein bleihaltiges Vergnügen sorgende Knarren und einen Wortkargen und nach Rache gierenden Keanu. John Wick geizt nicht mit diesen drei K´s. Sei es der röhrende Sound des Ford Mustang aus dem Jahr 69 oder die episch durch Choreographierte Rachefantasie im Russen Club bei Nacht. Wer für John Wick Geld zahlt bekommt es mit Benzin Blei und Blut zurück gezahlt. In your Face Mentalität. Dabei ist es gerade bei solch einem Thema leicht, das Ganze in den Sand zu setzten wie wir aus Erfahrung wissen aber John Wick umgeht diesen Pfad der Finsternis des Direct to Video Daseins in dem er sich zu jeder Zeit bewusst ist, dass die lose Aneinanerreihung von Headshots, prallen Titten und One Linern dem Zuschauer auf Dauer zu wenig ist.

    Auf seinen Missionen um im Videospiel Genre zu bleiben begegnet John Wick allerhand kuriosen und zwielichtigen Gestalten, die alleine genommen jeder für sich für manchen Dolph Lundgren Film eine gante Story liefern würden. Aber gerade sie sind das extra des Films. Beispielhaft die kleine Episode in der der Gnom aka Willem Dafoe( Platoon ), begleitet von den Klängen des Marilyn Manson sich für seinen nächsten Auftrag präpariert, Oder dem wohl Besten und Bad Ass gedrehten Sequenz in der Wick einen ganzen Zirkel aufmischt, begleitet von der wundervollen Stimme Kaleida, was im ersten Moment für einen Knüppel harten Film ungeeignet wirkt ist eine musikalische Granate mit dem Rausch der Gewalt die jeden Genre Fan burnen wird. Eine Szene für die manch ein Filmemacher sein ganzes Leben übt aber nie erreichen wird. Amazing Reeves.. Die vielen unterschiedlichen Kameraeinstellungen und besonderen Winkel des Kamera Guys lasen jede Szene für sich speziell wirken und sind über jeden Zweifel erhaben leidenschaftslos abgefilmt worden zu sein.

    John Wick ist kein Film für den Fehler suchenden Berufsnörgler der in Stundenlanger Kleinarbeit alle Werner Beinhart Filme auf den Realität Gehalt untersucht. Denn hier schert sich der Film an den meisten Stellen einen Dreck um die Logik aber wer verstanden hat in welchem Universum John Wick spielt der frägt ohne hin nicht danach. Funshooter so wäre mein Urteil über John Wick, All die kleinen Dialoge zwischen dem Pförtner des Hotels oder der Smoothie Fetischismus des Willem Dafoe der damit den örtlichen Russen Mafiosi zum Stirn runzeln bringt sind die Schwingen des Erfolgs auf dem John Wick ans Box Office fliegen wird. Der Fiim macht vor allem ein - Bock auf einen weiteren Einsatz des schwarzen Mannes oder auf eine Umsetzung als Videospiel für die Heimkonsole.

    Manson entwickelt sich immer mehr in eine Richtung die mir nicht gefällt, warum nicht mehr wie früher abgehen wie Zeiten von Holywood und Antichrist. Warum ist das jetzt so das er immer mehr so ne Mucke macht, war mal Manson Fan aber bin schon weit weg, kann mir das einer erklären ?

    Michael Bay ist zurück um erneut und zum nun mehr vierten Mal den heiligen Ort der bewegten und bunten Bilder zu schänden: Das Kino.

    In einer der ersten Sonnen vergewaltigten Szenen sehen wir dem erfolglosen Erfinder Cade Yaeger ( Mark Wahlberg und seinem Helfer dabei zu, wie sie in einer Kinoruine nach brauchbaren Material fanden. Dabei kommt er ins Gespräch mit dem alten kauzigen Besitzer des Etablissement, der beiläufig meint, das Kino sei als Ort der guten Unterhaltung zerstört worden, die Zuschauer würden nur noch sinnlose Fortsetzungen schauen wollen. Keiner hört im so richtig zu, dabei ist das de einzig gute Satz im gesamten Film. Der Satz klingt wie eine Selbstanzeige vom Regisseur, der hier ähnlich wie Hoeneß erwischt worden ist und versucht sich Straffreiheit durch Selbstanzeige zu erlangen. Erwischt nicht im Sinne eines Geldbetruges sondern dem Betrug am Zuschauer. Seelenloses Blechgebolze garniert mit schmalzigen Sonnenblenden und dem Bay typischen Familiendrama. Leider steht darauf kein Knast. Vielleicht war es aber auch keine Selbstanzeige sondern ein weiterer Schlag gegen das Kino indem er es auch noch verspottet.

    Beim vierten Teil spielt es genauso wenig eine Rolle wer im Film mitspielt noch ob man die anderen Teile kennt. Am Ende läuft es bei allen Teile auf den gleichen Mist oder wenn man will Twist heraus, Gut gegen Böse duellieren sich in einer Großstadt, Millionen Zivilisten sterben und man sieht kein einziges Opfer. Massenmordende Transformers auf beiden Seiten, Krieg ist die Hölle aber keiner merkt es so richtig oder hat sich mal einer gefragt wer eigentlich in den einstürzenden Hochhäusern lebt, die hier im Sekundentakt dem Erdboden gleich gemacht werden? All dies geschieht mit freundlicher Unterstützung wie im gesamten Bayschen Kosmos durch Produktplazierung der edelsten Marken. Was passend ist, denn im Grunde ist Transformers nichts anderes als eine große Werbeplattform für Kinderspielzeug und dreisten Produkplazierungen. Die Transformers Kuh wird gemolken bis die Euter glühen.

    Dabei spielt der Film innerhalb einer Zeitspanne von drei Jahren, wenn man die Sonnenuntergänge zusammenzählt die man gezeigt bekommt, oder in Bays Filmen geht die Sonne ach schon gerne mal zweimal unter pro Tag wenn es zur Szene passt. Altes Bay Trademark, genau wie die immer wieder zur Schau gestellte Flagge der Weltpolizei. Wer sich in einer gepflegten Männerrunde beim Schauen von Transformers 4 jedes Mal einen Kurzen den Rachen runterkippt beim Erblicken des Banners, kann nach einer halben Stunde sich schon mal ein Bettlager im Scheisshaus zu Recht machen. Patriotismus bis zur Transformierung von Nahrung in Erbrochenes.

    Im Großen und Ganzen wird man das dumme Gefühl nicht los, das der kleine Michi im Kindesalter zu viel Transformers gespielt haben muss, denn so liebevoll wie er seine Roboter vermenschlicht und in Szene setzt. Im Gegensatz zu den Schablonen Schauspielern, muss es so gewesen sein. Für Bay sind Roboter die besseren Menschen. Viellicht war er das einsamste Kind zu jener Zeit und suchte Trost im Schlachtengetümmel seiner Transformers Spielzeugen. Freunde kann er keine gehabt haben, geschweige denn ein gesundes Verhältnis zu Frauen. Wie sonst lässt sich diese Bild der Frau in seinen Filmen erklären? Oder wem ist ein Dialog aufgefallen indem Frauen etwas Sinnvolles sagen dürfen? Für ihn sind Frauen so etwas wie der glänzende Lack seiner Transformers Boliden. Schön anzusehen und Oberflächlich. Es genügt wenn er gut aussieht.

    Wenn geredet wird von Mensch zu Mensch dann nur um die Lücke zwischen einer Roboter Szene zur nächsten zu stopfen. Dabei wären interessant geschriebene oder wenigstens vor Pathos und Vaterlandsliebe schwangere Dialoge so wichtig gewesen, für die Szenen wo nichts explodiert. Und das betrifft die ganze erste Hälfte des Films, die zweite Hälfte besteht nur aus dem üblichen Blech Fantasien Gewichse aus Bays Hose. Nur leider fand´s nur einer geil so lange den ultimativen Erguss zu genießen. Denn je länger die Schlacht der Roboter andauert, desto langweiliger wirds für den Zuschauer. Nicht für Bay, der genießt den andauernden Höhepunkt. Es fühlt sich in etwa so an wie ein zu lang geratener Sonnenuntergang. Am Anfang hat man noch ein schönes Gefühl beim Sehen doch mit der Zeit tuen einem die Augen weh. Bay fehlen die Höhepunkte. Er bekommt beziehungsweise zeigt uns genau einen und der ist zu lang. Alles danach oder davor ist belanglos und Mal mehr Mal weniger witzig. Es wird nur alles in die Länge gezogen bis zum einzigen Höhepunkt.

    Transformers 4 hat neben den Hauptdarstellern auch noch die Nebendarsteller. Zum einen Mark Wahlberg der als Texanischer Übervater nervt und seine zum Luder degradierte Tochter. Bay gesteht ihre Rolle genauso viel zu wie einst in Transformers Eins Megan Fox. Für immer mal wieder Spaß sorgt dabei Stanley Tucci als lustiger Sidekick des Marky Mark. Er und der dicke Transformer, der ständig Zigarren raucht teilen sich die Gags.

    Das Kino, ein Raum der Schauspielkunst wird abermals geschändet durch die Unfähigkeit eines Michael Bay zu lieben. Die Unfähigkeit zur Liebe fürs Kino, der Liebe zum Schauspiel, der Liebe für zum Dialog, die Liebe zur Kunst und der Liebe zum Realen. Seelenloses Treiben wohin man schaut. Wenn man das Bild der Kinoruine vom Anfang sich wieder ins Gedächtnis ruft sieht man was Bay aus dem Saal mit den roten Sitzen und dem Popcorn Geruch in der Luft gemacht hat. Einen trostlosen Ort, eine Ruine des guten Geschmacks. Technik die für die Schauspieler das schauspielern übernimmt. Und einen Ort an dem die echten Menschen nur die Ausrede dafür sind damit sich Machwerk, Film nennen darf denn sonst wäre es nur ein Manga.

    Tom Hardy unterwegs im Auto auf dem Highway seines Lebens. Gepflastert mit Leid, Verlust und Schmerz. Steven Knight lässt Hardys seelischen Drehzahlmesser bis in den roten Bereich drehen und wir sitzen dabei mittendrin -auf dem Beifahrersitz seines BMW, den er unaufhörlich, pausenlos Kilometer um Kilometer fressen lässt.

    Tom Hardy ( Warrior, The Dark Knight Rises ) reiht sich reibungslos, in Steven Knights ( Drehbuch zum Oscar Film Eastern Promises ) Drama in den Club der Filme ein, die jeweils nur einen Schauspieler auffahren. Waren vor ihm einst Ryan Reynolds auf der falschen Seite des Bodens begraben in Buried, sowie Bobby Redford auf hoher See in All is Lost, tut er es ihnen nun in No Turning Back gleich. Obwohl man einmal mit Locke (Hardy) eingestiegen, auf dem Weg nach London, nie das Gefühl bekommt nur einem einzigen Schauspieler beim Agieren zu zusehen. Durch ständiges Klingeln der Freisprecheinrichtung erlebt Hardy so gut wie nie eine ruhige Minute und diese ist ihm bis zum Ende seiner Fahrt auch nicht vergönnt.

    Wie einfach, aber dennoch wirkungsvoll die banalsten Dinge sein können...

    Locke hat eine Entscheidung getroffen und versucht diese nun in einer fast 90 minütigen Fahrt zu verwirklichen. Und von da ab beginnt auch die große Magie, die der Film entwickelt. Minute für Minute, Satz für Satz, Kilometer um Kilometer, Mensch um Mensch, werden die Konsequenzen sichtbarer, die die Entscheidung welche er beim Einsteigen getroffen hat spürbarer. Und dabei trifft es den Zuschauer ins Mark. Kaum eine Szene, die nicht aus dem Leben gegriffen scheint. Dialoge die noch lange nachhallen. Kinderstimmen, die so niederschmetternd die Magengegend penetrieren aufgrund der Ausgangssituation sowie vor Verzweiflung dem Abgrund nahe stehende Menschen sind so rund geschrieben wie das Symbol des Autoherstellers auf der grau schimmernden Autohaube des Boliden.

    Lockes Entscheidung, die die Pfeiler seines Lebens bröckeln lassen wurde aber nicht ab dem Moment, des ersten aufheulen des Motors gefällt, sondern schon Acht Monate zuvor. Locke, Bauleiter einer renommierten Baufirma, verheiratet, bekommt die Nachricht, dass sein einmaliger Fehltritt Konsequenzen hat und zwar Zweibeinige. Er wird nochmal Vater, zum dritten Mal. Nur dieses Mal nicht von der eigenen Ehefrau sondern resultierend aus eben jenen Entscheidung mit einer anderen Frau zu schlafen. Aus dieser Ausgangssituation heraus beginnt der Alptraum dem sich Locke stellen muss. Viel mehr, sich stellen will. Er trifft die Entscheidung dafür ein zustehen was er getan hat und nicht mehr rückgängig machen kann. Und Gegen das weglaufen, wie einst sein Vater es tat.

    In No Turning Back geht es plump gesagt nur um Telefonate, die Locke, während der in Echtzeit erlebten Fahrt, zum Krankenhaus seines unehelichen Kindes führt. Die Themen darin sind universell, kann sich doch jeder in die Situation hineinfühlen, wenn er eine nicht mehr auf zu haltende Sache einem geliebten Menschen wenn nicht sogar der am meisten geliebten Person erklären muss. Wie den unaufhörlichen Fluss der Autos auf der Autobahn, so lässt sich das nun los getretene nicht mehr aufhalten. Locke versucht mit aller Macht sein Leben wieder in die richtige Bahnen zu lenken, nur haben Autobahnen meist keine Kreuzungen. Nur Ausfahrten auf die man keinen Einfluss hat. No Turning Back. Wer hat schon mal versucht auf der Autobahn zu wenden? Und genauso wenig geht es in der Autobahn des Lebens, einmal entschieden fährt man auf ihr.

    Hardys Reise im Personenkraftwagen wird dabei immer wieder von zauberhaften Kameraeinstellungen eingefangen. Dabei wird nicht nur die Atmosphäre einer nächtlichen Fahrt auf dem Highway gnadenlos stimmig aufgesaugt,sondern auch das Gesicht des Charakters wird zur sich ständig verändernden Oberfläche der Emotionen. Hardy spielt um sein Leben, stellt den innerlich zerrissen von Schuld geplagten aber dennoch aufrechten Beton Malochers mit all seiner Kunst grandios dar. Wenn man auch klar Stellung beziehen kann und gegen Hardy in den Krieg ziehen will oder das Vorhaben konsequent findet, froh ist man dennoch nicht selber hinterm Lenkrad sitzen zu müssen.

    Aber wie oft sitzen wir denn nicht selbst hinterm Lenkrad unseres Lebens und müssen, wie er Dinge tun die unangenehm sind oder Konsequenzen nach sich ziehen. Dabei sind es bei Locke nicht nur Baustellen die sein privat Leben betreffen sondern auch seine Kariere, seine Existenz. Wie oft begeben wir uns nicht selbst, auf die Autobahn des Lebens, wenn wir Entscheidungen treffen, sie verkünden und es kein Turning Back mehr gibt?

    Wenn die Lichter des Autos aus den bayrischen Motorenwerken verblassen im Dunkel der Nacht und Hardy seine Destination erreicht hat, der Abspann über den Bildschirm flackert. Ein letztes Mal der wie die Faust auf Auge passende, zu jeder Sekunde unterstützende Score verklingt. Einem langsam bewusst wird, das No Turning Back ein Ende gefunden hat. Man sich selbst dabei erwischt wie man Pläne für die nächste Fahrt schon gedanklich schmiedet- auf der Autobahn der Entscheidung dann hat Tom Hardy es geschafft mit No Turning Back bei ihnen Beifahrer im Kopf zu werden. Der längere Zeit nicht aussteigen wird.

    Es gibt da so einen Typ der dem Pharao als Berater dient und der versucht das in zwei drei Sätzen rational zu erklären. Wobei hingegen Gott in Gestalt eines Kindes es vorher Moses ankündigt. Also man weiß das es Gott war aber der Pharao und seines Gleichen denken da eher rational.

    Ridley Scott erzählt uns in seiner fast drei stündigen Bibelstunde nicht nur die Geschichte des Mose, der erst mit dem Pharao Stress bekommt und dann sein Volk befreien muss sondern wendet dabei auch den gleichen Trick an mit Hilfe dessen der größte Club der Welt seit Jahrtausenden überlebt und Mitglieder generiert.

    Exodus: Götter und Könige erzählt mal mehr mal weniger frei die Geschichte des Moses und dessen vermeintlichen Bruder Ramses, dem Pharao. Die klassische Bibel Story, die wir auch schon aus Filmen wie Die Zehn Gebote oder Moses kennen, nur mit besseren Schauspielern und mehr epicness. Was Exodus mit dem größten Club der Welt gemein hat, wird einem schnell klar in der ersten halben Stunde des Films. Die Kirche im Allgemeinen beeindruckt gern seit ihrer Entstehung mit riesigen Bauten, wunderschönen Kirchen oder Gebäuden und einschüchternder Größe. Dies wirkt auf Menschen. Lässt sie vor Ehrfurcht erstarren und ins Gotteshaus wandern, Sonntag für Sonntag, Predigt für Predigt. Scott macht im Prinzip das gleiche und klatscht dem Zuschauer eine mega Einstellung nach der anderen vors Auge inklusive imposantem 3D. Da eine mega Statue, dort in Großaufnahme Ägypten aus der Vogelperspektive. CGI auf höchstem Niveau, nimmt man nur mal die wunderbare Szene mit den Krokodilen. Hier wird alles aufgefahren und wirkungsvoll ins Szene gesetzt. Doch was ist wenn man sich erst einmal satt gesehen hat? In der Kirche würde die Predigt kommen, hier müssen die Schauspieler predigen bzw. schauspielern um den Zuschauer bei Stange zu halten.

    Und genau hier liegt der Hund begraben. Sobald die Schauwerte in den Hintergrund rücken und man sich der Geschichte widmet, die erzählt wird kehrt schnell Langeweile ein. In der Kirche liegt der Job beim Prediger den Zuhörer zu faszinieren oder zum Nachdenken an zu regen. Hier liegt es in den Händen des Bale (Moses) und dessen unbekannten Partner Kautz (Ramses).

    Bale vollzieht mal mehr mal weniger glaubhaft die Wandlung vom Prinzen Schönling zum Rebellenführer aber selbst im entscheidenden Moment als er einmal anführen muss um die Massen zu mobilisieren, wirkt er wenig mit reisend. Würde der Film einmal ohne Ton gezeigt und man musste sich die Worte denken, die aus seinem Munde fließen, würde es sich in etwa so anhören.

    ´´Wenn ihr Bock habt könnt ihr ja mitkommen durchs Meer, ich gehe erstmal vor, wer will kann ja mit.´´

    Wenn man sich einmal zurück erinnert wie bei Scotts früheren Werken die Anführer aussahen die zum Wiederstand aufriefen und man jetzt den Anführer schlechthin Moses nimmt kann man nur vom Glauben abfallen und das Wort wörtlich. Wäre man noch in Ridley Scotts Klassiker Gladiator, Russell Crowe aka Maximus bis in den Tod gefolgt, hat man für Moses nicht mal mehr ein müdes Lächeln übrig. Scott inszenierte in Gladiator alle seine Charaktere mit Gewicht und einer epicness, die keiner der Rollen in Exodus nur ansatzweise hat. Denkt man nur an Sir Ben Kingsley der im Film einfach nur untergeht und hinter seinem Buschido Bart keinerlei Chancen hat den Zuschauer ab zu holen. Es wirkt fast so als sei er nur da um da zu sein. Bale als ultimativer Führer namens Moses wäre wohl damals keiner gefolgt.

    Allgemein dürfen im Film nur Ramses und Moses mehr als drei Sätze am Stück von sich geben. Der Film besteht praktisch nur aus Nebendarstellern, die ihren Satz aufsagen dürfen nur um dann wieder zu verschwinden. Sie bringen die Handlung jeweils immer ein Stückchen voran aber mehr auch nicht. Gerade aber die Nebendarsteller sind das Salz in der Suppe, nur in Exodus bleiben sie nur Sprechrollen ohne Mehrwert. Scott schafft es nicht Charaktere zu erschaffen die einem im Gedächtnis bleiben. Niemand erinnert sich nach dem Abspann ,um beim Vergleich zu bleiben, an den Prediger sondern man erinnert sich an tolle Bauwerke, Specialeffects und Großaufnahmen. Wobei es in der Bibel geradezu wimmelt von faszinierenden Gestalten und Ereignissen.

    Trotz der langen Predigt die uns Scott verkündet, hat man ständig das Gefühl, was verpasst zu haben wenn man kurz blinzelt. Moses ist mal hier mal da, mal ist er Prinz dann wird er verbannt. Aufgeteilt in zwei Predigten hätte dem Film gut getan. Zugute halten muss man Scott aber unbedingt, dass er sich zwar viele Freiheiten nimmt bei der Erzählung seiner Predigt in Bezug auf die Bibel aber er hat aus Moses nicht einen durch Fanatismuss zerfressenen, getrieben Verrückten gemacht wie Arranofsky aus Noah. Scott bleibt aber gerade bei den Fragen zum Glauben immer auf Distanz und beantwortet sie auch nicht. Er macht es sich einfach und stellt erst gar keine. Niemand hinterfragt Moses, niemand unterhält sich mit ihm über seine Motivation. Ein paar Dialoge über dieses Thema fehlen dem Film.

    Einer der größten Kritikpunkte fängt sich Scott damit ein, keinen besonderen Score für seinen Film gefunden zu haben. Wer kennt nicht die epischen Klänge aus Gladiator? In der Kirche in der gepredigt wird ist immer auch die Musik ein entscheidendes Detail auf das die Menschen Wert legen. Und ohne Musik oder den Gesang hat keiner so richtig Freude beim Gang ins Clubhaus. Scotts Predigt hört man sich zwar an aber was einem im Gedächtnis bleib ist der beeindruckende Raum in der sie gehalten wird, nicht aber der Inhalt oder wer sie verkündet.

    Liam Neeson wird über den Wolken von Mister Texti Texti genervt

    Bil Marks ( Liam Neeson ) ein Freund des ausschweifenden Alkoholkonsums, schiebt über den Wolken als Air Marshall eigentlich eine ruhige Kugel. Viel passieren kann nicht und dem Alkohol kann er auch 30.000 Meter über dem Boden frönen. Doch an diesem Arbeitstag wird aus der gemütlichen Reisebegleitung, der Alptraum schlechthin. Nach Taken und dessen Fortsetzung schlüpft Neeson erneut in die Rolle des Spezialisten. Zwar mit weniger Knochenbrüchen und Toten als in den beiden anderen Streifen aber wie gewohnt in lässiger Manier.

    Nons Stop - Thrill für Anfänger

    Auf der Spannungsebene funktioniert Jaume Collet-Serras ( Unknown Identity ) Non Stop perfekt. Gekonnt werden falsche Fährten gelegt und dem Zuschauer wird es nicht einfach gemacht herauszufinden, wer nun der böse Mister Texti Texti ist, der Bil Marks den Arbeitstag seines Lebens beschert. Derjenige welche versucht mit Hilfe seines Handy ihn unter Druck zu setzten und 150 Millionen Dollar zu erpressen. Lange tappt man ihm Dunkeln und rät insgeheim mit wer derjenige welche sein könnte. Ist es der dauerquasselnden Feuerkopf Julianne Moore ? Der Quoten Taliban oder ein anderer der sich im Cockpit befindenen Insassen? Alles sehr sehr gut gemacht. Nur was an der sich anbahnenden Auflösung stört, ist des doppelt und dreifach erklären. Deshalb auch im Titel - Thrill für Anfänger. Kaum ein Puzzle Teil wird dem Zuschauer nicht zwei oder gar dreimal erklärt in Form irgendeines Reisenden. Es bleibt nichts übrig was der Zuschauer sich selbst zusammendenken muss. Es wird stets groß breit und für alle verständlich erklärt. Das tut der Spannung keinen Abbruch aber das Hirn erreicht während des Sehens keine Höhenflüge.

    Mister Texti Texti und der Klingelton

    Interessant ist die Idee des Filmemachers die Textnachrichten von Mister Texti Texti, dem Zuschauer sichtbar zu machen durch Einblendungen. So muss Neeson nicht die ganze Zeit aufs Handy starren. Der zweite Reiz, der sich aus dieser Handygeschichte ergibt ist das Suchspiel das sich dadurch entspinnt. Auf einmal ist jeder verdächtig, der in des Menschen besten Freundes starrt und tippt. Wenn man will kann man auch in Non Stop eine kleine Medienkritik reinlesen. Dies wird dadurch deutlich, als einer der Passagiere ein Video auf diverse Plattformen verteilt und daraufhin in den Nachrichten von einer Entführung seitens Marks berichtet wird. Innerhalb von Sekunden ohne Beweise und Belege wird aus dem Air Marschall der 9/11 Krieger.

    Jaume Collet-Serra nutzt den Umstand des Ausgeliefert seins im Flugzeug ohne die Chance auf Flucht, gekonnt aus um Stimmung zu erzeugen. Nicht durch hektische und schnelle Transformer Schnitte sondern durch den Umstand des Raums indem sich die Passagiere befinden. Neben Neeson die zweite Hauptrolle, denn daraus zieht sich das ganze Dilemma des Terrors, dem man sich nicht entziehen kann. Kein Ausweg keine Flucht weit über dem Himmel.

    Krude Absichten

    Leider leider kann das Ende des Films nicht den Erwartungen Stand halten, die die erste Hälfte des Films aufgebaut hat. Die Motivation des Täters ist dermaßen aus den Wolken gegriffen um in der Sprache des Films zu bleiben. Zerstörung und Tod um Sicherheit und Schutz einzufordern hören sich auch ohne den Film gesehen zu haben schon reichlich daneben an. Seinem eigenen Land zu Schaden um dadurch auf Defizite aufmerksam zu machen und zu denken, dass dadurch eben jene Sicherheit ins Land einkehren würde noch viel mehr. Um nicht alles zu Spoilern sollte sich jeder selbst den Film zu Gemüte führen und dann den Ausführungen des Mister Texti Texti zu lauschen. Aber besser als das, was man sich nach Lesen des Artikels vorstellt wird es dann auch nicht, wenn man Live aus dem Cockpit den Fantastereien des Erpressers lauscht.

    Non Stop bietet Wendungen in Hülle und Fülle, dabei steht man als Zuschauer oft genauso verunsichert da wie Neeson selbst. Aus einem Sumpf von Misstrauen, Lügen und ständiger Gefahr muss sich Air Marshall Marks immer weiter den Weg bahnen bis hin zum Licht. Dabei wird er im beengten Raum von allen Teilen, die zu einem Thriller gehören beobachtet. Alle sitzen sie im gleichen Boot beziehungsweise Flugzeug. Täter, Opfer und Jäger. Wer ein Ticket beim Verkäufer seines Vertrauens löst und sich die DVD holt, bekommt all das serviert und wird hinterher genauso gestresst sein Aufgrund des Spannungsbogens, wie die Passagiere die Tag täglich in einen Flieger steigen und im Bums Bomber Mann an Mann, Geruch an Geruch nach Malle fliegen. Regisseur Serra gelingt ein nahezu Turbulenzfreier Flug mit Gästen wie Neeson, Moore und dem aus House of Cards bekannten Corey Stoll. Doch nur nahezu, denn auch er kommt nicht umhin ein paar patriotische Floskeln im Cockpit zu schwingen. Schlimm ist dies nicht aber es ist Ballast mitsamt den anderen kleineren Schwächen an Bord von Non Stop. Löst euer Ticket und geniest den Flug, einmal eingestiegen bleibt man im Flieger, Neeson sorgt dafür

    Darsteller: María Valverde, Mario Casas, Álvaro Cervantes, Nerea Camacho, Andrea Duro
    Regisseur(e): Fernando González Molina
    Komponist: Manel Santisteban
    Künstler: Albert Manera, Daniel Écija, Irene Blecua, Ramón Salazar, Daniel Aranyó, Juan Carlos Caro, Patrick Salvador, Mercedes Gamero, Francisco Ramos

    FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
    Studio: Capelight Pictures (Alive AG)
    Erscheinungstermin DVD & Blu-Ray: 11. Juli 2014
    Produktionsjahr: 2010
    Spieldauer: 118 Minuten


    Trailer:


    Kritik

    Molina kann außer den Farben Schwarz und Weiß in seinem Wasserfarbenkasten, nichts farbiges finden...

    Einen Eimer voll Farbe oder wenigsten etwas Grau, wäre genau die Zutaten gewesen um den Film zu etwas Brauchbaren zu machen. Stattdessen an diese zu denken, verstrickt sich Molina zusammen mit seinem Teenager Cast in dumpf sinniger Schwarz Weiß Malerei und präsentiert dabei eine gefährliche Message seinem Publikum. Phrasen wie, man kann einen Menschen aus dem Ghetto holen aber das Ghetto nicht aus dem Menschen oder einmal so immer so, sind die tragenden Säulen von Drei Meter über dem Himmel.

    Patrick Swayze ( Dirty Dancing ) brachte es seiner Zeit auf den Punkt, als er in Roadhouse sagte, es ist die alte Geschichte nur an einem anderer Ort. Damit gab er zu, das Filmemacher die immer gleiche abgestandene Sülze neu aufwärmen und sie mit frischer Soße schmücken damit sie das vergammelte verbirgt. Drei Meter über dem Himmel schlägt in die gleiche Kerbe. Die vom Kino halbjährlich aufgewärmte Geschichte des jungen krassen Wilden, der das reiche und anständige Mädchen aus ihrer stinkenden Normalität entreißt um ihr seine Welt des Spaßes und der Unvernunft zu zeigen.

    Molina zeigt dabei genau die Bilder welche man im Kopf hat wenn man diese Bierdeckel Story liest. Eltern, Freunde und Lehrer spielen, verhalten und sehen genau so aus wie es der typische Klischee Charakter verlangt. Dabei verhalten sie sich niemals anders als man es von ihnen erwartet. Wer die erste halbe Stunde hinter sich gebracht hat kann den Fernher ausschalten und sich den Rest selber zusammen denken, denn es passiert wirklich nichts mehr was außerhalb des zu Erwartenden liegt. Noch besser beim Abschalten man entzieht man sich der kruden Botschaft des Films, die er über gefühlten zwei Stunden dem Zuschauer ins Gesicht schlägt.

    Mario Casas, der den Bushido verschnitt artigen Halbstarken verkörpert muss in Drei Meter über dem Himmel nichts weiter tun, als in romantischen Szenen sein Grinch Grinsen aufsetzten und in Motorrad- oder den häufigen Wutanfall Szenen sein Ratiopharm Durchfall Gesicht. Mehr ist nicht nötig und zu mehr ist er auch nicht im Stande. Fast schon ein Fetisch, wie er permanent in jeder Szene seine Lederjacke trägt. Am Strand oder auf dem Bike, die Jacke klebt am Körper. Fast schon so pedantisch wie der junge Bushido, der sie einst in seinen Rap Songs besang- die gute alte Kordon Sport. Vielleicht stellt diese Kleidungsstück aber auch nur die Uniform des Helden dar, ähnlich wie das Cape von Superman, das weiße Homer Simpson Hemd oder beim dunklen Ritter. Egal zu welcher Schlussfolgerung man kommen mag, eine Lederjacke macht noch keinen harten Burschen aus. Steve McQueen, dessen Poster auffällig im Zimmer an der Wand prangert sah selbst im Kaschmir Pulli noch gefährlicher aus als Mario Casas Charakter. Fragen wirft auch diese penetrante Coca Cola Werbung da im Film keine Szene ohne ein Plakat oder eine Flasche des schwarzen Gesöffs auskommt.

    In der Welt, die uns Molina zusammen mit seinem Schablonen Cast präsentiert, gibt es bis zum bitteren Ende nur die Möglichkeit seine Probleme mit Gewalt zu lösen. Denn unser Mario erfährt bis zum Schluss keine Wandlung oder eine Charakter Entwicklung. Selbst im Angesicht des Guten ,gibt es nur die eine Möglichkeit und die heißt drauf schlagen statt denken. Der ultimative Verlust bringt Schmerz aber keine Verbesserung der Person. Wenn man jetzt mal sich darüber Gedanken macht für wen der Film gemacht wurde und es geschafft hat den Film bis zum Schluss zu sehen, kommt man um die Frage nicht herum, was das ganze eigentlich sollte ?

    Immer wieder weiß sich der gute Mario nicht anders zu helfen als alles was ihm nicht passt mit der Faust zu zerschlagen. Es scheint so wie anfangs erwähnt, entweder Schwarz oder Weiß. Eine Vermischung der beiden Farben kam nicht in Frage. Keiner der beiden Liebenden konnte von seiner Herkunft ablassen und sich ändern. Bis zum bitteren Ende plätschert Drei Meter über dem Himmel so dahin, dabei zerfließt man aber nicht wie offensichtlich der Sinn sein sollte vor Herzschmerz, sondern bleibt verärgert zurück.

    Ein Mädchenfilm, der seine romantischen Einlagen an Strand und im Schlafzimmer hat aber immer wieder gestört wird durch die andere Farbe. Die eine Farbe im Farbkasten von Molina ist die Schwarze, die des Bad Boys. Die andere Farbe die er noch im Kasten hat gehört ganz und gar dem Moral Apostell Girl mit den großen Augen. Wer nicht schon beim lächerlichen Wutausbruch oder der Erpressung der Lehrerin -nebenbei die unglaublichst dümmste Szene der jüngeren Filmgeschichte - des bösen Buben den Face Palm Button vor Augen hat wird spätestens nach diversen nervigen Auftritten des Good Girls, sich wünschen drei Hände zu besitzen um sich selbst einen Dribble Face Palm zu verpassen.

    Denis Villeneuve und das Treiben im Verzerrten als Leitmotiv des Gesamtkunstwerks

    Lange bevor irgendjemand im Film zum Prisoner wird, werden die Vorboten des Unheilvollen ausgeworfen. Wenn Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal ( End of Watch, Prince of Persia ) durch verregnete Fenster blickt und die Umwelt nur aus Umrissen besteht oder Kameramann Roger Deakins ( The Big Lebowski, Skyfall ) durch verschmierte Fenster keinen Durchblick erhält wird jenes Motiv des Films visualisiert welches wie ein roter Faden durch durchgehend erhalten bleibt. Das Zerrbild der Menschen im Film. Niemand kann klar Umrissen werden. Niemand ist eindeutig als das zu charakterisieren. Wie durch verregnte Scheiben schauen, so fühlt sich Prisoners an. Was Wahrheit und was nur Zerrbild ist wird erst am Ende klar sein. Bis dahin ist der klare Blick des Betrachters immer wieder versperrt.

    Regisseur Denis Villeneuve ( Enemy ) schafft es in seinem ersten Film mit Blockbuster Mimen auch seinen Cast wunderbar harmonisch aufspielen zu lassen. So bekommt man einen Hugh Jackman ( Movie 43, Wolverine: Weg des Kriegers ) zu sehen, nahe am Wolverinemodus oder auch einen Jake Gyllenhaal der nach End of Watch eine weitere mega Leistung aus dem Handgelenk schüttelt. Und gerade in der Person des Jackman findet der Zuschauer seinen Bezugspunkt. Die Figur wirft fragen auf. Fragen durch sein Handeln. Aber auch fragen an sich selbst. Wie weit würde man selbst gehen in so einer Situation ? Wie weit weg ist sein Handeln von Menschenrechts Verletzungen auf Guantanamo ? Brisante Fragen, die den Film aber in sich noch wertiger machen. Weil er Fragen stellt die in der heutigen Zeit besonders in den Fokus der Medien und der Menschen gerückt sind. Ist letzten Endes Jackman Handeln nicht ein Guantanamo für den Privatbürger ?

    Grund das diese Fragen überhaupt entstehen ist der Geschichte zu Grunde gelegt. Die Ehepaare Dover und Birch feiern ein gemeinsames Thanksgiving , worauf hin die beiden Kinder der Eheleute verschwinden und nur ein Hinweis vom Verschwinden der Kinder zeugt. Bob Taylor der dieser Hinweis ist wird von nun an Zielscheibe des Wolverine in Spe. Und hier setzt dann auch die Fragestunde ein die man an sich selbst richtet. Dabei untersucht Villeneuve oder besser gesagt, besucht er zusammen mit dem Zuschauer die Abgründe menschlichen Daseins. Was man dort findet ist dramaturgisch sowie schauspielerisch weit weit über dem Durchschnitts Thriller der letzten Jahre.

    Die Trostlosigkeit der Wälder von Pensylvanias spielt dabei genauso eine Rolle wie die Schauspieler selbst. Verschrobene Charaktere gepaart mit dunklen Wäldern und einem derben Klima. Rundum kein Wohlfühl Film, den Villeneuve hier erschaffen hat. Gelegentlich aber fast spartanisch setzen düstere zur Umgebung und Situation passende Klänge ein, die die Geschichte nicht unnötig künstlich aufheizen sondern die Geschehnisse unterstreicht. Mit Prisoners verhält es sich wie mit einer hübschen Frau. Das Make up- in diesem Fall die Musik Untermalung und Landschaft- unterstreichen nur die eh schon vorhandene Schönheit nur. Bei einer nicht so schönen Frau verbirgt Make up nur das Ausgangsmaterial. Und das sieht man Frauen sowie Filmen immer an.

    Letztlich hat Prisoners nur das Problem dass er an manchen Stellen zu lang geraten ist. Eine kürzere Laufzeit hätte den Film an sich gut zu Gesicht gestanden und ihn kompakter gemacht. Die Zeit die er braucht um sich entfalten zu können die ist auch mit ein wenig gekürzter Laufzeit ausreichend da. Prisoners ist kein Film der mit dem Hammer alle Wände einschlägt und mit Wolverine Krallen drauf los metzelt. Prisoners zieht seinen Horror aus der Ausgangsituation der verschwundenen Kinder und der daraus entstehenden Dynamik. Den Abgründen, den Wendungen und das Vielleneuve es versteh bis zum Schluss noch ein Ass im Ärmel zu haben um dem Zuschauer den letzten Rest zu geben.

    Sehen aber doch nicht sehen. Das Blicken durch verregnete Scheiben. Keine klaren Konturen. Das ganze Dilemma des Menschen in dem er lebt nicht zu wissen welcher böse Geist im Gegenüber wohnt sind die starken Themen. Wenn ein letztes mal Jake Gylenhaal ins leere blickt, kurz bevor die schwarze Blende erscheint und der Film zu Ende ist. Selbst da findet er sich in der aller letzten Sekunde da wieder wo er zu Beginn stand als ermittelnder Polizist. Hinter einer Scheibe und muss im Trüben Fischen, den ein letztes Rätsel lässt uns Villeneuve übrig. Mit dem wir uns Lange danach noch beschäftigen werden.