Brief an die FSK Behörde

  • Ich habe grade diesen Offenen Brief im internet gefunden! Ich finds grnial was der schreibt:


    EIN OFFENER BRIEF ZUR GÄNGIGEN PRAXIS DER FREIWILLIGEN SELBSTKONTROLLE DER FILMWIRTSCHAFT, SELBST AB18-EINGESTUFTE KINOFILME ZU ZENSIEREN.


    Sehr geehrte Freiwillige Selbstkontrolle (FSK),


    Aus aktuellem Anlass habe ich ein paar Fragen an Sie und bitte um Ihre Stellungnahme (dieser Brief geht auch an nationale (Film-)Magazine und -internetseiten).

    Sie haben dem Kinofilm JOHN RAMBO, der seit vergangenem Donnerstag in den deutschen Lichtspielhäusern läuft, in seiner ungekürzten Fassung die Freigabe verweigert. Die Begründung: "schwere Jugendgefährdung". In meinem Kino läuft nun eine gekürzte Fassung mit dem Siegel "keine Jugendfreigabe". Im Klartext: Kein Jugendlicher erhält Zutritt. Wenn ich logisch kombiniere, bedeutet das, dass es für das Siegel "keine Jugendfreigabe" vollkommen unerheblich sein müsste, ob ein Film "schwer jugendgefährdend" einzustufen ist oder nicht. Weshalb sehen Sie das anders?

    Meine einzige Erklärung: Sie gehen davon aus, dass es unter Umständen passieren kann, dass Minderjährige in den "Genuss" eines solchen Machwerkes kommen könnten. Kann das bei Filmen, die "keine Jugendfreigabe" bekommen, nicht passieren? Wenn man nun davon ausgeht, dass auch Leute Filme sehen, die nicht die geeignete Altersstufe erreicht haben, ist dann nicht das ganze Prinzip der Freiwilligen Selbstkontrolle von vorn herein ad absurdum geführt? Müsste man dann nicht so konsequent sein, sämtliche Filme vom deutschen Markt zu nehmen, die nicht "ohne Altersbeschränkung" freigebbar sind?

    Ich muss gestehen: Ich schreibe in Unkenntnis von JOHN RAMBO. Ich schaue mir aus Prinzip keine zensierten Filme an, auch und gerade deshalb, weil ich in einem Land lebe, in dem laut Grundgesetz keine Zensur stattfindet. Ich kenne aber dank Auslandsaufenthaltes die von Ihnen kürzlich ebenfalls beanstandeten Filme SAW III, THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE - THE BEGINNING und sogar DARD DIVORCE (letzterer von ihrem Lieblingsregisseur Olaf Ittenbach) in ihren unzensierten, von den Künstlern so intendierten Fassungen. Deshalb spreche ich mir die Kompetenz zu, mich zu dieser Thematik zu äußern.

    Ich gebe zu: Es sind extreme Filme. Und ich gebe zu: Es war meine freiwillige, selbst getroffene Entscheidung, sie mir anzusehen, mich ihnen auszusetzen. Ich bin 27 Jahre alt und nehme mir dieses Recht. Weshalb nehmen Sie sich das Recht, mich in dieser Hinsicht zu bevormunden?
    Die Filme werden Ihnen von den Verleihfirmen zur Sichtung vorgelegt, wofür sie einen vierstelligen Betrag entrichten. Ohne Ihre Einstufung darf ein Film in Deutschland nicht beworben und frei verkauft werden. (Was die Frage aufwirft: Weshalb steht das "F" in "FSK" für "Freiwillig" und das "S" für "selbst"…?) Diese Einstufung nimmt eine wechselnde Gruppe von Personen vor. Weshalb kann diese Gruppe von Menschen Filme in Fassungen sehen, vor denen ich offensichtlich geschützt werden muss? Was macht sie resistenter gegen "schwere Jugendgefährdung" als mich 27-Jährigen? Ich bitte, diesen Personen meinen Dank und meine Hochachtung auszurichten, dass sie sich all diesem augenscheinlichen Schund, der nicht als Kunst einzustufen und somit zensierbar ist, aussetzen und ihre geistige Gesundheit und psychische Entwicklung mir zu Liebe aufs Spiel setzen. (Was mich zu der Frage führt: Ist Schund, der zensiert wird, dadurch kein Schund mehr und auf einmal Kunst? Dann habe ich noch weit größere Hochachtung! Das nennt man aus (zensiert) Gold machen. Sie sollten Horrorfilme drehen.) Ich habe höchsten Respekt davor, dass sie (noch!) nicht Amok laufen. (Ein Amoklauf steht für die nächste Zeit übrigens auch nicht auf meiner Agenda - obwohl ich SAW III, TEXAS CHAINSAW MASSACRE - THE BEGINNING und sogar DARD DIVORCE unzensiert gesehen habe. Ich bin gespannt, was passiert, wenn ich JOHN RAMBO gesehen habe… Sollte es soweit sein: Ich verspreche, ich gehe dazu in das Land, dass mich diese Filme hat sehen lassen.)

    Um nicht missverstanden zu werden: Nicht über Amokläufe mokiere ich mich - jeder einzelne ist eine furchtbare Tragödie -, sondern über den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit ihnen. Dieser zeugt zumeist von Hysterie und blindwütigem Aktionismus, selten von Verantwortungsbewusstsein. In dieser Hinsicht habe ich noch einen: Ich weiß aus sicherer Quelle, dass sich der Amokläufer von Erfurt jeden Abend, bevor er zu Bett ging, die Zähne geputzt hat. Ich beantrage, Zahnbürsten zu verbieten und Dr. Best, den alten Tomatenfolterknecht, vor Gericht zu stellen - ein unmittelbarer Zusammenhang ist nicht von der Hand zu weisen. Ist das geschmacklos? Ich halte es für geschmacklos, auf Kosten von Todesopfern und ihren Angehörigen billigen Populismus zu betreiben.
    Ich stelle fest: Die Menschen tun sich Gewalt an, seitdem sie auf der Erde sind (schon mal die Anfangssequenz von Kubricks 2001 gesehen?) Die Kunst bringt diese Gewalt nicht hervor (Kubricks 2001 ist KEINE zeitgenössische Produktion). Sie reflektiert sie. Sie hilft uns, mit ihr umzugehen, ihre Mechanismen eventuell sogar ein Stück weit verstehen zu lernen. Die reale Gewalt bringt Filmgewalt hervor, nicht umgekehrt. Ich ahne Ihren Einwand: "Ist es denn auszuschließen, dass die dokumentierten jugendlichen Amokläufer aufgrund von Filmen, Musik und Computerspielen zu ihren Taten angestiftet wurden?" Es wäre naiv und genauso blind populistisch, dies schlicht zur verneinen. Nur: Ich behaupte, dass diese Fehlgeleiteten früher oder später auch ohne diesen Einfluss zu tickenden Zeitbomben mutiert wären. Die Wurzeln liegen nicht in ihrem DVD-Regal, sondern in ihrem familiären und soziokulturellen Umfeld. Und diese Wurzeln heben Sie mit dem Verbot von JOHN RAMBO, HALF LIFE und MARILYN MANSON nicht aus. Zur Sicherheit können wir aber gerne die Zahnbürsten aus den Supermarktregalen unter die Ladentheken verbannen.

    Nun einmal ganz ohne Ironie: Ich respektiere Ihre Arbeit und finde eine Alterseinstufung sinnvoll und wichtig. Nicht jeder Film ist für jedes Alter geeignet und es ist gut, wenn sich kompetente Leute damit auseinandersetzen. Ich habe den Eindruck, dass Sie diese Verantwortung sehr ernst nehmen und ihr auch gerecht werden. (Gelegentliche Fauxpas - wie die ab6-Freigabe für den mit expliziten sexuellen verbalen und visuellen Inhalten gespickten KEINOHRHASEN oder umgekehrt die kJ-Feigabe für BLACK SHEEP, eine harmlose schwarze Komödie mit für zumindest jeden 16-Jährigen durchschaubaren Effekten - können durchaus vorkommen und stellen Ihr Tun nicht in Frage.) Aber gebietet es nicht der gesunde Menschenverstand, dass es mit einer Freigabe ab18 genug sein muss? Filme für Erwachsene zu zensieren ist Bevormundung eben jener Erwachsener. (Wenn ich das richtig verstanden habe, sind "kJ"-freigegebene Filme noch "schlimmer" als ab18-Filme und werden ihrerseits noch von Filmen mit "SPIO"-Siegel getoppt?)

    Kurz zu meiner Person: Ich bin tatsächlich schon als Minderjähriger an "schwer Jugendgefährdende" Filme herangekommen. Peter Jacksons Splattermeisterwerk BRAINDEAD sah ich zum ersten Mal mit 14 Jahren - nicht die damals in Deutschland erhältliche um sechs Minuten gekürzte, sondern die völlig unzensierte Version. Die deutlich als solche erkennbaren, nicht mit der Realität zu vereinbarenden Spezialeffekte haben mich als Pimpf begeistert und nicht verstört, sondern vielmehr zum Lachen gebracht. Daraufhin habe ich mich, selbstverständlich gegen das Verbot meiner verantwortungsbewussten Eltern, in eine Nachmittagsvorstellung von Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' Vampirfarce FROM DUSK TILL DAWN geschmuggelt. (Meiner Beobachtung nach sind Kinobetreiber in dieser Hinsicht inzwischen strenger geworden - zum Glück!) Die Nacht darauf habe ich wunderbar geschlafen. Nur nach dem Kinobesuch von JURASSIC PARK habe ich mich eine Woche nicht aufs Klo getraut - FSK: völlig zu Recht ab12. Es gehört zum Erwachsenwerden dazu, mit Ängsten konfrontiert zu werden. Nicht umsonst wimmelt es in den Märchen der Gebrüder Grimm von grausamen Hexen und ist der Struwwelpeter ein wahres BLOOD FEAST (der Film dieses Titels aus dem Jahre 1963 ist meines Wissens immer noch beschlagnahmt?) Der sichere Kinosessel - und in meinem Fall zusätzlich die Toilette - ist der beste Platz dafür.
    Ich habe nicht nur mein Abitur bestanden, ich bin sogar gerade dabei, meinen Universitätsabschluss zu machen. Fach: Medienwissenschaft. Ich habe mich zu einem pazifistischen, gesellschaftsfähigen Bürger dieses Landes entwickelt, der noch niemals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Meine letzte Schlägerei hatte ich im Alter von elf Jahren (also VOR meiner Entdeckung der "schwer jugendgefährdenden" Filmkunst). Dazu bin ich nicht trotz, sondern (auch) wegen meiner Leidenschaft für extreme Filme geworden - und alle Anzeichen sprachen eigentlich dagegen: Ich bin darüber hinaus großer Heavy-Metal-Fan und habe auch schon Nächte mit PC-Ballerspielen verbracht. (Ach ja - Comicfreund bin ich auch noch, aber die sind ja seit etwa 40 Jahren weitgehend aus der Schusslinie.) Dazu komme ich aus einem christlichen Elternhaus und kannte die blutrünstigen Geschichten des Neuen und Alten Testaments bereits im Kindergartenalter. (Nur so am Rande: Im Alten Testament gilt Gewaltanwendung durchaus als probates Konfliktlösungsmittel - ist das nicht eines Ihrer Kriterien für "schwere Jugendgefährdung"…?) Meine Leidenschaft für extreme Kunst, die wie eben beschrieben, etwa mit 14 Jahren aufkam, hat mich nicht behindert, sondern sogar gefördert. Ich habe weit bewusster als meine Altersgleichen über Kunst zu reflektieren angefangen. Warum? Weil es mir ein Rätsel war, warum das, was mich begeistert hat, andere abstieß. Weil ich mich immer in der Position sah, mich für das, was mich faszinierte, rechtfertigen zu müssen.

    Wie es möglich sein kann, dass ich mental nicht degenerierter bin als der Durchschnittsdeutsche, erkläre ich mir neben meinem gefestigten Elternhaus mit der Katharsis-Theorie des Aristoteles (384 - 322 v. Chr.). Simpel ausgedrückt besagt sie:
    Theaterschauspieler leben in ihrer Darstellung extremer Emotionen diese stellvertretend für den Zuschauer aus und dieser wird so vom sicheren Platz und ohne Gefährdung Dritter von ihnen gereinigt. Wie hätte Aristoteles wohl darauf reagiert, wenn in Sophokles' Ödipus die blutigen Szenen zensiert worden wären...? Er hätte ein Schreiben an die verantwortliche Behörde verfasst.

    Ich bin neben meinem Studium Veranstalter eines Festivals für extreme Filme. (Keine Sorge: Wir führen bewusst strenge Alterskontrollen durch!) Durch diese Tätigkeit komme ich mit vielen Fans extremer Filmgenres in Kontakt. Meine Beobachtung: Hierbei handelt es sich um Menschen, die sehr bewusst über Kunst im Allgemeinen und Filmkunst im Speziellen reflektieren, sehr kritisch damit umgehen. Sie teilen meine Faszination für ausgefeilte Special-Effects, für die Auslotung von Grenzbereichen auf künstlerischer Ebene, für schwarzen Humor und die Infragestellung von Tabus. Für die Leute, mit denen ich in diesem Rahmen zu tun habe, kann ich sagen, dass sie ebenso meine pazifistische Weltanschauung teilen und niemals eine Hand - geschweige denn ein Hackebeil oder eine Kettensäge - gegen einen anderen Menschen erheben würden. Kunst ist Reflexion. Kunst führt zu Reflexion. Auch und gerade extreme Kunst. Nach meiner Erfahrung, die auch auf dem Besuch ausländischer Filmfestivals beruht, führen gerade extreme Filme bei einem volljährigen Publikum weniger zu psychischen Schäden als vielmehr zu angeregten Diskussionen auf einem intellektuellen Niveau, zu denen ein E-MAIL FÜR DICH niemals anregen kann (und nicht will). Oft genug werden diese Filme für ihre deutsche Kino- und DVD-Auswertung von Ihnen ihrer Spitzen beraubt. Zu Diskussionen geben diese Fassungen keinen Anstoß mehr, sie sind tatsächlich nur noch stumpfe Genreproduktionen ohne Daseinsberechtigung.

    Was tatsächlich verboten gehört, nicht unter den Deckmantel der Kunst gekehrt werden darf und von Ihnen auch geahndet wird: Jeder Film, durch den Geschöpfe unfreiwillig zu schaden kommen. Dazu zählen Filme mit volksverhetzendem Inhalt, Tier- und Kinderpornografie und Snuff-Produktionen. Apropos: Kennen Sie die berühmtesten Snuff-Aufnahmen der Welt? Sie liefen am 11. September 2001 rund um die Uhr live auf allen Fernsehsendern dieser Welt. Auf die Idee, dass es für Minderjährige zutiefst verstörend sein kann, reale Menschen aus dem drölfzigsten Stock in den sicheren Tod zu springen, kam nur der Horrorfreak - ich habe meinen damals 12-jährigen Bruder aus dem Zimmer geschickt und den Fernseher ausgemacht. Diese Bilder in Wiederholungsschleife stumpfen weit mehr ab als ein kettensägenschwingender Irrer in Menschenhautmaske in einem fiktiven Horrorfilm.

    Wenn Sie tatsächliche Jugendgefährdung ausmachen wollen, brauchen Sie nur zur Nachmittagszeit den Fernseher einzuschalten (ich weiß, dafür sind Ihre Kollegen von der FSF verantwortlich): Zu Uhrzeiten, in denen Kinder aus der Schule zurück, ihre Eltern aber noch in der Arbeit sind, bekommt der Knirps beispielsweise in Gerichtsshows, die sich den Anschein der Realität geben, den ein Achtjähriger nicht in der Lage ist zu durchschauen, Vergewaltigungen, Nötigungen, Misshandlungen, Kindesmissbrauch,… en masse vorgesetzt. Da dies alles täglich und in mehreren Sendern ausgestrahlt wird, wird suggeriert, solche Verhältnisse seien normal. Hätte es dieses Programm in meiner Kindheit gegeben, ich wäre zum Spielen nur noch in den Keller gegangen. Aber nicht in den von Freunden...
    Wenn Sie gegen "Verletzung der Menschenwürde" (wenn ich recht informiert bin, ist das eines ihrer Kriterien, die zu Indizierung führen können) vorgehen wollen, schalten Sie Boulevardmagazine wie RTL Explosiv ab. Hier werden reale Menschen vor die Kamera gezerrt, die vor einer Reportermeute zu Fragen wie "Ihr dreijähriger Sohn wurde soeben von einem Mähdrescher überfahren. Wie fühlen Sie sich?" genötigt werden. Wobei Sie mir an dieser Stelle erklären können, wie ein Special-Effects-Künstler die Menschenwürde verletzten kann, wenn er einen mit Kunstblut gefüllten Plastikball zum Platzen bringt?


    Mein Fazit: Jugendschutz ja. Erwachsenenschutz nein.


    Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und bin sehr gespannt auf Ihre Antwort. Sollte ich mitunter in meiner Wortwahl zu schroff geworden sein, entschuldige ich mich. Es liegt nicht in meiner Absicht, Sie zu beleidigen. Sollte dies stellenweise doch der Fall sein, sehen Sie uns als quitt an - ich empfinde es nämlich als persönliche Beleidigung an, nicht selbst über mein Unterhaltungsprogramm bestimmen zu dürfen.


    Matthias Engelhardt

    PS: Seien Sie versichert: Trotz des mitunter sarkastischen Tonfalls ist es mir mit diesem Schreiben durchaus ernst.


    Ich habe zu dem Streitfall JOHN RAMBO auch einen Leserbrief an die Zeitschrift CINEMA geschrieben, den ich Ihnen nicht vorenthalten will:


    Hallo, CINEMA!

    Zu dem Thema JOHN RAMBO. Ich persönlich finde die von Euch angestoßene Gewaltdiskussion lächerlich. Sylvester Stallone hat einen Film für Erwachsene gemacht. Jedem, der über 18 Jahre alt ist, sollte zugestanden werden, selbst für sich entscheiden zu können, was er sich antun mag und was nicht. Ich selbst würde mir den Film sehr gerne antun, doch die FSK erklärt mich, Alter 27, für unmündig. Während also ein Film wegen "schwerer Jugendgefährdung" auch einem volljährigen Kinopublikum nicht in voller Länge zugemutet werden kann (ungeachtet der Tatsache, dass man ab18 kein Jugendlicher mehr ist), gibt man einen Film wie KEINOHRHASEN ab6 Jahren frei (eineinhalb Monate nach Kinostart auf ab12 hochgestuft). Ein witziger und intelligenter Film und Til Schweiger sei sein Erfolg gegönnt (zumal er ganz offensichtlich nicht auf ein Grundschulpublikum aus war). Doch nicht davon auszugehen, dass es auf sechs- bis elfjährige verstörend, also jugendgefährdend wirken kann, wenn sich nackte, stöhnende Erwachsene auf einander übergeben oder sich in der Genitalgegend herzen, ist fahrlässig.

    (An dieser Stelle eine kleine Anmerkung: Wenn John Rambo eine Kehle durchschneidet, ist das ein Spezialeffekt. Wenn John Rambo einen Mann mit MG-Salven durchsiebt, ist das ein Spezialeffekt. Wenn Nora Tschirner nackt vorm Badezimmerspiegel steht, ist das kein Spezialeffekt. Dieser Unterschied ist vielleicht Sechsjährigen nicht klar, aber definitiv jedem 18-Jährigen.)

    Die Begründung der FSK für die ab6-Freigabe: das kindgerechte Setting im Kindergarten.

    Mein Vorschlag an Sylvester Stallone: Lass RAMBO V im Kindergarten spielen! Da kannst du dann so viele (nackte!) Köpfe explodieren lassen, wie es dir beliebt - das "besonders wertvoll"-Siegel ist dir sicher.


    Matthias Engelhardt


    PS: JOHN RAMBO läuft in unserem Nachbarland Österreich ungekürzt. Ich werde nie wieder in Österreich Urlaub machen. Die Gefahr, auf lauter durch RAMBO verrohte, geistig verwirrte Alpenländer zu treffen, die nicht zwischen Film und Realität unterscheiden können, ist mir einfach zu groß.


    Quelle: http://www.darkeyespromotion.de/index.php/ein-offener-brief

    Quote

    "Ich weiß auch, dass die einzige Möglichkeit, einen von den Geistern dieses Buches Besessenen aufzuhalten, darin besteht, seinen Körper völlig zu zertückeln."

  • Wirklich gut geschrieben und trifft den Kern. Das Problem ist weniger die FSK, sondern eine veraltete und nicht an die Realität angepasste Gesetzgebung. Dazu kommen Hetzen durch die Massenmedien (die der Autor ja auch anspricht), die eine vernünftige Reform der Gesetze verhindern bzw. diese noch verschlimmern.

    Es würde helfen, wenn alle Filme einfach als Kunstwerke angesehen werden würden und diese gleichwertig zu "normalen" Kunstwerken wie Skulpturen oder Gemälden behandelt. Das würde Zensur verhindern. Wenn man dann noch ein Siegel "FSK 21" einführt, dann sollte eigentlich alles geklärt sein, denn ab 21 ist ja keiner mehr jugendlich.
    Das einzige Problem wären dann nur noch Filme, die gegen das Grundgesetz verstoßen (z. B. Nazipropagandafilme wie "Jud Süß"), aber da sollte man vernünftige Regelungen finden. Es fehlt jedoch der Wille...

    "das ist nicht möglih, einzig sabrina könnte man hart ran nehmen, die würde mit tollwütige hunde aus einer schüssel essen.. " Dr. Doom - Shoutbox am 22.08.2013

  • Guter Brief, schlüssig argumentiert - wenn auch mit ordetlich Sarkasmus ;)

    Das Problem ist, dass man nicht weiß, wer in der FSk sitzt. Ist es ein filmerfahrenes, durchmischtes Gremium oder sitzen hier Alte, Konservative und radikale Christen?
    Und was an der Selbstkontrolle freiwillig sein soll... naja wissen wir ja alle. Ich glaube ein Film ohne FSK-Siegel lässt sich im normalen Laden schwer verkaufen, oder?

    "Menschen erschaffen gerne Monster. Und Monster ... zerstören eben ihre Schöpfer.!"

    Harlan Wade, F.E.A.R.

  • Ich hab diesen Brief gelesen und dacht mir eben nur, man da trifft einer auf den Punkt! Einfach blödsinn was uns die FSK da bietet. Theoretisch schaden die damit der deutschen Filmindustire da jeder der ein wenig Ahnung von Filmen hat, zur Auslandsversion greifen wird. Klasse :prop:

    Quote

    "Ich weiß auch, dass die einzige Möglichkeit, einen von den Geistern dieses Buches Besessenen aufzuhalten, darin besteht, seinen Körper völlig zu zertückeln."

  • "Zu Uhrzeiten, in denen Kinder aus der Schule zurück, ihre Eltern aber noch in der Arbeit sind, bekommt der Knirps beispielsweise in Gerichtsshows, die sich den Anschein der Realität geben, den ein Achtjähriger nicht in der Lage ist zu durchschauen, Vergewaltigungen, Nötigungen, Misshandlungen, Kindesmissbrauch,… en masse vorgesetzt. Da dies alles täglich und in mehreren Sendern ausgestrahlt wird, wird suggeriert, solche Verhältnisse seien normal. Hätte es dieses Programm in meiner Kindheit gegeben, ich wäre zum Spielen nur noch in den Keller gegangen."

    lol lol lach, also nee, ernstnehmen kann ich sowas nicht, oder sowas:

    (Wenn ich das richtig verstanden habe, sind "kJ"-freigegebene Filme noch "schlimmer" als ab18-Filme und werden ihrerseits noch von Filmen mit "SPIO"-Siegel getoppt?)

    das ganze hat etwas pubertäres ansich, garniert mit unendlichem halbwissen

    I know nobody's listening 'cos you're all looming, but I got a shot of hot rock 'n roll for you anyway... - KOKLA Red River Rock 'n Roll Request.

  • Ich liebe diesen Brief, genau der richtige Sarkasmus, nette Beispiele, sagt genau was ich zu diesem Thema sage und denke. Wirklich spitze.. Hoffentlich kriegen die jeden Tag 1000 von solchen Briefen. Ich könnt mich einfach so über sowas aufregen.. Wir leben angeblich in einem freien Land.. tja totally.. Deutschland das Land mit den meisten unnötigen Gesetzen :11:
    BAAAAAAAAH ich bekomme aggressionen von solchen Leuten.. und bekommen wahrscheinlich auch noch einen mega tollen verdienst für den Kram die diese da veranstalten.. Für die Tonne.. ABER MEGA..

    "PS: JOHN RAMBO läuft in unserem Nachbarland Österreich ungekürzt. Ich werde nie wieder in Österreich Urlaub machen. Die Gefahr, auf lauter durch RAMBO verrohte, geistig verwirrte Alpenländer zu treffen, die nicht zwischen Film und Realität unterscheiden können, ist mir einfach zu groß."

    Super geil lol

  • Hab ich oben geschrieben: Die Gesetzeslage und die Medien sind schuld. Die Leute von der FSK halten sich an die Vorgaben. Ein Freund von mir ist Anwalt und hat mir das mal erklärt, hat sehr viel mit "Menschenwürde" zu tun. Wenn Menschen im Film auf brutale Weise getötet oder misshandelt werden, dann verletzt das die Würde des Menschen des Menschen. Ist zwar bescheuert, aber auf dieser Grundlage werden Filme geschnitten oder Indiziert. Es gibt auch andere Richtlinien, aber diese ist für vieles Verantwortlich. Die Gesetze müssen geändert werden, die FSK als Behörde (eine Alterseinteilung ist ja sinnvoll) kann ihre Arbeit schon verrichten. Meine Hass-Politkerin Frau von der Leyen hat die Sache übrigens och verschärft und irgendwelche neuen Richtlinien rausgegeben. Welche das sind, kann ich jedoch nicht sagen.

    "das ist nicht möglih, einzig sabrina könnte man hart ran nehmen, die würde mit tollwütige hunde aus einer schüssel essen.. " Dr. Doom - Shoutbox am 22.08.2013

  • Quote

    Original von Skyr0se:

    Ich liebe diesen Brief, genau der richtige Sarkasmus, nette Beispiele, sagt genau was ich zu diesem Thema sage und denke. Wirklich spitze.. Hoffentlich kriegen die jeden Tag 1000 von solchen Briefen. Ich könnt mich einfach so über sowas aufregen.. Wir leben angeblich in einem freien Land.. tja totally.. Deutschland das Land mit den meisten unnötigen Gesetzen :11:
    BAAAAAAAAH ich bekomme aggressionen von solchen Leuten.. und bekommen wahrscheinlich auch noch einen mega tollen verdienst für den Kram die diese da veranstalten.. Für die Tonne.. ABER MEGA..

    "PS: JOHN RAMBO läuft in unserem Nachbarland Österreich ungekürzt. Ich werde nie wieder in Österreich Urlaub machen. Die Gefahr, auf lauter durch RAMBO verrohte, geistig verwirrte Alpenländer zu treffen, die nicht zwischen Film und Realität unterscheiden können, ist mir einfach zu groß."

    Super geil lol

    Der Brief ist wirklich gut. Nur leider steht zu befürchten, dass die FSK tatsächlich viele solcher Briefe bekommt und dieser hier in all der Masse untergeht.
    Ausserdem ist die FSK weder ein kommerzielles Unternehmen, noch eine politische Partei. Umsatz- oder Stimmeinbußen müssen die daher leider nicht befürchten.

    Und wie Anyu schon schrieb, die können auch nur so wie sie aufgrund der Gesetzeslage müssen. "Bessere" Adressaten für so einen Brief wären da gewisse Ministerien.

  • In Österreich gibt es ja keine zensur bei Filmen oder spielen. Trotz allen hab ich dort noch nie etwas von einem amoklauf gehört! Komisch...

    Quote

    "Ich weiß auch, dass die einzige Möglichkeit, einen von den Geistern dieses Buches Besessenen aufzuhalten, darin besteht, seinen Körper völlig zu zertückeln."

  • Quote

    Original von Hotte99:


    Die putzen sich wahrscheinlich nicht die Zähne. lolp

    Hm... hat eigentlich jemand überprüft, ob die Horrorfilme bei den Amokläufern uncut waren? Ich hatte nach dem Genuss einer FSK 16 Version von Dawn of the Dead das Bedürfnis Amok zu laufen. Vielleicht erklärt das auch, dass es in Österreich keine Amokläufer gibt. Die werden nicht von geschnittenen Filmen verstört...

    "das ist nicht möglih, einzig sabrina könnte man hart ran nehmen, die würde mit tollwütige hunde aus einer schüssel essen.. " Dr. Doom - Shoutbox am 22.08.2013

  • Quote

    Original von Anyu:


    Hm... hat eigentlich jemand überprüft, ob die Horrorfilme bei den Amokläufern uncut waren? Ich hatte nach dem Genuss einer FSK 16 Version von Dawn of the Dead das Bedürfnis Amok zu laufen. Vielleicht erklärt das auch, dass es in Österreich keine Amokläufer gibt. Die werden nicht von geschnittenen Filmen verstört...

    Diese Logik gefällt mir! :prop: :6:

  • Quote

    Original von Anyu:

    (...)

    Meine Hass-Politkerin Frau von der Leyen hat die Sache übrigens och verschärft und irgendwelche neuen Richtlinien rausgegeben. Welche das sind, kann ich jedoch nicht sagen.

    :3: meinst du vieleicht die neuen richtlinien/erweiterungen?

    http://schnittberichte.com/news.php?ID=670

    http://www.pcgames.de/Jugendschutz-T…iterien-647389/

    I know nobody's listening 'cos you're all looming, but I got a shot of hot rock 'n roll for you anyway... - KOKLA Red River Rock 'n Roll Request.

  • Die Zeit vergeht und mit ihr wächst die FSK. Ich denke viele Prüfer und Prüferinnen dort haben entsprechende Erfahrung mit dem Medium Film mitgemacht, sind evtl. auch früher davon betroffen gewesen und wollen am "System" was ändern. Die Freigaben werden immer großzügiger. Filme, die heute eine FSK 18 bekommen, wären in den 80ern auf Index B gelandet.

    Ehrlich gesagt interessieren micht die Freigaben unter 18 Jahren nicht. Ich ärgere mich halt als Erwachsener nur, dass ich vom Staat weiterhin bevormundet werde.

    STRANGER THINGS 5

    Premiere: 26. November 2005 - 31. Dezember 2025

  • Köstlich amüsiert! :D

    Ja, das sind sehr gute Briefe :)

    Angesichts von dem, was man heute so in den Nachrichten und auf RTL sieht, sind Vereine wie die FSK längst überholt. Schließlich gibt es auch keine "Freiwilige Verblödungskonterolle der RTL-Industrie" ;)

    "Menschen erschaffen gerne Monster. Und Monster ... zerstören eben ihre Schöpfer.!"

    Harlan Wade, F.E.A.R.

  • FSK - Mediale Tabubrüche versus political correctness (spio-fsk.de) . Buckow Birgit (spio-fsk.de) .pdf

    MEDIALE TABUBRÜCHE VERSUS POLITICAL CORRECTNESS
    Filmdiskurs über exzessive und entgrenzte Gewalt und Körperdarstellung im Horrorfilm – Zu welchen Ergebnissen führen Filmanalyse und Wirkungsannahmen?

    FSK-FREIGABEN IM SPIEGEL DER ZEIT
    ALLES IM (WERTE) - WANDEL: "HORROR" GESTERN UND HEUTE?


    (Hinweis: Den vollständigen Text inkl. Illustrationen und Fußnoten entnehmen Sie bitte unserem PDF-Download)

  • Das stimmt zwar, aber sie geben immer mehr Videofilme frei, die vorher indiziert waren. So sind manche alten Verpackungen nicht mehr so viel in Deutschland wert.

    Fazit: Es müssen mehr Briefe an die Behörde geschrieben werden.

    liegt aber eventuell auch daran dass ne neue Generation von Mitarbeitern tätig ist, die die Filme freigibt. Denn ich glaube die erstentscheidungen wurden vollen alten Säcken mit nazimentalität geführt. Weil sie meinten wenn wir den krieg nicht gewonnen haben, können wir solche Filme aus dem Ausland die Veröffentlichung erschweren. Geführt wurden solche Entscheidungen von hässlichen altweibern mit hausfrauenmentalität die sexuell frustriert waren. :18: :ritter: :guck:

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